Perry Rhodan Neo: Spinnweben und Sternenstaub

Ich muss Sie zunächst vor Zeitverschwendung warnen. Das Folgende sollten Sie nicht lesen, wenn Sie der Meinung sind, Heftchenliteratur (ja, das Lesefutter vom Kiosk) sei von vornherein trivialer Dreck, Geschmacksverrohung, Volksverdummung und ein Hindernis auf dem langen Weg zu einer besseren Gesellschaft. Hier wird über Heftchen, im speziellen Fall „Perry Rhodan“, so geschrieben, als könnten sie einen Wert in unseren Leben haben, eine Daseinsberechtigung im Reich der Fantasiespiele. (Große Unruhe im Saal, Gedränge an den Ausgängen.)

Seit Freitag liegt „Perry Rhodan Neo“ am Kiosk. Das ist eine Reihe doppeldicker Hefte (161 Seiten hat Band 1, „Sternenstaub“), die Perrys Anfänge neu erzählen soll. Vorsichtig hat der in Rastatt ansässige Pabel-Moewig-Verlag das Projekt zunächst bis Band 8 geplant (was man eigentlich kaum dazusagen muss: niemand hätte heute mehr den Atem oder den Optimismus, eine schlecht anlaufende Reihe länger zu päppeln). Fast jeder Band stammt von einem anderen Autor, nur Frank Borsch wird neben dem Auftakt ein zweites Heft beisteuern. Mir wäre es lieber, ich könnte nun etwas Nettes über Borschs „Sternenstaub“ sagen.

Aber dieser Neustart, dieser Reboot, wie es neudeutsch heißt, hat für mich etwas unerwartet Muffiges, um nicht zu sagen, Ranziges. Es geht um die Erstbegegnung des irdischen Astronauten Rhodan mit Außerirdischen. Dabei halte sich Borsch, klagen hie und da im Netz ein paar Frühleser, noch zu eng an die Vorlage. Das erste Heft erschien 1961 und verlegte Rhodans Mondfahrt ins Jahr 1971. Nun startet Rhodan im Jahr 2036 zum Mond, um nachzusehen, warum die permanent besetzte US-Basis dort oben verstummt ist.

Rastatt, wir haben ein Problem

Wahr ist, dass wir wenig von dieser zukünftigen Erde erfahren, dass der Text vor allem zusieht, Rhodan zum Mond zu bekommen und auf der Erde das Vorhandensein paranormaler Fähigkeiten, wie das im Perryversum heißt, zu etablieren. Wahr ist auch, dass Borsch hastig, manchmal unlogisch eine künftige Weltkrise zusammenskizziert, die der Kalter-Krieg-wird-heiß-Spannung des Rhodan-Debüts entsprechen soll. Ich glaube aber nicht, dass darin das Kernproblem von „Sternenstaub“ liegt.

Geschenkt auch, dass Borsch wohl unter Zeitdruck gearbeitet hat, dass ihm immer wieder Grammatikfehler und andere kleine Schlurigkeiten unterlaufen. Das Schlimme ist, dass der Text auch dann falsch wirkt, wenn er nicht mit dem Duden kollidiert. Borsch sucht eine einfache Sprache, aber er findet eine extrem unfrische, umständliche, spinnwebige. Es mangelt vorn und hinten an einer anregenden Begrifflichkeit für Welt und Menschen der Zukunft und an einem passenden Jargon für die tollkühnen Männer in ihren explosiven Kisten.

Damit meine ich nicht, dass „Perry Rhodan“ mit der feinsten Science Fiction von Gestern und Heute um Sprachschöpfungspreise konkurrieren sollte. Das hieße ja, Heftchen grundsätzlich nur als andere Publikations- und Vertriebsform anzusehen, nicht als eigene Gattung mit der Lizenz zur groben Vereinfachung. Aber die Sprache in „Sternenstaub“ ist nicht schlicht. Sie ist allzu oft tot. Das ist etwas ganz anderes.

Mit Arkoniden reden

Ein paar Beispiele?

- Rhodan ist der patenteste Kerl der NASA, findig, mutig, analysestark und reaktionsschnell (alles erst mal meine Begriffe). Wie lautet angeblich sein Spitzname bei der Astronautentruppe? „Der Sofortumschalter“. Jesusmariaundjosefundalleviecherimstall.

