Das Studenten-Märchen – Wie wenig wir wirklich für unser Studium tun

©Christof Elben
Erst ein paar Monate ist es her, dass Studenten bundesweit die Hörsäle besetzten und auf die Straße gingen. Viele klagten über 60 Stunden-Wochen, Prüfungsstress und Überlastung. Die Schuld daran gab man der Bologna-Reform und der Umstellung auf das Bachelor/Master-System. Um das Elend der Studenten zu dokumentieren, führte das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung in Hamburg die ZEITlast-Studie durch - und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Nur 26 Wochenstunden opfern wir durchschnittlich für unser Studium, statt der von Bologna geforderten 40, und fühlen uns trotzdem gestresst. Wie kann das sein? Sind wir eine Generation „lamentierender Faulpelze“, wie es „Der Spiegel“ vermutet?
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Raum für Zweifel lässt die Studie kaum. Ein Semester lang haben 121 Studenten aus vier Hochschulen und sechs verschiedenen Studiengängen ihren Tagesablauf akribisch in einem Webformular festgehalten. Was der Studie an Repräsentativität mangelt, macht die Methodik wieder wett. Anstatt die Probanden ihren Workload aus der Erinnerung schätzen zu lassen, so wie in den üblichen Studien, dokumentierte ZEITlast ihren Tagesablauf im Viertelstundentakt. Studierende der Mechatronik, Kultur-, Medien- und Erziehungswissenschaften mussten genau angeben, wie oft und wie lange sie in der Vorlesung saßen oder mit der Vor- und Nachbereitung ihrer Seminare beschäftigt waren. Auch Freizeit und Lohnarbeit wurden erfasst. Als am Ende das Ergebnis kam, waren nicht nur die Studienleiter überrascht, sondern auch viele Teilnehmer schockiert. Nur 26 Wochenstunden widmet der typische Student seinem Studium. Hinzu kommen durchschnittlich sechs Stunden Jobben. Eine ernüchternde Bilanz…
„Es bringt niemanden weiter, in Kategorien wie ‚faul‘ zu denken“
Die ZEITlast-Studie räumt auf mit dem Märchen vom überlasteten und gestressten Studenten. Warum beschweren wir uns überhaupt? Sind wir alle einfach faul?
Dr. Christiane Metzger, Projektleiterin der ZEITlast-Studie, sieht das im Gespräch mit dem StudiPolitBlog so: „Es bringt niemanden weiter, in Kategorien wie ‚faul’ zu denken. Ich gehe davon aus, dass Menschen, die sich für ein Studienfach entscheiden, grundsätzlich an diesem Fach und der Auseinandersetzung mit den entsprechenden Inhalten interessiert sind.“ Dass die subjektiv empfundene Belastung so weit vom tatsächlichen Workload abweicht, hat laut Christiane Metzger viele Ursachen: „Zum einen entstehen durch die aktuelle Lehrorganisation zum Teil größere Lücken in den Stundenplänen, die nicht für das Studium zu nutzen sind bzw. genutzt werden. Dazwischen passiert unter Umständen nicht viel für das Studium, man hat aber trotzdem das Gefühl, den ganzen Tag an der Uni gewesen zu sein.“ Zum anderen werden wir mit vielen unterschiedlichen Themen gleichzeitig konfrontiert und können nur schwer Prioritäten setzen. Anstatt die Pausen zwischen den Vorlesungen fürs Selbststudium zu nutzen, verbringen wir die Zeit lieber im Internet oder in der Cafeteria mit unseren Kommilitonen.
Neben der lernwidrigen Organisation des Studiums spielt auch die gestiegene Anzahl der Prüfungsleistungen und die ‚Verschulung‘ des Studiums durch die Bologna-Reform eine Rolle für die subjektiv empfundene Überlastung. „Der Druck durch Prüfungen ist gestiegen, da in vielen Studiengängen mehr Prüfungsleistungen erbracht werden müssen und häufig alle Noten in die Endnote eingehen. In manchen Studiengängen gibt es zudem kaum noch Wahlmöglichkeiten, die das Studieren nach individueller Neigung und Interesse ermöglichen würden. Dies ruft das Gefühl hervor, vollständig fremdgesteuert zu lernen“, so Christiane Metzger gegenüber dem StudiPolitBlog.
