Ein Westler in Ostberlin – Günter Reischs “Ein Lord am Alexanderplatz”

Ein_Lord_am_AlexanderplatzMan habe sein „Totenschiff“ noch mal hinbekommen, erklärt der Ostberliner Mechaniker dem westdeutschen Herrn, dessen schwarzer Mercedes 300 einen Werkstattbesuch dringend nötig hatte. In Günter Reischs Komödie „Ein Lord am Alexanderplatz“ aus dem Jahr 1967 symbolisiert die betagte schwarze Luxuskarre einen Überlegenheitsanspruch des Westens, der nicht mehr haltbar ist.

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Überraschende Gäste, verrückte Gastgeber: James Whales “The Old Dark House”

olddarkhousecovWer die ruckelnden Tricks des vordigitalen Kinos mag, der wird sich in James Whales Horrorklassiker „The Old Dark House“ aus dem Jahr 1932 früh verlieben. Drei Menschen fahren in einem heftigen Regensturm auf unsicheren Behelfswegen durch die Berge von Wales, und die Kamera zeigt uns ein reales Auto auf dem Außengelände der Universal, den Fahrgastraum im Studio mit Rückprojektion – und ein kleines Modellauto, das auf einer vermatschten Holzplatte im Trickstudio entlangzuckelt. Das kuriose Rütteln und Schütteln des Modells wirkt nicht lächerlich, es lässt nur das Menschenwerk angesichts der Gewalt der Natur umso klappriger wirken. Ganz und gar hinreißend ist der Erdrutsch, mit dem James Whales Trickleute dem Holzauto den Rückweg abschneiden. ‘Überraschende Gäste, verrückte Gastgeber: James Whales “The Old Dark House”’ weiterlesen


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Die andere Art Straßenstrich – “Prince Avalanche” auf DVD

Prince_Avalanche_PlakatAuf Arbeiter als Hauptfiguren hat das Unterhaltungskino schon lange keine Lust mehr. Es sei denn, sie schmeißen den Baustellenhelm hin und retten die Welt vor Aliens, Kometen oder Terroristen. Aber dann waren sie vorher schon was Kinocooles, Spezialisten auf einer Ölbohrplattform oder so. Zwei Straßenarbeiter, die weiße Striche auf den Asphalt malen, und das auch noch draußen an einer menschenleeren Strecke zwischen den Orten – diese Personalbeschreibung klingt wie ein galliger Witz.   aber hat den umzusetzen gewagt, als Remake eines isländischen Films (aber aus Island erwartet man ja schratig verschrobenen filmischen Wahnsinn, der nur auf Festivals läuft, aus den USA nicht). Weiß der Teufel, wie Green dieses Projekt finanziert bekommen hat, ohne unterwegs in eine Zwangsjacke gesteckt zu werden. ‘Die andere Art Straßenstrich – “Prince Avalanche” auf DVD’ weiterlesen


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Konzert (3)

Wer etwas von der künstlerischen Wahrheit zu dem Gebotenen erfahren will, dem sei die Auseinandersetzung damit empfohlen. Dies sollte vielleicht nicht von der psychischen oder physischen Tagesform bestimmt sein, sondern nur vom Aufsaugen des tatsächlich Gebotenen. Diese Art von Abstand hat sich bei mir meist automatisch eingestellt, wenn ich in einer solchen Mission unterwegs war. Musik hat mir immer Energie und Power gegeben. Zudem habe ich ja auch keine Lieblingsacts dergestalt, dass ich wirklich alles an ihnen bejubeln würde oder an ihnen alle anderen popkulturellen Phänomene messen müsste. Ich habe niemanden in den Rang von Propheten erhoben, was ich ohnehin für pubertär halte und vollkommen ablehne. ‘Konzert (3)’ weiterlesen


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CD- und Konzert-Tipp: das Gismo-Graf-Trio

GrafDas ist eine CD mit Suchtpotenzial: Gismo Graf, gerade mal 21 Jahre alter Gitarrist aus Stuttgart, hat alles, was einen echten Virtuosen ausmacht – flinke Finger, ein helles Köpfchen, den richtigen Rhythmus im Blut, nicht zu vergessen die unbedingt notwendige Portion Nonchalance. (Wer’s nicht glaubt, sollte sich am Freitag, 7. Februar in der Festhalle Magstadt davon überzeugen.) ‘CD- und Konzert-Tipp: das Gismo-Graf-Trio’ weiterlesen


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CD-Tipp: Sonne, Mond und Sterne von Peter Schindler

Die Sendung „Klassik, Pop et cetera“ ist eines der  an- und aufregendsten Formate  im Deutschlandfunk. Und aus Klassik, Pop et cetera stammen auch die Stilmittel, deren sich  der Komponist Peter Schindler bedient – ebenfalls  sowohl an- als auch aufregend.  „Sonne, Mond und Sterne“Schindler heißt die Szenische Kantate für Solisten,  Chor und Orchester,  die vor zweieinhalb Jahren in der Stuttgarter Liederhalle uraufgeführt wurde, Untertitel:  „Vom prallen Leben, von ewigen Nächten und nimmersattem Fragen“.

