Grüß Gott, Herr Hesse

Calwer Marktplatz

Zu Hermann Hesse hat die Frankfurter Allgemeine vor 16, 17  Jahren eigentlich schon alles gesagt (ich zitiere aus dem Gedächtnis): Das Calwer Hesse-Kolloquium sei eine Veranstaltung für Leute, die den Steppenwolf auch nach Erlangung der allgemeinen Hochschulereife für einen großen Roman hielten.

Je nun, der Hesse. Er ist, der FAZ zum Trotz, grad wieder schwer im Kommen. Sein fünfzigster Todestag ruft sie alle auf den Plan, die Freunde und Liebhaber. In “Hermann Hesse Superstar” kamen sie am MIttwoch  zu Wort, die Literaturpäpste Lindenberg, Klink und Beckenbauer. Jeder, wie er’s mag.

Zuvor hat die ARD Jo Baiers “Heimkehr” gesendet, und meine Befürchtung, Heike Makatsch müsse ein sogenanntes Schwäbisch sprechen, ist zum Glück nicht eingetreten. Das hat dem insgesamt etwas betulichen Film ebenso gut getan, wie der weitestgehend recht authentische Dialekt, den die Gerbersauer/Calwer Bürger sprachen – auch wenn sie doch, von den Außenseitern abgesehen, allesamt arg geduckt und verdruckt gezeichnet waren.

Warum der Film trotzdem nicht ganz funktioniert hat, liegt an den Drehorten: nicht nur, dass die Architektur in Hall und Gmünd im Detail anders anmutet als in Calw. Es fehlt dort auch die drückende Schwärze des Waldes, die das enge Nagoldtal (und seine Bewohner) prägt oder zumindest prägte. Anders ausgedrückt: in Baiers Film war etwas zu viel Himmel zu sehen.

PS.: Jo Baier hätte den Film natürlich gar nicht in Calw drehen können. So verschandelt und geschleift und zubetoniert wie die Stadt in den vergangenen 50 Jahren wurde. Wie die Kinder mit den Bohnen sind die Calwer mit dem Charme ihrer Stadt umgegangen. Dass in anderen württembergischen Städen die gleiche Ignoranz zuhause ist, macht die Sache nicht besser.

0 Responses to “Grüß Gott, Herr Hesse”


  • Keine Kommentare

Einen Kommentar hinterlassen