Dimensionsloch in der Garage – Das Apple-Gründer-Biopic “jOBS”

jobs-cov„Das“ Steve-Jobs-Biopic, heißt es in allen Meldungen zu jenem Filmprojekt der Sony-Studios, bei dem David Fincher gerade als Regisseur ergebnislos vorverhandelt hat. Als gäbe es bloß diesen einen Versuch Hollywoods, das Leben des Apple-Gründers nachzuerzählen. Damit wäre schon alles gesagt über die Nachwirkung von „jOBS“, einem von Matt Whiteley geschriebenen, von Joshua Michael Stern inszenierten Biopic, in dem Ashton Kutcher das One-more-thing-Marketinggenie verkörpert: die war gleich Null. ‘Dimensionsloch in der Garage – Das Apple-Gründer-Biopic “jOBS”’ weiterlesen


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Das Baumängel-Quartett oder Feiner Natodraht

Foto: Achim Zweygarth

Da gab es noch diesen Chefarzt, Fachrichtung Urologie, im Privatleben Bauherr, der irgendwann  kurz davor war, rot zu sehen, wenn er das Wort „Bautoleranz“ hörte. Der insgeheim bestimmt mit dem Gedanken spielte, seine Sonden mit Schmirgelpapier oder noch besser mit feinem Natodraht zu umwickeln, sollte einer seiner Bauigel bei ihm auf dem Untersuchungsstuhl landen.

Ja, Freunde, bauen heißt grauen. Und wer einerseits den Leidensdruck unseres Urologen teilt, andererseits nicht über dessen theoretische Möglichkeiten verfügt, kann seinen Frust wenigstens spielerisch ein bisschen mildern. „Das Mängelquartett“ heißt jenes heitere Kartenspiel für die ganze Baufamilie, das allen Mühseligen und Beladenen zeigt: sie sind mit ihren Sorgen nicht allein. ‘Das Baumängel-Quartett oder Feiner Natodraht’ weiterlesen


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Ein Feind der Zäune – King Vidors Western “Mit stahlharter Faust”

Mit-stahlharter-Faust-covDer Mensch verändert jenen Weltwinkel, in die er sich vor seinesgleichen flüchtet, bis sie so aussehen wie jene Gegend, die er hinter sich lassen wollte.  Von dieser Zwickmühle erzählen Western immer wieder, so auch King Vidors „Mit stahlharter Faust“, im Original „Man Without a Star“  aus dem Jahr 1955. Kirk Douglas spielt den erfahrenen, rotzfrech auf sich selbst vertrauenden Cowboy,  der gleich anfangs beim Schienentrampen einen Neuling, einen Zivilisationsflüchtigen von der Ostküste, auf ein paar reale Gegebenheiten hinwiesen muss. Der Westen ist also anders, als sich das die Traumtänzer vorstellen (eine durchaus ironische Volte, findet diese Belehrung doch in einem Filmwestern zu einer Zeit statt, als dieses Genre selbst noch heftig an der Verklärung von Ort und Epoche arbeitet). ‘Ein Feind der Zäune – King Vidors Western “Mit stahlharter Faust”’ weiterlesen


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Ein Westler in Ostberlin – Günter Reischs “Ein Lord am Alexanderplatz”

Ein_Lord_am_AlexanderplatzMan habe sein „Totenschiff“ noch mal hinbekommen, erklärt der Ostberliner Mechaniker dem westdeutschen Herrn, dessen schwarzer Mercedes 300 einen Werkstattbesuch dringend nötig hatte. In Günter Reischs Komödie „Ein Lord am Alexanderplatz“ aus dem Jahr 1967 symbolisiert die betagte schwarze Luxuskarre einen Überlegenheitsanspruch des Westens, der nicht mehr haltbar ist.

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Überraschende Gäste, verrückte Gastgeber: James Whales “The Old Dark House”

olddarkhousecovWer die ruckelnden Tricks des vordigitalen Kinos mag, der wird sich in James Whales Horrorklassiker „The Old Dark House“ aus dem Jahr 1932 früh verlieben. Drei Menschen fahren in einem heftigen Regensturm auf unsicheren Behelfswegen durch die Berge von Wales, und die Kamera zeigt uns ein reales Auto auf dem Außengelände der Universal, den Fahrgastraum im Studio mit Rückprojektion – und ein kleines Modellauto, das auf einer vermatschten Holzplatte im Trickstudio entlangzuckelt. Das kuriose Rütteln und Schütteln des Modells wirkt nicht lächerlich, es lässt nur das Menschenwerk angesichts der Gewalt der Natur umso klappriger wirken. Ganz und gar hinreißend ist der Erdrutsch, mit dem James Whales Trickleute dem Holzauto den Rückweg abschneiden. ‘Überraschende Gäste, verrückte Gastgeber: James Whales “The Old Dark House”’ weiterlesen


