Archiv für das 'robert schumann'-tag

CD-Tipp: Schumann mit Florian Uhlig

Florian Uhlig, das ist gewiss, schreibt mit seiner Gesamtaufnahme von Robert Schumanns Klavierwerken Interpretationsgeschichte – historisch, wissenschaftlich und musikalisch. Er ist der richtige Mann für dieses Mammutprojekt aus dem Hause Hänssler Classic. Er hat das technische Rüstzeug,  den notwendigen Ernst und er trifft vor allem, ganz wichtig bei Schumann, den richtigen Ton. So innig wie er hat noch kaum einer die Papillons (Vol. 3, „Charakterstücke I“) hingezaubert, so traumverhangen entrückt klingt ein großer Steinway nur ganz selten.

Und nun also Vol. 4, „Schumann in Wien“. Mit Kompositionen, die ihm eigentlich genauso liegen müssten, zum Beispiel mit der Arabeske op. 18 und der Humoreske op. 20. Nur: dieses Mal mag sich, bei aller Verlässlichkeit und Genauigkeit, der Zauber nicht so recht einstellen. Nicht nur, dass der Flügel etwas weniger brillant intoniert ist als in Vol. 3. Uhlig öffnet sich weniger der Schumann’schen Poesie, als man das hätte erwarten mögen, er bleibt distanzierter, unverbindlicher. Das spielt sich zwar immer noch auf  einem enormen Niveau ab, nimmt man aber etwa die Humoreske, so wird im direkten Vergleich mit Piotr Anderszewski (der übrigens am 19. Dezember in Stuttgart gastiert – hingehen!) deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen einer sehr guten und einer phänomenalen Interpretation sein können.

Aber man kann nicht alles haben. Deshalb: auf ein Neues!


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CD-Tipp: Dina Ugorskaja mit Schumann

Sie ist keines jener Piano-Girlies, von denen in ein paar Jahren wahrscheinlich kein Mensch mehr spricht. Und ihre Diskographie ist sehr überschaubar: gerade einmal fünf CDs. Für eine Pianistin Jahrgang 1973 nicht eben viel. Aber was hat Dina Ugorskaja nicht alles vorgelegt: Bach-Inventionen und Chopin-Préludes von höchstem Niveau, Händel-Suiten mit Referenz-Charakter. Und nun: Schumann. Die Kreisleriana. Dazu die Gesänge der Frühe. Sieben Klavierstücke in Fughettenform. Und die nachgelassenen Geistervariationen. ‘CD-Tipp: Dina Ugorskaja mit Schumann’ weiterlesen


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Ich hab meine Tante geschlachtet

Heidenfetz! Das muss ich jetzt gleich loswerden. Gerade kam im SWR-2-Mittagskonzert Schumanns Klavierquintett. So, wie ich es noch nie gehört hab. Explosiv, ruppig, leidenschaftlich. Mit Lust am kernigen Ton. Mit einer eigenwilligen Phrasierung im langsamen Satz (“ich hab meine Tante geschlachtet, meine Tante war alt und krank… lalala”). Mit Zwischentönen, die sonst unters Notenpult fallen. Der hat regelrecht gebrummt, der Schumann.

Die Interpreten – Akiko Yamamoto am Klavier und das Quatuor Ebène – sind mir bewusst noch nicht untergekommen. Aber die merk ich mir!

Mais maintenant, il faut que je cultive le jardin.


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