So frotzelt niemand, so lobt niemand. Das geht nicht einmal als Übersetzung eines fiktiven englischen Ausdrucks durch. (Wobei das schon auf eine weitere durchgehende Resonanzlosigkeit des Textes verweist. Dieses Deutsch aus der Zukunftswelt enthält fast keine Anglizismen. So wenige, dass man praktisch beständig in die Löcher ihrer Abwesenheit tritt und stolpert.)

- Die vier irdischen Astronauten sind in ziemlich aussichtsloser Lage auf dem Mond gestrandet. Rhodans Rolle wird erklärt: „Rhodan half Bull bei seinen Reparaturversuchen, hielt ihm die Werkzeuge hin und gab dem Freund jemanden, der sich seine Flüche anhörte.“ Zopfiger wäre nur noch: „… bot sich dem Freund als jemand dar, der seine Flüche anhörte.“

- Rhodan erklärt einem verdutzten Außerirdischen, einem Arkoniden, mitten in einer höchst brisanten Lage, warum er sich gerade gegen seine Vorgesetzten aufgelehnt hat:

„,Um der Menschheit willen‘. Rhodan brachte die Worte einzeln und keuchend hervor. ,Es gibt Augenblicke, an denen man nicht den Regeln der Gesellschaft folgen darf, sondern auf die Stimme des eigenen Gewissens hören muss. Ganz gleich, wie hoch der Preis sein mag. Das hier ist ein solcher Augenblick.‘“

Wenn das schon einzeln hervorgekeuchte Worte in privater Bedrängnis sind, dann möchte ich nicht wissen, wie es klingt, wenn Rhodan eine pathetisch-klebrige, lange vorher ausgearbeitete Variante einer Auf-in-die-letzte-Schlacht-Rede für die Fernsehkameras der Welt hält.

An letzterem Beispiel könnte ich auch meinen Verdacht festmachen, dass ein paar der Absurditäten und Blödheiten der Handlung nicht einfach in einer altbackenen Sprache geschildert werden, sondern dass sie von dieser Sprache der überständigen Gewissheiten und Plumpheiten gleichsam hervorgebracht werden. Wer redet wie Rhodan, kann sich gegenüber den Arkoniden ja auch nur so irdisch klugscheißerisch, besserwisserisch, streberschlau und resistent gegenüber jedem Fremdheitsschock verhalten. Wofür ich Phrasen habe, das beherrsche ich, scheint Rhodans Motto zu sein.

Zielgruppenraten

Ich glaube gar nicht, dass der Ex-Übersetzer und Ex-Rhodan-Redakteur Borsch (hier sein Wikipedia-Eintrag), von dem ich sonst keine Zeile kenne, den Text schlampig heruntergerotzt hat oder grundsätzlich nur so dürftig schreiben kann. Ich vermute, er stand einfach ratlos vor der Grundfrage: wer ist heute noch für Heftchen zu begeistern, und welche Sprache reißt so jemanden mit, welche ist ihm zumutbar?

Man wird sich ja wohl noch was Spannendes ausdenken dürfen: nach diesem Motto funktionieren Heftabenteuer wie die von Perry Rhodan.

Früher, in der besten Zeit des Kioskschunds, als Krimis, Kriegsabenteuer, SF, Western und Horror weggingen wie Underberg, setzten die Autoren bei ihren Lesern allenfalls den Hauptschulabschluss voraus und einen überschaubaren kleinen gemeinsamen Sprachpool. Sind die Kids mit Hauptschulabschluss heute noch die Zielgruppe einer SF-Serie? Eher nicht, oder?

Sind es also die Auszubildenden von heute mit Realschulabschluss, Gymnasiasten, junge Studenten? Falls das die angepeilte Zielgruppe sein sollte, dann geht man in der „Perry Rhodan“-Redaktion pessimistisch davon aus, dass diese Aufgestiegenen so wenig oder weniger Sprachgefühl, Sprachbeherrschung und Sprachneugier mitbringen wie der Jungfabrikler von einst. Da mag sogar ein bisschen was dran sein. Aber die Jungleser von heute erwarten auch von einer einfachen Sprache ein Mindestmaß an Hipness, Modernität, Fetzigkeit. Nichts davon liefert Borsch.

Ein bisschen Zukunft geht noch

Das bringt mich zu einem seltsamen Schluss: dass die Rhodan-Redaktion glaubt, die Zielgruppe für „Perry Rhodan Neo“ sei jene (kleiner werdende) Gruppe, die heute noch die anderen Perry-Hefte liest. Die also mit der Heftchensprache von Vorgestern als Reminiszenz an die weit zurückliegenden Anfänge ihrer Serie gut oder jedenfalls irgendwie klarkommt. Das hieße dann, dass man auch bei Pabel-Moewig nicht mehr viel Potenzial für die Erschließung neuer Lesergruppen sieht.