Auch die Hochschulen sollten Verantwortung übernehmen
Natürlich können wir die Schuld für unser geringes zeitliches Engagement nicht einfach der schlechten Organisation unseres Studiums zuschreiben oder den vielen Prüfungen. So unangenehm die Wahrheit auch ist, in erster Linie sind wir Studenten in der Verantwortung und jeder muss selbst entscheiden, wie viel Zeit er in sein Studium investiert. Aber auch die Hochschulen müssen handeln. „Die Universitäten vergeben nun Leistungspunkte für das Selbststudium, also sollten die Lehrenden auch die Verantwortung dafür übernehmen und das Selbststudium angemessen betreuen“, fordert Christiane Metzger. „Außerdem müsste es eine Revision der Studiengänge hinsichtlich der Modularisierung und des Prüfungswesens geben.“
Zeit für einen Selbstversuch
Zu Beginn stand ich der Studie skeptisch gegenüber. Es konnte doch nicht sein, dass ich wirklich nur so wenig Zeit in mein Studium investiere. Also habe ich einen Selbstversuch gemacht und die vergangenen sechs Wochen nach dem Vorbild der Studie Tagebuch geführt. Das Ergebnis hat mich überrascht: Nur 31 Wochenstunden habe ich mit Studieren verbracht, aber auch 10 Stunden in der Woche gearbeitet. Trotzdem hätte ich die Stundenzahl viel höher eingeschätzt.
Was meint Ihr zur Studie? Fühlt Ihr Euch auch gestresst und könnt kaum glauben, dass Ihr angeblich nur so wenig Zeit investiert? Seht Ihr Euch in der Verantwortung oder habt Ihr ein gutes Gewissen? Startet doch mal einen Selbstversuch und berichtet uns davon!
Von Swetlana Maier
Weiterführende Links:
Märkische Allgemeine Zeitung (2010): Studienreform: Stress in der Caféteria
M. Dworschak (2010): Erschöpft vom Bummeln
J. Schaaf (2010): Andere Leute müssen auch Kekse backen
Homepage des Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung (ZHW): ZEITLast
Montag, 10. Januar 2011 17:18
Ich fühle mich gestresst und glaube auch nicht, das ich zu wenig tue. 30 ECTS Punkte pro Semster sind für mich fast unmöglich zu schaffen, um einer seits effektiv zu lernen und anderer seits auch noch Abreiten gehen zu können.
Ich studiere ja nicht nur wegen dem Abschluss sondern ich will dabei ja auch was Lernen. Bei so viel Lernstoff der vorgegeben wird ist das aber nicht möglich. Das bedeutet für mich, ich entschließe mich bewusst dazu weniger ECTS Punkte zu machen um effektiver zu studieren. zumindest für mich!
Dienstag, 11. Januar 2011 20:54
Ich hab die letzte Woche mal gezählt.54h.es waren ferien.hat keinen spaß gemacht.
ich schließ mich sam’s meinung an. das bachelor studium is ähnlich irrsinnig wie die zu schreibenden klausuren. hauptsache viel und schnell auf einmal.
Dienstag, 11. Januar 2011 22:42
30 ECTS sind drin in einem Semester, dafür muss nur in 3 Wochen 10 Klausuren schreiben und dazu noch 3 Hausarbeiten schreiben. Dann soll man noch sich ganz viel in der Hochschule engagieren und neben dem Studium arbeiten gehen. Achso ein Leben sollte man nicht haben. Warum auch, stört ja nur…
Sonntag, 16. Januar 2011 14:30
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Wirklichkeit nur so wenig Zeitaufwand sein soll und wir Studenten eine so extrem verschobene Wahrnehmung haben! Ich habe in diesem Semester 11 Klausuren und 3 Hausarbeiten. Die Prüfungszeit ist für mich kaum auszuhalten! Aber auch während des Semesters ist es nicht so, dass ich nur faulenze! Man hat regelmäßig Stoff vorzubereiten, Zusammenfassungen zu schreiben, Übungsaufgaben zu machen und Referate zu halten. Und wie meine Vorgänger schon sagten: Man hat ja auch noch andere Dinge, die man tun muss oder will. Das ist in der Praxis fast unmöglich!
