Archiv für das 'swr2'-tag

Pigor, Pigor, Pigor!

War saumselig. Deshalb erst jetzt der Hinweis auf Pigors neuestes Chanson des Monats.

Der Mann hat sich mal wieder selber übertroffen.


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Göttlich: die SWR-2-Musikstunde über Heifetz

“Rubinstein brüllt: ,Jascha, selbst wenn Gott hier geigen würde, stünde auf den Plakaten: Rubinstein, GOTT, Piatigorsky, in dieser Reihenfolge.’”

Wie gut, dass – Triumph der Technik – auch diese Musikstunde nachzulesen und nachzuhören ist. Wollte ich nur mal gesagt haben.


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Die Musikstunde mit Thomas van Rübenacker

“Ich kenne eigentlich nur einen aus dieser Zunft, den Glöckner von Notre-Dame. Der war so arm, dass es nicht einmal zu einem Modo reichte – er brachte es nur bis zum Quasimodo.”

Und so kalauert Thomas Rübenacker, der laut Folge 1 eigentlich Beethoven heißt, sich munter durch die Musikstundenwoche. Anhören!


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Das Leben ist kein Wunschkonzert

Ich bin mir nicht sicher, ob die klassischen Hörer von „SWR 2 Treffpunkt Klassik – Ihre Wünsche“ am hellen Morgen unbedingt scharf sind auf das Esbjörn-Svensson-Trio mit “Dolores in a shoestand”. Nichts gegen das Esbjörn-Svensson-Trio und seine Dolores, aber sicher bin ich mir da wirklich nicht.

Aber ob ein anschließendes Johann-Strauß-Medley weniger nervig ist, weiß ich erst recht nicht.

Ich schalt jetzt sicherheitshalber mal aus.


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Ain, ain, ain, nicht é, é, é

Susanne Herzog widmet sich in dieser Musikstundenwoche Musikern auf Reisen. Den Anfang hat Camille Saint-Saëns gemacht. Das ist löblich, weil er und sein Werk in Deutschland lang nicht so bekannt sind, wie es angemessen wäre. Zum Beispiel das wirklich bezaubernde Finale seines fünften Klavierkonzerts.

Nur, liebe Frau Herzog: der Mann heißt Saint-Saëns, nicht Sé-Saëns. Ain, ain, ain, nicht é, é, é –  hein? (Dass viele Leute Sans-Sans sagen, macht sie Sache nicht besser.)

Ansonsten: nichts für ungut. Und ich freue mich schon auf die nächsten Folgen.


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Pigor singt – und wir dürfen zuhören

Es ist ja nun nicht so, dass SWR2 mich nicht frühmorgens schon zur Weißglut gebracht hätte. Aber es geht auch anders. Erstens habe ich die einfältige Lisa seit Ewigkeiten nicht mehr hören müssen. Und zweitens singt Pigor seit einem Jahr regelmäßig das “Chanson des Monats”. Der eine oder andere wird Pigor vielleicht als IT-Hasser kennen, oder als Stimme von Walter Moers’ Adolf, der alten Nazisau.

Jedenfalls: Pigor liefert den Beweis, dass es auch außerhalb von Österreich bös, verletzend, aggressiv, rücksichtslos, diskriminierend und lustig zugehen kann. Jeden Monat aufs Neue. Danke, Pigor, danke SWR2.

Was ich schon lange mal gesagt haben wollte.


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Gerald Moore und ein Schlenker zu den Radiorettern

“Bin ich zu laut?”, hat Gerald Moore seine Autobiographie fast ein wenig scheu betitelt. Nein, zu laut war der Liedbegleiter des 20. Jahrhunderts gewiss nicht (allerdings auch nicht gerade ein technischer Überflieger). Heute vor 25 Jahren ist der Pianist im Alter von 87 Jahren gestorben, Treffpunkt Klassik auf SWR 2 hat ihm den Feuerreiter von Wolf-Mörike mit Dietrich Fischer-Dieskau gewidmet.

Fast rührend, wie sich Moore tapfer durch die Gemeinheiten des Klaviersatzes kämpft. Aber nicht erst am Ende ( “Feuerreiter, wie so kühle / Reitest du in deinem Grab! / Husch! da fällt’s in Asche ab.”) merkt man, weshalb er  den Ruf des Ausnahmebegleiters  hat.