Was macht ein Heftchen anders als ein Roman, der als Taschenbuch erscheint? Zum einen will es in Situationen lesbar bleiben, in denen wir uns weniger gut konzentrieren können, durch Umgebungseinflüsse oder Ermüdung. Es will sehr zugänglich sein – was man als Reduktion benennen darf, als Verzicht auf Komplexität und Feinheiten, als Weniger also. Als Mehr darf man dagegen eine trashige Unbesorgtheit beim Ausprobieren von Fantasien verbuchen, ein Spiel mit Einfällen, die hier eben nicht unbedingt langem Nachdenken standhalten müssen, sondern auch mal „Einfach so“ funktionieren dürfen. Es gilt, die Grenze zwischen Unbekümmertheit und Blödheit zu finden.

Für diese Spielerei mit Wünschen und Symbolen, Einfällen und Zufällen sollte es keine Zukunft in Print mehr geben? Nicht einmal dafür? Nicht soviel jedenfalls, dass es sich lohnt, dafür nach einer modernen, knackigen, flexiblen Sprache zu suchen? Nein, das mag ich nicht glauben. Frank Borsch und die Leute beim Verlag, behaupte ich wunschträumend, haben sich da einfach verschätzt.

Perry Rhodan Neo (Band 1): Sternenstaub. Von Frank Borsch. Pabel-Moewig, Rastatt. 161Seiten, 3,90 Euro.

Hier geht’s zur Leseprobe beim Verlag.

Es gibt auch eine Kindle-Probe.

20 Responses to “Perry Rhodan Neo: Spinnweben und Sternenstaub”


  • Schon Handgranaten-Herbert (Scheer) hat ja vor dreißig, vierzig Jahren derart unbeholfenes Zeugs in die Hefte gestammelt. Man las Rhodan damals schon trotz, nicht wegen der Sprache.
    Pabel-Moewig hat ja schon vor ein paar Jahren mit “Perry Rhodan Action” versucht, etwas moderner zu werden, was letztlich schief ging (die Hefte waren IMHO ebenfalls nicht sonderlich gut geschrieben), also versuchen sie’s mit einem 50 Jahre alten Rezept noch mal. Deutsche SF, vorwärts in die Vergangenheit.

  • Dem ist aber auch nichts hinzu zu fügen. Volltreffer!!

  • “Geschenkt auch, dass Borsch wohl unter Zeitdruck gearbeitet hat, dass ihm immer wieder Grammatikfehler und andere kleine Schlurigkeiten unterlaufen.”

    Wenn man sowas schreibt, sollte man schon aufpassen, dass man selbst nicht SchluDrigkeiten im Text hat.

    Nach diesem infantilen Seitenhieb: “Perry Rhodan” ist keine Literatur, die vom Kritiker für irgend etwas gelobt werden will. “Perry Rhodan” will einfach Unterhalten. Deshalb wird hier keine innovative Sprache verwendet, sondern leicht zu lesendes. “Perry Rhodan” will kein “Unendlicher Spaß” sein.
    Um einen Vergleich mit der Filmwelt zu treffen: “Perry Rhodan” ist kein Arthaus-Film sondern eine wöchentliche Serie.
    Aus diesem Grund war es auch nicht möglich, eine ausgeklügelte moderen Welt zu zeigen, mit einem absolut wasserdichten politischen Hintergrund, weil es um die Mondlandung und den Kontakt mit Außerirdischen ging und für Politik shclicht und einfach kein Raum im ersten Roman war. Stanley Kubrick hat uns auch nicht verraten, was 2001 auf der Welt los ist.

    Eine weitere Anmerkung: Offenbar meint der Autor dieses Blogs, dass eine moderne Sprache Anglizismen enthalten muss. Dies wäre ein ziemliches Armutszeugnis für die deutsche Sprache, nicht wahr?

    PS: Perry Rhodan hat die Worte “Für die Menschheit” keuchend hervorgestoßen, weil seine Rakete gerade mit der mehrfachen Erdbeschleunigung gebremst hat. Da fällt das Sprechen manchmal schwer. Aufpassen beim lesen!

