
Caspar David Friedrich hat auch Ausrufezeichen gesetzt
(…) Der Morgen, das ist meine Freude!
Da steig ich in stiller Stund
Auf den höchsten Berg in die Weite,
Grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!
Bettina Winkler bringt uns gerade in der Musikstunde „Joseph Eichendorff und die Musik“ (so der Titel ihres Manuskripts) nahe. Sachlich, unaufgeregt, informativ. So muss es sein. Trotzdem bin ich heute morgen über eine Passage gestolpert:
„Im sechsten Kapitel [des „Taugenichts“] findet sich jenes Gedicht, das in der Vertonung von Hugo Wolf vielleicht am bekanntesten wurde, das aber gerade in der musikalischen Gestaltung der Schlusszeilen heute besonders heikel erscheint: “Heimweh”. Am ehesten kann ich mich da noch mit der Interpretation von Wolfgang Holzmair anfreunden, dessen Aussprache zwar etwas undeutlich ist, der aber den Liedschluss nicht so auftriumphierend präsentiert wie viele andere. Fortissimo steht zwar bei Wolf, aber wenn man’s etwas mehr zurücknimmt, klingt es eigentlich viel inniger und schöner.“
Es ist eine Sache, den Eichendorff-Text aus Gründen übertriebener politischer Korrektheit für heikel zu halten. Eine andere ist es, ihn auch noch so zu interpretieren. Eichendorff setzt ein Ausrufezeichen, Wolf ein Fortissimo. Wer das – aus welchen Gründen auch immer – ignoriert, nimmt dem Dichter und seinem Komponisten viel zu viel von ihrem romantischen Überschwang.
PS: Richtig schlimm daneben gelangt hat Frau Winkler heute morgen mit der Auswahl des letzten von Robert Schumanns “Gesängen der Frühe”. Nicht, dass es gleich zwei exemplarische Einspielungen der jüngsten Zeit gäbe (Dina Ugorskaja und – in diesem Stück fast noch schöner – Piotr Anderszewski). Aber diese lieblose, unsensible Version von Maurizio Pollini hat mich fassungslos zurückgelassen. Schauderhaft.
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