Dichterdurst: Tee für Jean Paul

Arbeitspause. Tee getrunken. Durch zufällig aus dem Regal gegriffene Bücher geblättert. Und eine schöne Teeszene gefunden. Der Schriftsteller August Lewald (der lange in Stuttgart als Regisseur am Hoftheater gearbeitet hat) erzählt vom Besuch einer Abendgesellschaft in Bayreuth im Jahre 1815, bei der auch Jean Paul geladen ist. Der dicke Dichter setzt sich an den Flügel und “macht den tiefsten Eindruck”.

Aber dann: “Nach beendigtem Spiel wollte er Tee; aber der Tee war längst fortgetragen, und die Bedienten brachten ihm andere Erfrischungen. Er bestand aber auf Tee und begehrte ihn so laut im Vorzimmer, daß die Dame des Hauses ängstlich aufsprang, um nach der Ursache des Lärms sich zu erkundigen, und, wie natürlich, sogleich Tee zu bringen befahl. Leider ist es nur zu wahr, daß er im Eifer des Gesprächs dann diesen Tee so stark mit Rum zu versetzen pflegte, daß er am Ende reinen Rum trank und so für die Gesellschaft fast untauglich wurde. Dies war die Ursache, daß er von vielen Baireuther Gesellschaften, welche die Gegenwart des herrlichen Mannes mit dieser Unannehmlichkeit nicht erkaufen wollten, ausgeschlossen blieb.”   

Unsere Dichterfürsten.

3 Responses to “Dichterdurst: Tee für Jean Paul”


  • Sehr sympathisch, der Mann! Die Bayreuther Gesellschaft hatte ihn nicht verdient.

  • Ich hatte ihn ja vor allem als Biertrinker in Erinnerung. Er ist wohl täglich zu seiner Lieblingsgaststätte etwas außerhalb hinausgestapft, hat sich dort zum Schreiben niedergelassen und seine überhitzende Seele mit großen Mengen des Hausgebräus abgelöscht. Mir ist auch vage eine Äußerung von ihm in Erinnerung, dass er nur noch reisen wolle, wenn er von diesem speziellen Biere ein ausreichend großes Fass bei sich haben könne. Kann natürlich alles falsch sein, mein Gedächtnis ist ein schamloser Märchenerzähler, wie ich immer wieder merke.

  • Nein, stimmt schon. Er hatte auch immer seinen Spitz dabei. Das mit der Reiseunlust ist auch verständlich, er ist mal zu Fuß von Hof (oder Coburg?) nach Weimar, um IHN zu sehen (“Er frisset entsetzlich!”)

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