    • Schlurigkeiten ist kein vertipptes Schludrigkeiten, sondern kommt von schlurig. Ist mir das liebere Wort. Siehe hier: http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=schlurig

      Dass “Perry Rhodan Neo” eine leicht zu lesende Sprache haben sollte – da bin ich mit Ihnen einig. Boschs Sprache ist für mich (und vielleicht nicht nur für mich) keineswegs leicht zu lesen. In der Hauptsache wegen der enormen Differenz von lebendigem Geschehen in einer Fantasiezukunftswelt und einer absolut toten Begrifflichkeit von Vorgestern. Sie mögen die Sprache anders empfinden- aber der Dissens entsteht nicht dadurch, dass ich eine extrem komplexe Sprache verlangen würde.

      Ebenso muss die Zukunftswelt vorerst nicht besonders ausgeklügelt sein. Aber das wenige, was Borsch z. B. über Politik schreibt, ist einfach abgeschmackter Kram. Ein gutes Heftchen hätte hier eben pointiert was Glaubhaftes – oder Lustiges oder Provokantes – stehen.

      Ja, der Autor dieses Blogs meint, dass ein Text, der aus einer USA des Jahres 2036 berichtet, ein paar mehr Anglizismen enthalten sollte als “pod” und “shuttle”. Das ist kein Armutszeugnis für die deutsche Sprache, sondern die Forderung, dass eine lebendige Heftsprache sich nicht ganz abkoppeln darf von der lebendigen Sprache der Menschen. Das richtige Maß für die Anbindung zu finden – das genau ist Teil des Jobs von Autoren und Redaktion.

      Ich tadle nicht, dass Rhodan unter körperlicher Belastung keucht. Ich tadle, was er bei diesem Hervorkeuchen noch alles an hässlich gedrechseltem Pathos absondern kann. Kann es sein, dass Ihr Bemühen, die Kritik von vornherein als unberechtigt ablehnen zu können, Sie in allen Punkten ein wenig missverständnisgeneigt gemacht hat?

      • Anscheinden habe ich Ihre Intention nicht verstanden und offensichtlich sind wir in einigen Punkten einfach unterschiedlicher Meinung die in einem Blog diskutiert werden müssen. Dennoch sehe ich Ihre Kritik nicht als unberechtigt. Danke für den Hinweis auf die “Schlurigkeit”.

        • Damit wir uns nicht missverstehen: Sie können, dürfen, sollen hier ganz anderer Meinung sein über “Neo”, nur zu. Da haben Sie sogar meinen großen Respekt, weil die teils harsche Kritik an meiner “Neo”-Kritik sonst zwar in Facebook-Gruppen etc. geäußert wird, aber eben nicht hier. Ich will nur ganz klar widersprechen, wenn mir Argumentationen um die Ohren gehauen werden, die ich so nicht vorgebracht habe.

          Über die Frage der Anglizismen lässt sich lange streiten, die sorgt bei Übersetzern von SF für großes Kopfzerbrechen.

          Auch die Problematik des Heftchen-Erbes ist noch nicht einmal richtig andiskutiert. Ist ein moderner “Perry Rhodan” durch das Simple oder durch das Serielle definiert? Oder immer noch durch beides?

          Will heißen, kann er sich sprachlich sehr viel mehr erlauben als früher (womit er immer noch nicht Verschraubtheitsliteratur sein müsste), weil er vor allem ein Unikat innerhalb der SF ist, eine irre lange Fortsetzungserzählung, ein Weltenbau in ewiger An- und Ausbaubauwut, mit Lesern, die auch andere SF mögen und konsumieren? Oder ist er vor allem Einfach-Erzählung mit SF-Thema, geht es also vor allem um die Vermeidung von Überforderung der, ich meine das unspöttisch, Leseschwächeren? Früher war Letzteres eine genuine Aufgabe der Heftchen.

          Ich würde für das Serielle stimmen. Aber damit muss ich nicht unbedingt richtig liegen. Müsste ich ein Interview mit Klaus N. Frick führen, bzw., hätten wir in Print den Platz dafür, wäre das eine meiner Fragen: wie man das in der Perry-Redaktion einschätzt. Und ob “Neo” eher die Modernisierung oder eher die Vereinfachung des Perryversums bringen soll.

    • Das ist richtig.
      Man kann nicht erwarten auf 161 Seiten die weltpolitische Situation erklärt zu bekommen.
      Weil diese auch nicht das Hauptthema ist.
      Es gibt nur eine Sache dich mich als Leser beider Serien stört.
      (also ALT und NEO)
      Den Hauptfiguren wird kaum Zeit zum verschnaufen gelassen.
      Nach vier Wochen schon an der WEGA (Band 10)?!?!?!?
      Man sollte erst einmal daheim aufräumen.