Was im Eingangschor („O Ewigkeit“) zunächst wie eine Carl-Orff-Kopie daher­zukommen scheint, entpuppt sich ‘CD-Tipp: Sonne, Mond und Sterne von Peter Schindler’ weiterlesen


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Die Klasse dieser Klasse – “Downton Abbey”, Staffel 4

Downton_logoOb’s nur das Alter ist? Oder die Beschäftigung mit dem Thema?  Der 64-jährige Julian Fellowes jedenfalls, Schöpfer des britischen TV-Juwels „Downton Abbey“, wird von Jahr zu Jahr konservativer. Diese im Jahr 1912 einsetzende Erzählung von Herrschaften und Bedienten auf einem Herrensitz in Yorkshire war in der ersten Staffel noch eine Geschichte, die Oben und Unten sehr ausgewogen zeigte. Man konnte sich faszinieren lassen von den Ritualen und Konventionen des feinen Lebens, vom  bis ins Absurde ausgeklügelten Uhrwerkgetriebe des Umsorgens der Blaublütigen. Aber man konnte sich zugleich auch Empören über diese Ausbeutung, die von den Ausbeutern als vormundschaftliche Fürsorge begriffen wurde. ‘Die Klasse dieser Klasse – “Downton Abbey”, Staffel 4′ weiterlesen


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Als die Beatles übel klangen – Der Comic “Liverfool”

liverfoolcovIn groben Zügen kennt jeder – na gut, jeder über 35 – die Geschichte der Beatles, auch die Anfänge: Kneipenbeschallung in Liverpool, wo damals ziemlich was los war, Stichwort Merseybeat, dann der Sprung nach Hamburg in den Star Club, der Wechsel von Pete Best zu Ringo Starr, Rückkehr nach Liverpool, neue Frisuren, der vermarktungstechnisch geniale Spitzname Pilzköpfe, Welthits, Weltruhm – und einige Zeit danach der Zwist der Erfolgreichen.

Die französischen Comicmacher Gihef und Daniel Vanders führen uns in „Liverfool“ noch einmal zurück zum Anfang der Band. Überflüssig oder bloßer Schnickschnack für Beatles-Nostalgiker aber ist diese Erzählung keineswegs. Sie widmet sich nämlich dem Kneipier Allan Williams, einer nicht mehr jedermann bekannten Figur aus der Beatles-Geschichte. Wir treffen ihn zunächst in der Jetztzeit, wo er sich als Gescheiterter offenbart: ein Typ, der davon lebt, Touristen für ein paar Pfund die Geschichte seiner Megachance und seines Ruins zu erzählen. ‘Als die Beatles übel klangen – Der Comic “Liverfool”’ weiterlesen


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O du fröhliche!

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Hefte mit Noten von Weihnachtsliedern gibt es viele. Jetzt ist eins dazugekommen, das in zweierlei Hinsicht auffällt. Erstens durch seine liebevolle Aufmachung, illustriert von der jungen Künstlerin Lisa von Radecke. Und zweitens durch den Umstand, dass die Lieder zwei- und  vierhändig auf dem Klavier gespielt werden können. Die in Stuttgart unterrichtende Pianistin Shiau-Nan Pan hat acht der bekanntesten Weihnachtslieder so gesetzt, dass sie Anfängern gut in der Hand liegen und sogar vom Blatt zu  spielen sind. ‘O du fröhliche!’ weiterlesen


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CD-Tipp: Munich Opera Horns

Das Verdi-und-Wagner-Jahr neigt sich seinem Ende zu, gerade noch rechtzeitig kommt eine CD auf den Markt, auf die manche schon seit Pfingsten gewartet haben: die Hornisten des Bayerischen Staatsorchesters haben ihre „Fan Faire“ vorgelegt.  Passend zum Doppeljubiläum erklingen eine Lohengrin-Fantasie und  eine Aida-Bearbeitung. Große Oper in kleiner Besetzung, klanglich ausgetüftelt bis ins Detail. Grandios. ‘CD-Tipp: Munich Opera Horns’ weiterlesen


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