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Die andere Art Straßenstrich – “Prince Avalanche” auf DVD

Prince_Avalanche_PlakatAuf Arbeiter als Hauptfiguren hat das Unterhaltungskino schon lange keine Lust mehr. Es sei denn, sie schmeißen den Baustellenhelm hin und retten die Welt vor Aliens, Kometen oder Terroristen. Aber dann waren sie vorher schon was Kinocooles, Spezialisten auf einer Ölbohrplattform oder so. Zwei Straßenarbeiter, die weiße Striche auf den Asphalt malen, und das auch noch draußen an einer menschenleeren Strecke zwischen den Orten – diese Personalbeschreibung klingt wie ein galliger Witz.   aber hat den umzusetzen gewagt, als Remake eines isländischen Films (aber aus Island erwartet man ja schratig verschrobenen filmischen Wahnsinn, der nur auf Festivals läuft, aus den USA nicht). Weiß der Teufel, wie Green dieses Projekt finanziert bekommen hat, ohne unterwegs in eine Zwangsjacke gesteckt zu werden. ‘Die andere Art Straßenstrich – “Prince Avalanche” auf DVD’ weiterlesen


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Konzert (3)

Wer etwas von der künstlerischen Wahrheit zu dem Gebotenen erfahren will, dem sei die Auseinandersetzung damit empfohlen. Dies sollte vielleicht nicht von der psychischen oder physischen Tagesform bestimmt sein, sondern nur vom Aufsaugen des tatsächlich Gebotenen. Diese Art von Abstand hat sich bei mir meist automatisch eingestellt, wenn ich in einer solchen Mission unterwegs war. Musik hat mir immer Energie und Power gegeben. Zudem habe ich ja auch keine Lieblingsacts dergestalt, dass ich wirklich alles an ihnen bejubeln würde oder an ihnen alle anderen popkulturellen Phänomene messen müsste. Ich habe niemanden in den Rang von Propheten erhoben, was ich ohnehin für pubertär halte und vollkommen ablehne. ‘Konzert (3)’ weiterlesen


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CD- und Konzert-Tipp: das Gismo-Graf-Trio

GrafDas ist eine CD mit Suchtpotenzial: Gismo Graf, gerade mal 21 Jahre alter Gitarrist aus Stuttgart, hat alles, was einen echten Virtuosen ausmacht – flinke Finger, ein helles Köpfchen, den richtigen Rhythmus im Blut, nicht zu vergessen die unbedingt notwendige Portion Nonchalance. (Wer’s nicht glaubt, sollte sich am Freitag, 7. Februar in der Festhalle Magstadt davon überzeugen.) ‘CD- und Konzert-Tipp: das Gismo-Graf-Trio’ weiterlesen


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CD-Tipp: Sonne, Mond und Sterne von Peter Schindler

Die Sendung „Klassik, Pop et cetera“ ist eines der  an- und aufregendsten Formate  im Deutschlandfunk. Und aus Klassik, Pop et cetera stammen auch die Stilmittel, deren sich  der Komponist Peter Schindler bedient – ebenfalls  sowohl an- als auch aufregend.  „Sonne, Mond und Sterne“Schindler heißt die Szenische Kantate für Solisten,  Chor und Orchester,  die vor zweieinhalb Jahren in der Stuttgarter Liederhalle uraufgeführt wurde, Untertitel:  „Vom prallen Leben, von ewigen Nächten und nimmersattem Fragen“.

Was im Eingangschor („O Ewigkeit“) zunächst wie eine Carl-Orff-Kopie daher­zukommen scheint, entpuppt sich ‘CD-Tipp: Sonne, Mond und Sterne von Peter Schindler’ weiterlesen


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Die Klasse dieser Klasse – “Downton Abbey”, Staffel 4

Downton_logoOb’s nur das Alter ist? Oder die Beschäftigung mit dem Thema?  Der 64-jährige Julian Fellowes jedenfalls, Schöpfer des britischen TV-Juwels „Downton Abbey“, wird von Jahr zu Jahr konservativer. Diese im Jahr 1912 einsetzende Erzählung von Herrschaften und Bedienten auf einem Herrensitz in Yorkshire war in der ersten Staffel noch eine Geschichte, die Oben und Unten sehr ausgewogen zeigte. Man konnte sich faszinieren lassen von den Ritualen und Konventionen des feinen Lebens, vom  bis ins Absurde ausgeklügelten Uhrwerkgetriebe des Umsorgens der Blaublütigen. Aber man konnte sich zugleich auch Empören über diese Ausbeutung, die von den Ausbeutern als vormundschaftliche Fürsorge begriffen wurde. ‘Die Klasse dieser Klasse – “Downton Abbey”, Staffel 4′ weiterlesen


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