Dienstag, 18. Januar 2011 10:55
Ich kann mich den vorangegangenen Meinung nicht anschließen. Bei mir zu mindest ist es so, dass ich immer nur in den letzten paar wochen des Semesters richtig gestresst bin und während des Semesters maximal regelmäßig ( aber nicht in alle Vorlesungen ) gehe. Naja fairerweise muss ich zugeben, dass ich wenn nicht gerade was Ansteht nichts darüber hinaus für mein Studium tue. Weiterführende literatur lese ich nicht - schließlich reicht es am Ende des Semesters das Skript auswendig zu Lernen (nicht in allen aber in den meisten Fällen). Wahrscheinlich sollte ein Studium gerade so nicht sein, aber was soll’s. Meine Zensuren sind zufriedenstellend, was will ich mehr?
Dienstag, 15. Februar 2011 14:37
Das kann doch nicht wirklich der Sinn eines Studiums sein, dass man am Semesterende 4 Wochen lang büffelt und sonst nichts macht! Dabei kann man doch gar nichts lernen! Das geht alles ins Kurzzeitgedächtnis und ist wenige Tage später wieder vergessen! Das ist wirklich schade!
Montag, 4. April 2011 22:26
Also ich muss sagen das bei mir das letzte Semester sehr stressig war. Ich hab 34 ECTs gemacht und ich gehöre auch zu den Leuten die in fast jeder Vorlesung sitzen. Allerdings irgendwelche Sachen nachlesen oder so mach ich in der Regel auch nicht, außer es ist wirklich notwendig. Nebenbei bin ich im Durchschnitt noch 13 h die Woche arbeiten gewesen. Durch das ganze S-Bahn fahren war ich unter der Woche letztendlich nie vor sieben zu Hause. Am Wochenende musst ich dann meine Hausarbeiten schreiben und das machen was ich unter der Woche nicht geschaft hab.
Ich denke letzt endlich muss jeder selber wissen wieviel Stress er sich zumuten bzw. in wie weit er sein Studium in die länge ziehen will. Es macht auch schon einen großen Unterschied ob man jetzt noch arbeiten gehen muss oder nicht. Ich bin aber froh das dieses Semester etwas entspannter ist!
Samstag, 14. Mai 2011 14:38
Ist ja klasse, dass die Damen und Herren die Pausenzeiten als “Freizeit” werten. Was ist mit der ganzen Kopiererei, von einem Gebäude ins nächste hetzen, nochmal schnell die Folien der letzten Vorlesung durchlesen?
Sollen die sich doch mal in ne schöne Elektrotechnik-Vorlesung oder Strömungslehre-Vorlesung setzen und dann nochmal sagen… statt zu lernen verplempern die Studenten ihre Pausen mit kaffeetrinken.
Ich sitze defakto von Montag bis Donnerstags von 8 bis 17:30 in der FH. Danach kann ich meinen Haushalt schmeißen. Zum Glück muss ich nicht arbeiten, dann würde ich das Studium in der Regelstudienzeit niemals schaffen. Freitag ist für Projektarbeit frei. Also auch von 8 bis 15 Uhr in der FH büffeln. Und jetzt erzählt mir mal, wo ein Student tatsächlich Wochenende hat?! Wir Maschinenbauer haben keins! (Ausgehend vom durchnittlich Intelligenten Studenten mit mittelmäßig bis guten Noten)
Ich habe eine Ausbildung und vorher in 3er Schicht gearbeitet, also 35 Stunden Woche. Ich bin nicht verweichlicht und weiß was richtige Maloche ist. Und 35 und 26 kann ich schon unterscheiden… Gefühlt arbeite ich für mein Studium 60 h die Woche.