  • Eine gut begründete Kritik. Was die politische Situation angeht, hätte auch ich mir mehr stimmige Details erwartet. Irgendwie wird das abgehandelt nach dem Motto “Spielt bald eh keine Rolle mehr”. Sprachlich traut der Autor sich nix – außer den Retro-Stil, kann man wohl so sagen. Nun ja, es gibt aber noch andere Autoren. Gerade in Band 2 setze ich große Hoffnungen. Übrigens: Die Lektüre von Nr. 1 hat trotz der Defizite Spaß gemacht. PR war halt noch nie Weltliteratur und sollte es auch nicht sein. Dennoch: bestimmte Maßstäbe muss man anlegen können nach all den Jahren und Erfahrungen und nach all dem Getöne um den Neustart. Mal sehen, was… die Zukunft bringt. :-)

  • Ich lese PR seit 20 Jahren und habe PR NEO gelesen und für klasse gefunden. Äh, sind wir hier bei Deutschlehrern und Literaturkritikern, die an alles und jedem was zu meckern haben???
    Mich unterhält die Serie, im übrigen scheinen die Kritiker sehr verbohrt zu sein.
    Ihre Kritik wäre berechtigt, wenn die Macher einen Anspruch auf dem Literaturnobelpreis erhoben hätten! Haben sie aber nicht!

    Karl May und Michael Ende müssen für sie bedauernswerten Leser ja der reinse Horror gewesen sein. Und nein ich habe kein Literaturstudium absolviert. Ich lese um in einer anderen Welt abzutauchen. Wenn mir ein Buch nicht zusagt, muß ich es ja auch nicht lesen.

    Auch wenn der Himmel wolkenverhangen ist, die Sonne scheint trotzdem :-)

  • Werter Carstonos, was ich Ihnen nun entgegnet hätte, steht schon im Kommentar von Joe P. direkt über Ihrem. Nämlich: “PR war halt noch nie Weltliteratur und sollte es auch nicht sein. Dennoch: bestimmte Maßstäbe muss man anlegen können nach all den Jahren und Erfahrungen …”

    Karl Mays Bücher haben mich als Kind übrigens furchtbar gelangweilt, ich fand nur die Europa-Hörspielplatten und die Filme spannend. Als Erwachsener habe ich mich, als ich Bücher klügerer Köpfe ‘über’ May las, noch mal an den unbearbeiteten Urfassungen versucht und bin immer noch nicht weit gekommen. Michael Endes Bücher dagegen mochte und mag ich sehr. Soviel zum Profiling. :-)

    • Und ich bin nicht nur Kritiker, sondern auch studierter Literaturwissenschaftler und mochte als Kind Karl May und Enid Blyton, halte aber beides inzwischen für ausgemachten Quark und schreckliche Literatur (inhaltlich und sprachlich), da können “kluge Köpfe” sagen, was sie wollen. Und Ende finde ich meistens einfach nur kitschig. Perry Rhodan habe ich nur einmal angelesen – das ist einfach nicht meins.

      So liegen auch die Meinungen von Kollegen auseinander. Da muss man gar nicht betonen, dass man nicht studiert hat. Was ich übrigens von tkl gar nicht weiß. Spielt aber auch keine Rolle. Argumente spielen eine Rolle, die kann man austauschen und dann feststellen, welchen Übereinstimmungen und welche Differenzen es gibt. Ist doch spannend.

  • Egal welcher Roman, entweder gefällt einem der Roman, oder eben nicht. Wenn man die komplette Weltliteratur und alle Duden in einen Roman packen würde, dann ist das kein Roman mehr. :-D

