Archiv für das 'Johannes Brahms'-tag

CD-Tipp: die Box zu Leon Fleishers 85. Geburtstag

Leon-Fleisher-The-Complete-Album-CollectionDas ist der Mann mit den zwei Gesichtern: ein jugendliches, etwas rundliches, oft strahlendes. Und ein eher hageres, bärtiges, vom Leben gebeuteltes, aber nicht gebrochenes. Leon Fleisher, der heute, am 23. Juli, 85 Jahre alt wird, gehört zu den ganz großen Pianistenpersönlichkeiten unserer Zeit.

Er war ein optimistischer Senkrechtstarter, dieser Artur-Schnabel-Schüler, der Johannes  Brahms’ Händelvariationen so kraftvoll, federnd und transparent drauf hatte, wie sonst keiner. ‘CD-Tipp: die Box zu Leon Fleishers 85. Geburtstag’ weiterlesen


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CD-Tipp: die Klarinettensonaten von Brahms

Nichts gegen Bratschisten, Geiger, Saxophonspieler. Aber wenn sie sich, was immer mal wieder vorkommt, bei Johannes Brahms’ op. 120 auf mehr oder weniger fremdes Terrain begeben, dann bleibt das Ergebnis klanglich gegenüber dem Originalinstrument Klarinette regelmäßig auf der Strecke. Wie zum Beweis dieser These haben der Klarinettist Kyrill Rybakov und die Pianistin Anna Zassimova die beiden späten Brahms-Sonaten eingespielt und dabei auch noch auf zeitgenössische Instrumente zurückgegriffen. Herausgekommen ist eine CD, bei der sich das vermeintlich Irritierende – der Titel „Declaration of Love“ sowie  ein Foto des 20-jährigen Brahms als Coverboy – auf das rein Äußerliche beschränkt.

Denn die beiden vergleichsweise jungen Musiker spielen die Werke des alten Meisters so innig, wie man es sich nur wünschen kann. Sie verzichten komplett auf alles schwülstige Beiwerk, stellen sich in der Hinter- und die Kompositionen in den Vordergrund: kleine Gesten statt großer Pose. So gelingt ein Brahms, dessen berückende Wirkung aus einer liebevollen Sachlichkeit entsteht. Das gleiche gilt für die Klavierfantasien op. 116 mit Anna Zassimova solo am Bechstein von 1876, die in ihrer poetischen Genauigkeit ebenfalls Lust machen auf mehr. Wie wäre es zum Beispiel mit den Klavierstücken op. 118?

PS.: Jetzt hab ich mich doch nach einem genaueren Blick ins Internet belehren lassen müssen, dass sowohl die Bratschen- als auch die Geigenfassung vom alten Brahms persönlich stammt. Mea culpa. (Ändert aber nichts an meiner nach wie vor favorisierten Version für Klarinette.)

 


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CD-Tipp: das Münchner Horntrio mit Brahms

Um es knapp und nüchtern zu sagen: diese CD ist eine Sensation. Aber man kann es natürlich auch etwas ausführlicher formulieren: Werke von Johannes Brahms, György Ligeti und Charles Koechlin hat das Müncher Horntrio auf einer CD vereint und damit einen außergewöhnlich aufregenden Klangkosmos aufgebaut.  Zentrales Werk ist Brahms’ op. 40, zentraler Musiker dabei der Hornist Johannes Dengler, der dem Wunsch des Komponisten folgte und statt einem modernen Ventil- ein nachgebautes Naturhorn, Stand 1810, einsetzt. Mit geradezu bestürzenden Folgen: aus der konstruktiv auf Obertöne beschränkten Not seines Instruments macht Dengler per Lippenspannung und Stopftechnik eine chromatische Tugend, die einen auch nach vielmaligem Hören fassungslos staunen lässt. ‘CD-Tipp: das Münchner Horntrio mit Brahms’ weiterlesen


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CD-Tipp: Francis Gouton im Trio

Aus gegebenem Anlass habe ich eine CD wieder aus dem Regal gezogen, von der ich bei ihrem Erscheinen vor acht Jahren schier nicht genug bekommen konnte: das Trio Bornalie mit Werken von Johannes Brahms, Paul Juon und – Robert Kahn. Es spielen Norbert Kaiser (Klarinette), Francis Gouton (Cello) und Saoli Saito (Klavier). Von Brahms Opus 114 gibt es viele schöne Aufnahmen, da braucht sich das Trio nicht zu verstecken. Die drei Miniaturen von Juon (1872 – 1940) sind reizende Stücke. Aber der Kahn (1865 – 1951), – er spricht Brahms’ Sprache, wenn auch nicht mit der gleichen Dichte und Konsequenz -, hat mich damals fasziniert und tut es noch heute. Vor allem der Mittelsatz, ein hochromantische Allegretto quasi Andantino mit einer weitgespannten Melodik, verblüfft beim ersten Hören mit einer Vertrautheit, ohne dass man es so oder so ähnlich jemals wahrgenommen hätte. Es klingt  keineswegs  abgeschrieben, sondern ist einfach in sich so schlüssig, so anrührend, dass man es von vornherein kennen zu glaubt. Und das Beste daran: auch nach vielmaligen Anhören verliert es sowenig wie seine beiden Schwestersätze von diesem Zauber.

