Wohnen im Container? - Studentische Wohnungsnot

©Sarah Eisenmann
Für meine ersten eigenen vier Wände wusste ich genau, was ich wollte: Mindestens 20 Quadratmeter, Altbau, Balkon, stylische Einrichtung, coole Mitbewohner, Stadtzentrum… und ach ja, das alles für eine Warmmiete von maximal 250 Euro. Mit diesen Vorstellungen stürzte ich mich vor gut zwei Jahren zunächst höchst optimistisch in den Stuttgarter Wohnungsmarkt.
Ob ich erfolgreich war? Die Größe und Lage konnte ich mir für den Preis sowieso gleich aus dem Kopf schlagen. Und nach den ganzen WG-Bewohner-Castings mit je 20 bis 30 Bewerbern verschwanden auch die anderen Ansprüche immer mehr. Letztlich war ich zu Semesterbeginn sogar erleichtert, zunächst in ein siffiges Wohnheimzimmer mit 11,5 Quadratmeter im Vorort für 230 Euro einziehen zu dürfen.
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Günstiger Wohnraum ist in Deutschland knapp
Das teure Stuttgart ist da kein Einzelfall. In vielen anderen deutschen Städten wäre meine Wohnungssuche ähnlich verlaufen. Gerade in westdeutschen Großstädten und auch typischen Uni-Städten wie Marburg und Heidelberg gestaltet sich die Angebotslage für Studenten schwierig. Die Wohnungsnot ist aber nicht allein durch die übermäßige Nachfrage zu erklären, denn auch die oftmals hohen Mietpreise machen den Studenten die Suche schwer. Schließlich muss für Studenten die Unterkunft vor allem eines sein: bezahlbar!
Laut der Wohnungsbörse immowelt.de liegen die Preise eines WG-Zimmers in Städten wie Bochum, Dortmund und Kassel ungefähr bei studentenfreundlichen 6,20 Euro pro Quadratmeter. In München, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und Darmstadt sieht das aber schon ganz anders aus: Hier muss man für einen Quadratmeter zwischen 11,20 Euro und 14,10 Euro zahlen. Somit verkleinert sich hier die – sowieso schon zu geringe – Angebotsauswahl zusätzlich nur noch auf die wenigen „Schnäppchen“ des Wohnungsmarkts.
Überfüllte Wohnheime
Natürlich könnte man jetzt sagen: Und was ist mit den Studentenwohnheimen? Bieten diese nicht Wohnraum speziell für Studenten und zu günstigeren Preisen an?
Ja, das stimmt. Aber laut dem Ergebnis der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) 2009 bekommt ungefähr nur jeder zehnte Student einen Platz im Wohnheim und die Studentenwerke führen gerade zu Semesterbeginn lange Wartelisten. Zieht man die 20 Prozent der Studenten ab, die während des Studiums noch bei den Eltern wohnen können, müssen sich also immer noch 65 Prozent aller Studenten auf dem freien Wohnungsmarkt behaupten.
Not macht erfinderisch
In Freiburg wurde vor einigen Jahren vom Studentenwerk und der Stadtverwaltung ein Projekt begonnen, das unter dem Motto „Wohnen für Hilfe“ steht. Die Studenten helfen den Senioren – und erhalten im Gegenzug Wohnraum. In dieser Art Zweck-WG stellen die Senioren also Zimmer zur Verfügung, die Studenten übernehmen dafür Besorgungen oder leisten andere Hilfsdienste.
Auch in Berlin wird sich die Wohnlage in den nächsten Jahren extrem zuspitzen. Die Chefin des Studentenwerks, Petra Mai-Hartung, sieht laut einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ auch noch einen anderen möglichen Ausweg: Es könnten Wohncontainer aufgestellt werden, die an den Wohnkomplex des Studentenwerks angebunden sind. Dieses Konzept wurde bereits in München und Karlsruhe erprobt.
Was haltet Ihr von solchen Lösungen? Habt Ihr vielleicht sogar ähnliche Erfahrungen gemacht? Wohnt Ihr noch? Oder containert Ihr schon?
Von Sarah Eisenmann
Montag, 21. Februar 2011 15:27
Mir ging es genauso, ich habe ewig nach einer bezahlbaren Wohnung in München gesucht und bin letztlich im Container gelandet!! Mittlerweile hab ich aber nach langem Suchen eine schöne Wohnung nähe Uni gefunden, was mich aber viel Stress und vorallem auch Geld gekostet hat!
Schöner Artikel…
Gruß
Montag, 21. Februar 2011 15:45
Der Staat muss mehr Wohnheime bauen! Wohnraum, den man sich als Student(in) leisten kann! Natürlich stehen viele Wohnungen leer (heißt es immer wieder), insofern gibt es keinen Wohnungsmangel. Aber die meisten leerstehenden Wohnungen kann man sich mit kleinem Geldbeutel ja überhaupt nicht leisten. Wofür zahle ich Steuern??
Freitag, 25. Februar 2011 16:45
Hallo Zusammen,
ich selbst bin ziemlich spontan in einem Wohnheim untergekommen. Nach dem Artikel zufolge, war dass dann wohl aber eher ein Zufall. Ich muss schon sagen, Wohnheime sind echt was cooles. Ich brauche eine Minute in die FH und meine Komilitonen wohnen auch fast alle auf dem Campus. Soweit so gut, aber mit ständig wechselnden Mitbewohnern ist es auch nicht immer leicht, andere Kulturen, andere Gewohnheiten….die können dann teilweise auch ziemlich zusammenprallen. Es gibt immer positive und negative Seiten…aber soweit kann ich eig. nicht klagen, wenn ich mir die Wohnungsprobleme so anschaue.
Gelungener Artikel !!!
Dienstag, 5. April 2011 7:42
Guten Morgen miteinander =)
Ich bin einer der Glücklichen der schon in der Nähe der Uni wohnt, aber dennoch durch Freunde und Kommilitonen mitbekomme, wie es auf dem Wohnungsmarkt aussieht.
Was wohl das Wichtigste ist bei der Wohnungssuche, ist der Zeitpunkt. Gerade 2 Monate vor Semesterbeginn, sind alle Studenten auf Suche und daher ist das “Casting” auch immer Zahlreich besucht. 2 Monatsmieten früher, und es sieht viel entspannter aus. Und zudem kommt, “wer zu spät kommt, verpasst das Beste”
Die hohen Mietpreise sind verständlich, denn was selten ist wird auch hoch gehandelt. Leider kann ich auch dazu sagen, dass es in manchen Städten auch selten gehalten wird!
Mein Vater ist Architekt, und hatte nicht selten Pläne für große Studentenwohnheime in sehr zentraler Lage auf dem Tisch liegen. Teilweise Komplexe die mit 6 Stockwerken und je Stockwerk Platz für ca. 50 Studenten. Es gibt viele die diese Platznot erkennen und darin einen Vorteil für sich selbst sehen, und für die Studenten auch.
In einer zentralen Lage füllt sich sowas schnell, aber genau da liegt das Problem der Stadt. Die Befürchtung auf Studentenpartys und Lärm machen dem Architekten und dem Investor schnell einen Strich durch die Rechnung. Und das Ausweichen in einen Vorort, in welchem es “keinen stören würde” ist dem Investor zu riskant…
Freitag, 16. Dezember 2011 18:45
Leute, studiert doch einfach in Städten, in denen genug Wohnraum vorhanden ist.