Archiv für das 'Anna Zassimova'-tag

CD-Tipp: Lieder von Georges Catoire

Anna Zassimova ist nicht nur eine fabelhafte Pianistin. Die heute in Karlsruhe lebende Russin ist auch eine ausgewiesene Expertin für Leben und Werk ihres Landsmannes Georges Catoire (1861 bis 1926), über den sie ihre Dissertation schrieb.

Schon einmal hat Anna Zassimova eine Catoire-CD vorgelegt – Werke für Violine und Klavier mit dem Geiger Laurent Albrecht Breuninger –, nun hat sie sich gemeinsam mit der Sopranistin Yana Ivanilova dem Liederschaffen des Komponisten gewidmet. Und höre da: Catoire hat an der Schwelle zwischen Spätromantik und russischem  Expressionismus (zu dessen Begründer Zassimova den Meister zählt) eine faszinierende Tonsprache mit überreicher, doch nie überbordender Harmonik und Melodik entwickelt. Eine gute dreiviertel Stunde  lang eröffnen die beiden Künstlerinnen mit Sensibilität und Klangsinn völlig neue Perspektiven in die Musik aus dieser Zeit. Und das erste Lied – „Abend“ nach einem Gedicht von Alexei Apuchtin –  hat mit seinem anrührenden Melos nachgerade Ohrwurmqualitäten.


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Konzerttipp: Anna Zassimova in Stuttgart

Erst vor wenigen Wochen hat sie uns mit einer Brahms-CD bezaubert, jetzt ist sie live in Stuttgart zu hören: Am Freitag, 18. Januar, 20 Uhr,  spielt die Pianistin Anna Zassimova im Freien Musikzentrum. Auf dem Programm  stehen Werke von Chopin, Brahms, Schumann und Debussy. Und von Georges Catoire, über dessen Leben und Werk die Musikerin 2010 promoviert hat.

Na, wenn das an diesem trüben Wochenbeginn keine schönen Aussichten sind!


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CD-Tipp: die Klarinettensonaten von Brahms

Nichts gegen Bratschisten, Geiger, Saxophonspieler. Aber wenn sie sich, was immer mal wieder vorkommt, bei Johannes Brahms’ op. 120 auf mehr oder weniger fremdes Terrain begeben, dann bleibt das Ergebnis klanglich gegenüber dem Originalinstrument Klarinette regelmäßig auf der Strecke. Wie zum Beweis dieser These haben der Klarinettist Kyrill Rybakov und die Pianistin Anna Zassimova die beiden späten Brahms-Sonaten eingespielt und dabei auch noch auf zeitgenössische Instrumente zurückgegriffen. Herausgekommen ist eine CD, bei der sich das vermeintlich Irritierende – der Titel „Declaration of Love“ sowie  ein Foto des 20-jährigen Brahms als Coverboy – auf das rein Äußerliche beschränkt.

Denn die beiden vergleichsweise jungen Musiker spielen die Werke des alten Meisters so innig, wie man es sich nur wünschen kann. Sie verzichten komplett auf alles schwülstige Beiwerk, stellen sich in der Hinter- und die Kompositionen in den Vordergrund: kleine Gesten statt großer Pose. So gelingt ein Brahms, dessen berückende Wirkung aus einer liebevollen Sachlichkeit entsteht. Das gleiche gilt für die Klavierfantasien op. 116 mit Anna Zassimova solo am Bechstein von 1876, die in ihrer poetischen Genauigkeit ebenfalls Lust machen auf mehr. Wie wäre es zum Beispiel mit den Klavierstücken op. 118?

PS.: Jetzt hab ich mich doch nach einem genaueren Blick ins Internet belehren lassen müssen, dass sowohl die Bratschen- als auch die Geigenfassung vom alten Brahms persönlich stammt. Mea culpa. (Ändert aber nichts an meiner nach wie vor favorisierten Version für Klarinette.)

 


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