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Wie lange Arbeitet ein Lehrer im Jahr?
Das Jahr hat 365 Tage. Davon sind 52 Sonntage und 52 Samstage.
365 - 104 = 261 Tage
Arbeitet ein Lehrer wirklich 261 Tage?
Ein Lehrer Arbeitet ca. 8 Stunden, also etwa 1/3 des Tages.
261 : 3 = 87 Tage
Arbeitet ein Lehrer wirklich 87 Tage?
Im Jahr sind 6 Wochen Sommerferien (30 Schultage), 2 Wochen Winterferien (10 Schultage), 2 Wochen Osterferien (10 Schultage), 2 Wochen Pfingstferien (10 Schultage), 1 Woche Herbstferien (5 Schultage) und noch 8 bewegliche Tage. Ergibt zusammen 73 Schultage.
87 - 73 = 14 Tage
Arbeitet ein Leher wirklich 14 Tage im Jahr?
Es gibt ja auch noch Feiertage: Neujahr, 1.Mai, Fronleichnam, Allerheiligen, Tag der deutschen Einheit, Christi Himmelfahrt. Ergibt zusammen 6 Tage.
14 - 6 = 8 Tage
Arbeitet ein Lehrer 8 Tage im Jahr?
Moment, da entfallen ja 7 Tage wegen Ausflüge, Abiprüfungen, Wandertage!
8 - 7 = 1 Tag
Und was ist wenn ein Lehrer mal krank ist?
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Wahrscheinlich war der Lehrer vorher Bachelorstudent
Samstag, 14. Mai 2011 18:15
Das Beispiel mit dem Lehrer ist hoffentlich nicht ernst gemeint.
Ich hab ein halbes Jahr mit ner angehenden Lehrerin in ner WG gelebt.
Während ich einen “9 to 5″ Job hatte, war sie zwar schon gegen 3 daheim, saß dann nicht selten bis 9 noch am Schreibtisch und hat den Unterricht für den nächsten Tag vorbereitet…
Auch wenn es auf den erste Blick nicht so scheint, auch Lehrer haben viel Arbeit.
Mittwoch, 18. Januar 2012 11:37
Also, ich bin über 40 und im 3ten Semester meines Wirtschaftinformatik-Studiums.
Ich war knapp 10 Jahre in der Branche tätig und bin strukturiertes Arbeiten unter Stress gewohnt. Aber was ich im Studium erlebe, schlägt alles…
Laut Workloads sollte ich im 3ten Semester 40 Stunden für das Studium bringen. Gerechnet sind diese Stunden von Begin bis Ende des Semester (21 Wochen). Ich hatte aber 12 Wochen Vorlesung und schreibe innerhalb von 3 Wochen alle Klausuren. Macht 15 Wochen….
Macht es Sinn für Klausuren zu lernen, die man schon vor Wochen geschrieben hat?
Vorbereitung auf das nächste Semester ist da auch nur bedingt möglich, denn an viele Unterlagen der entsprechenden Professoren kommt man nicht wirklich ran. Manche haben pro Kapitel ein 28stelliges Passwort, das wild zusammengetippt ist und sich jedes Semester ändert….
Also bleibt nur die empfohlene Literatur…
Auch ist die Anzahl der Themenwechsel während der Vorlesungszeit mit durchschnittlich 10 Themen meiner Meinung nach, sehr hoch. D. h. ich muss mich in einer Woche mit 10 Themen beschäftigen - d. h. Vorlesungnacharbeit, recherchieren, lesen, Vorlesungsvorbereitung, usw…,
Dann kommt das Ganze geballt in der Klausurzeit wieder…
Das einzige was da dann bleibt: “Bulimielernen”!
Was bleibt vom Studium?
Wissen???
eher der Bachelor-Titel…..