Weniger schön: die Moderatorin Gaby Beinhorn hat dann attaca und ohne Ansage auf Wolfs Intermezzo für Streichquartett umgeschaltet. Ein bezauberndes Stück, gewiss. Aber SWR 2 ist immer noch ein Kultur- und kein Quizradio. Wenn raten, dann meinetwegen samstag morgens bei Katharina Eickhoff.

Und wenn ich schon am Mahnen bin: der WDR  sieht sich gerade einer wachsenden Protestbewegung gegenüber, die befürchtet, dass sein drittes Radioprogramm gartenzwergiger und mickimausiger wird. Näheres unter hier – hab selber auch schon subscribiret.


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Dvoráks Cellokonzert in A-Dur – was für eine Entdeckung

Es ist immer wieder schön, etwas Neues zu hören, das einem auf eigentümliche Weise vertraut zu sein scheint: Ines Pasz hat heute im SWR-2-Treffpunkt-Klassik Antonín Dvoráks nachgelassenes A-Dur-Cellokonzert  vorgestellt. Ein bezauberndes Werk, ein Dvorák, wie er im Buche steht: reiche Melodik, farbige Harmonik, musikantische Instrumentierung.

Gewiss: ein Johannes Brahms hätte das Material bestimmt zwingender, konsequenter verarbeitet. Das tut dem Charme des dvorákschen Frühwerks aber keinen Abbruch. Wie in vielen seiner Werke, gibt sich der böhmische Komponist wie ein stolzer Vater, der seine ausnehmend hübschen musikalischen Kinder liebt, hätschelt, hochhebt, nach allen Seiten vorzeigt – und nicht allzu streng mit ihnen umgeht.

Sei’s drum: ein Dankeschön an  den Cellisten Ramon Jaffé, den Dirigenten Daniel Raiskin und das Staatsorchester Rheinische Philharmonie, die das Cellokonzert eingespielt und an Frau Pasz, die es ins Programm genommen hat.


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Krachmusikoff in der SWR-2-Musikstunde

Stalin, noch ohne Schnauzer

Wieder einmal ist eine interessante Musikstundenwoche zuende gegangen. Doch im Gegensatz zur vorigen – Susanne Herzog über Vivaldi - hat diesmal - Thomas Rübenacker über Musik und Macht -  die Erkenntnis auch weniger angenehme Gefühle gezeitigt. 

Werke wie Beethovens glorreichen Augenblick und Brahms’  Triumphlied hat der Autor zwar gewohnt kenntnisreich in den historischen Kontext gestellt. Aber gut finden muss man solche Kuriositäten deshalb noch lange nicht. Schon gar nicht  Sergeij Prokofjews “Kantate zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution”, die die Reihe beschloss.

Bei diesem monströsen Machwerk – Rübenacker relativiert freilich seinen propagandistischen Nutzwert – handelt es sich um ein Stück stalinistische Zeitgeschichte, das nach feuchten Filzjoppen, fetten Komsomolzinnen, nach subtilem und offenem Terror, nach Hoffnungslosigeit, Trübsal und dünner Kohlsuppe förmlich –  stinkt.

Es ist immer schwierig, über jemanden zu urteilen, der in einer Diktatur lebt (so er nicht gerade aktiv kriminell wird). Aber die Nachwelt hat  die Freiheit, Vergessenswürdiges einfach beiseite zu lassen. Insofern verstehe es wer will, weshalb ein großer Dirigent wie Neeme Järvi dieses Stück Krachmusik überhaupt eingespielt hat.

Mich jedenfalls hat es beim Anhören schier gelupft.


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Zweitklassiger Brahms, erstklassige Musikstunde

Schalt die  Musikstunde ein und lern etwas dazu. In dieser Woche hat Wolfgang Sandberger über Widmungen in der Musik gesprochen. Nicht nur, dass Sandberger einen beneidenswerten Job hat – er ist Leiter des Brahms-Instituts an der Musikhochschule Lübeck, auf dessen online stehender Notensammlung wir ja schon mehrfach verwiesen haben -, er gehört auch zu denjenigen Musikstundenmoderatoren, denen man stets gerne zuhört.

Leider hab ich aus organisatorischen Gründen mal wieder nur einen Teil der Musikstunde mitbekommen, dabei aber sind mir, man wird ja auch mal mäkeln dürfen, zwei Dinge aufgefallen. ‘Zweitklassiger Brahms, erstklassige Musikstunde’ weiterlesen


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