  • Ich bin zwar kein studierter Literaturwissenschaftler, nur promovierter Jurist, also solcher also das schnelle Lesen und Verstehen sehr komplexer Texte gewohnt, von Ende der 60er bis Anfang der 80er PR-(und SF-) Leser und habe damals wegen der zunehmenden und abgehobenen Gutmenschentums der Volz-Aera aufgefhört – habe aber weder allgemein mit der Heftroman noch speziell der PR-Neo-Sprache (allein aus Neugierde habe ich das erste Neo-Heft gelesen) keine Probleme (abgesehen davon, daß ich sie teilweise zu “peppig” empfinde, was aber sicherlich auch eine Frage des Alters ist). Probleme habe ich aber mit einer Kritik wie dieser, die mir als arrogantes, pseudo-liteaturwissenschaftliches Gelabere übel aufstößt, insbesondere, weil sie wie schon die früheren Kritiken an PR die Realitäten ignoriert. Wenn ich meine persönlichen und selbstredend nicht repräsentativen Erfahrungen zugrundelege, dann besteht/bestand die Leserschaft von PR fast ausnahmslos aus (künftigen) Abiturienten. Auch war die Zielgruppe damals keineswegs “der” Hauptschuldabsolvent, der sich gleichwohl zum heutigen Hauptschuldabsolventen durch eine vergleichsweise perfekte Beherrschung des Deutschen in Wort, Schrift und Bild absetzt.
    Aber wie auch immer: Die Meinungen sind frei, Sie bewerten PR-Neo wie geschrieben, ich finde Ihre Kritik zum Kotzen, glaube aber nicht, daß PR-Neo ein langes Leben beschieden sein wird – und zwar aus anderen Gründen als einer zu einfachen, zu wenig “peppigen”, zu wenig aufreißerischen Sprache.

    • Ihr Ton zeigt, dass Sie auf eine Antwort eigentlich gar keinen Wert legen. Der historischen Genauigkeit wegen aber doch eine Anmerkung: Ich kannte damals Hauptschulabsolventen, die Perry Rhodan gerne gelesen haben. Dass Sie keine kannten, mag an mancherlei Zufälligkeiten oder schlichter Klassenabkapselung gelegen haben. Aber falls Sie damals schon diese Mischung aus Statusbeflaggung und Vulgarität kultiviert haben, mag es auch sein, dass die entsprechenden Leser Ihnen einfach ausgewichen sind. So lebt und liest jeder in seiner Welt und denkt, es sei der Kosmos.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Thomas Klingenmaier

  • Sehr geehrter tkl und andere Leser

    Ich habe diese Kritik und die Antworten hier mit Befremden gelesen.
    Die Antworten waren teilweise übertrieben harsch und zu sehr vom eigenen Blickwinkel betrachtend erstellt worden.
    Eine wirkliche Auseiandersetzung mit tkl’s Sichtweise wurde selten versucht.
    Naja, ich finde, es ist, wie, als ob da mehrere aneinander vorbei reden.
    Es mangelte an Respekt, auf beiden Seiten.
    So sollte es aber doch nicht sein, oder?

    Ok, nun zu tkl’s Kritik.

    Wenn ich es richtig verstanden habe bemängeln Sie bei PR-Neo 1 hauptsächlich den verwendeten Sprachduktus?
    Oder die inhaltliche Aussage?
    Ich denke mal sowohl, als auch.
    Aber so ganz klar werde ich nicht daraus, hier mangelt es meiner Meinung an differenzierten Aussagen Ihrerseits.
    Bitte, ich meine es nicht Beleidigend.

    Die Sprache bei PR ist nicht Hipp, Fetzend und Modern-
    bitte geben Sie dafür doch genauere Beispiele und Ihrerseits Verbesserungsvorschläge.
    Die Sprache bei PR ist tot- hier bitte auch.
    Sie beschränken Sie darauf etwas Auszusagen, aber nur Sie wissen, was Sie meinen, ich leider nicht.
    Für eine Kritik ist das leider unsachgemäß.

    Ok, es gibt ein paar Rechtschreibe- und Grammatikfehler.
    Manchmal ist es auch etwas holprig.
    Insgesammt empfinde ich aber das Lesen als flüssig und sehr verständlich.

    Zur Verwendung von Sprache-Meine Meinung:
    Wenn alle wie Heinrich Heine,Thomas Mann, Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger oder Stefan Heym schreiben würden, wäre ich sehr glücklich.
    Eine einfache, klare Sprache, die sowohl Verstand, als auch Gefühl anspricht. Diese Autoren werden noch immer, auch international sehr gerne gelesen. Wegen deren Sprache immer noch Bestseller!

    Weder Sie, noch der von Ihnen kritisierte Autor verwendet diese Sprache ;-)

    Politische Aussagen über die Zukunft
    Die Welt steht am Abgrund:
    Ökologische Desater- naja, da sehe ich keine Probleme.
    Konflikt Irak und Iran, ist doch nicht Unglaubwürdig.
    Atomstreitkräfte dreier Nationen stehen unter einem Kommando:
    Pakistan, Indien und Brasilien, ja, das ist Unglaubwürdig,
    aber ich glaube, hier steckt ein Grund dahinter,
    es gibt da eine Andeutung, die
    sicher noch angesprochen werden wird.
    Dies alles ganz genau im ersten Heft darzustellen kann aber auch nicht Sinn einer Heftserie sein!
    Wo bliebe dann die Handlung?