 

TRIO BORNALIE: Klarinettentrios (HERA 02113) 


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Zweitklassiger Brahms, erstklassige Musikstunde

Schalt die  Musikstunde ein und lern etwas dazu. In dieser Woche hat Wolfgang Sandberger über Widmungen in der Musik gesprochen. Nicht nur, dass Sandberger einen beneidenswerten Job hat – er ist Leiter des Brahms-Instituts an der Musikhochschule Lübeck, auf dessen online stehender Notensammlung wir ja schon mehrfach verwiesen haben -, er gehört auch zu denjenigen Musikstundenmoderatoren, denen man stets gerne zuhört.

Leider hab ich aus organisatorischen Gründen mal wieder nur einen Teil der Musikstunde mitbekommen, dabei aber sind mir, man wird ja auch mal mäkeln dürfen, zwei Dinge aufgefallen. ‘Zweitklassiger Brahms, erstklassige Musikstunde’ weiterlesen


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Breit: Brahms mit Steinbacher und Kulek

Heute morgen kam Brahms’ G-Dur-Sonate auf SWR 2. Es spielten Arabella Steinbacher und Robert Kulek.

Doch, doch, man kann dieses Stück auf schieren Wohlklang reduzieren. Man kann aus der “Sonate für Pianoforte und Violine” auch eine für Geige und Klavier machen. Ob man es sollte, möchte ich allerdings bezweifeln.

Und schon gar nicht sollte man derart breite Tempi wählen wie Steinbacher/Kulek. Denn ein entscheidendes Moment dieses Werks, ja der Motor des Ganzen,  ist die ausgefeilte Rhythmik (das Feuilleton nennt sowas intrikat – bitte merken, auswendig lernen und bei der nächsten Cocktailparty einfließen lassen), die auf der Strecke bleibt, wenn von einem im Sechsertak vorantreibenden “Vivace ma non troppo” bloß noch das ma non troppo übrig bleibt.

Diese vordergründig lyrische Sonate mit ihren Brüchen und Abgründen hat man jedenfalls schon viel überzeugender gehört.


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CD-Tipp: Isabelle Faust spielt das Brahmskonzert

Beethovensonaten, Bachs Solowerke, jetzt das Brahmskonzert, außerdem Komponisten wie Bartók, Haydn und Martinu – Isabelle Faust ist eine enorm produktive Künstlerin mit einer ungeheuren Bandbreite. Und noch bei jeder Aufnahme hat sie mit ihrem ganz persönlichen Stil überzeugt, sie hat Interpretationen mit dem Prädikat „So und nicht anders“ vorgelegt, bei aller Leidenschaft stets unaufgeregt und uneitel.

Nun also das Brahmskonzert. Es spielt – transparent, duftig und vor allem im Holz samtweich – das Mahler Chamber Orchestra, es dirigiert – zügig, aber mit großem Atem, ganz ohne Hast – Daniel Harding. Und es geigt Isabelle Faust so intelligent und souverän, wie man es von ihr nach all den vorangegangenen CDs eigentlich fast schon erwartet hat. Sie nähert sich ihrem Brahms ganz ohne Schwulst und Ballast und setzt nicht nur mit der Auswahl der Busoni’schen Kadenz eigene, selten gehörte Akzente. Einziger Wermutstropfen: aufnahmetechnisch sind Solistin und Orchester hier und da im Klangraum etwas zu weit auseinander.

Homogener ist das Bild im Streichsextett Opus 36, dem zweiten Stück auf der CD. Ohne primadonnenhafte Allüren führt Isabelle Faust ihre fünf musikalischen Freunde durch die vier Sätze. Und zeigt, wie man den Schluss des langsamen Satzes – eine der schönsten Stellen im Werk des Komponisten – auch ohne übertriebenes Pathos deuten kann. Johannes Brahms hätte bestimmtseine Freude dran gehabt.


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Konzerttipp: Brahms und mehr beim Esslinger Podium

Manchmal muss man einfach geschwind in Noten schauen, um etwas nachzulesen. In Sachen Brahms eine gute Adresse ist das Brahms-Institut

Da hab ich vorhin kurz ins Scherzo des c-Moll-Quartetts   geklickt, weil ich gesehen habe, dass unter anderem dieses Werk  am Sonntag, 19 Uhr  beim Esslinger Podium  auf dem Programm steht. Wenn’s irgend geht: ich bin dabei!


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