Archiv für das 'Opus 120'-tag

CD-Tipp: die Klarinettensonaten von Brahms

Nichts gegen Bratschisten, Geiger, Saxophonspieler. Aber wenn sie sich, was immer mal wieder vorkommt, bei Johannes Brahms’ op. 120 auf mehr oder weniger fremdes Terrain begeben, dann bleibt das Ergebnis klanglich gegenüber dem Originalinstrument Klarinette regelmäßig auf der Strecke. Wie zum Beweis dieser These haben der Klarinettist Kyrill Rybakov und die Pianistin Anna Zassimova die beiden späten Brahms-Sonaten eingespielt und dabei auch noch auf zeitgenössische Instrumente zurückgegriffen. Herausgekommen ist eine CD, bei der sich das vermeintlich Irritierende – der Titel „Declaration of Love“ sowie  ein Foto des 20-jährigen Brahms als Coverboy – auf das rein Äußerliche beschränkt.

Denn die beiden vergleichsweise jungen Musiker spielen die Werke des alten Meisters so innig, wie man es sich nur wünschen kann. Sie verzichten komplett auf alles schwülstige Beiwerk, stellen sich in der Hinter- und die Kompositionen in den Vordergrund: kleine Gesten statt großer Pose. So gelingt ein Brahms, dessen berückende Wirkung aus einer liebevollen Sachlichkeit entsteht. Das gleiche gilt für die Klavierfantasien op. 116 mit Anna Zassimova solo am Bechstein von 1876, die in ihrer poetischen Genauigkeit ebenfalls Lust machen auf mehr. Wie wäre es zum Beispiel mit den Klavierstücken op. 118?

PS.: Jetzt hab ich mich doch nach einem genaueren Blick ins Internet belehren lassen müssen, dass sowohl die Bratschen- als auch die Geigenfassung vom alten Brahms persönlich stammt. Mea culpa. (Ändert aber nichts an meiner nach wie vor favorisierten Version für Klarinette.)

 


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