    Inhaltliche Aussagen.

    Was an Rhodans Aussage bzgl. seines Gewissens ist falsch?
    Wie hätte er es überzeugender Formulieren sollen?
    Persönlich- also mein Blickwinkel – finde ich es gut.
    Hätten in der Nazi-Zeit mehr Menschen so gehandelt, wäre es besser gewesen.
    Ich fande die Aussage genau auf dem Punkt gebracht.
    Wie gesagt, bitte sagen Sie doch bitte,wobei es da hapert.

    Zielgruppen
    Heute sagt man PR wird vornehmlich von gut ausgebildeten männlichen Lesern um 45 Jahre aufwärts konsumiert.
    Ich gebe Ihnen dahingegend recht, daß die bei PR verwendete Sprache dafür nicht stimmen kann.
    Auch ich empfinde es bei PR im allgemeinen ziemlich fade.
    Aber, bei PR Neo wurde ich persönlich gut unterhalten, ich fande es spannend und gut.
    Übrigens bis Heft 1000 wurde PR in viel breiteren Gesellschaftsschichten gelesen:
    Arbeiter, Arbeitnehmer und Akademiker, es ist schade, daß es heute so nicht mehr ist.
    Hat aber viele Ursachen, nicht nur die Sprache.

    Sie sind mit PR-Neo unzufrieden, gut, Ihr gutes Recht.
    Sie verbreiten Ihre Meinung, auch Ihr Recht.
    Sie versuchen es zu begründen, finde ich sehr gut.
    Aber, ich verstehe es halt nicht so ganz, was Sie meinen.
    Wie jemand hier meinte:
    Aus gegensätzlichen Anschauungen kann man auch etwas entnehmen.

    Ich würde mich freuen wenn Sie Zeit finden, darauf ein zu gehen.
    Wie jeder bemerkt haben dürfte, habe ich Rechtschreibe- und Grammatikfehler fabriziert.
    Zudem habe ich mich wohl auch etwas langatmig wiederholt.
    Sorry dafür.
    Verständlich bin ich aber doch :)

    MfG

    Smaragdschlange

  • Ich kann die Kritik überwiegend nachvollziehe, bin aber auch an einigen Stellen anderer Meinung. Ichg finde auch das von vielen hier ein recht unbangebrachter Ton angeschlagen wird und selten eine vernünftige Gegenargumentation oder Darstellung erfolgt.

    Ich lese PR seit gut 35 Jahren. Klar waren einige Dinge was die heutige Zeit betrifft überarbeitungsreif. Vielleicht auch die Sprache wobei mich eine “peppig jugendliche” Sprache nicht sonderlich begeistern würde. Ich finde das dies auch die handelnden Personen und das ganze Umnfeld der Handlung nicht hergibt. Eher empfinde ich es als befremdlich wenn ein NASA Pilot sich wie vorgeschlagen artikulieren würde. Ich finde die gewählte Ausdrucksweise schon ziemlich salopp (was insbesondere Bully und auch später Gucky und andere Charaktere ausmacht).

    Ich stehe als alter Leser dem “Neustart” insgesamt recht kritisch gegenüber. Mehrer Serien mit einer Hauptperson Perry Rhodan wobei die Handlung zudem weitgehend identisch ist ergibt trotz der vom Verlag angegebenen Zielsetzung für mich keinen Sinn. Zudem gelingt genau das mehr schlecht als recht.

    Die beschriebene Technik ist meiner Auffassung nach für den Zeitpunkt der Handlung bereits überholt (bzw. das lässt sich aufgrunbd der heutigen Entwicklungen leicht vorhersehen). Da hätte ich mir eine wesentlich bessere Recherche oder eigene Phantasie gewünscht (wäre auch recht einfach gewesen, haben sich schon genügend Leute Gedanken darüber gemacht wie es in naher Zukunft aussehen könnte, man nehme allein nur die Dokumentationen die dazu im Fernsehen regelmäßig laufen, für Ideenklau halte ich es nicht sich von dort Anregungen zu holen weil eben bereits gut recherchiert ).

    Auch werden meienr Auffassung nach bei der Beschreibung der Figuren einige der ursprünglichen “Fehler” erneut begangen. Ich glaube nicht das sich Raumfahrer wie Cowboys oder Abenteurer verhalten, Plastiksprengstoff in ein Raumschiff schmuggeln?! Wo sind die Spezialisten bzw. die Vorbereitung/Planung für das worauf sich die Handlung bezieht. Kein Kontakt mehr mit ALLEN Mondstationen und ALLEN Satelitten. Rak Werfer?! Nun ja :-)

    Auch glaube ich nicht, dass eine überlegene Intelligenz derart unintelligent und borniert eine Zivilisation wie die Menschheit (vor allem bei den Ähnlichkeiten die Arkoniden und Menscheit haben!) als “Tiere” oder “Ungeziefer” beurteilen würde. Die Arroganz der Arkoniden Fremdvölkern gegenüber wurden in den Atlan Serien oftmals recht gut dargestellt. Hier hätte ich mir für die neo Serie ein etwas ausgereifteren Ansatz gewünscht bzw. man hätte diesen aus dem vorhandenen entnehmen können.

    Auch ist mir die Untätigkeit nicht degenerierten Arkoniden unschlüssig. Mit ihrer Technik hätten sie grundsätzlich auch mit einem kranken Crest und enig Besatzung andere Möglichkeiten gehabt (wird schoin im 1. band der neo Serie auch deutlich als Thora mit dem Beibot auftaucht, als Begründung anzuführen es gelten bestimmte Grundprinzipien für die Arkoniden ist ein guter Ansatz der aber nicht glaubwürdig und plausibel dargestellt wird.

    Es gibt noch relativ viele andere Dinge die ich ausführen könnte wo statt der Beseitigungen von Widersprüchen neue geschaffen oder alte beibehalkten werden.

    Eine mögliche Ursache die hier auch schon genannt wurde halte ich für zutreffend. Das Bemühen sich möglichst nahe an den Originalen zu orientieren.

    Daher mein Fazit: Ganz unterhaltsam wenn man nicht zu hohe Erwartungen hegt, mir wurde jedenfalls nicht langweilig und ich denke schon, dass ich die Serie weiter verfolgen werde (auch wenn ich die Originale kenne und besser finde und hoffe das die originalserie unter diesem Versuch nicht leiden wird). Leider wurde die sich bietende Möglichkeiten eines “Neuanfangs” kaum genutzt und die eigenen Maßgaben Widersprüche auszumerzen nur unzureichend umgesetzt. Um PR zeitgemäßer zu machen reichen mir die eingebrachten “Innovationen” (Zukunftsvision zum Thema Technik, Unwelt, Politik, Gesellschaft)und neuen Ideen in der Handlung(einige aus meiner Sicht gute Ansätze sind vorhanden, z.B. die Handlung um John Marshall).

    Kurz formuliert ist Neo leider nichts anderes als ein Plagiat/Replikat der alten Serie mit neuen bzw. alten “Fehlern” und Widersprüchen. Schade.

    Für jemanden der bisher keine Berührung mit PR hatte ist es meiner Meinung nach erst einmal ziemlich egal ob er mit den Silberbänden einsteigt oder Neo. Ich denke die “Sprache” wird da kaum ins Gewicht fallen. Neo könnte die bessere Wahl sein, weil dort einen Ausblick vom heutigen Zeitpunkt aus gemacht wird und sicher deswegen doch mehr Identifikationspotential vorhanden ist. Die Frage die sich aber dann noch stellt ist, ob es Sinn macht in die neue Serie als Neuling einzusteigen also ob die Serie überhaupt überlebensfähig ist. Ich glaube sie wird als Gimik für die Fans zum 50 Jährigen in die PR Geschichte eingehen. Glauben heißt aber nicht wissen ;-)

  • Tja! Kann man nichts machen. PR ist eben nicht für interlektuelle IQ-Riesen geschrieben.

  • Für mich war das aufmerksame Lesen der Kritik spätestens an der Passage über „Der Sofortumschalter“ vorbei.
    Wer diesen Ausdruck kritisiert hat nichts, aber wirklich überhaupt nichts im PR-Universum verstanden. Weder Klassik noch Neo.
    Mich freut, dass sich die Serie trotz der Unkenrufe hier durchgesetzt hat und ich genieße jedes Heftchen. Besser geht SF einfach nicht.

  • Besser geht SF einfach nicht? Da haben wir, wie auch unsere Reaktion auf den “Sofortumschalter” zeigt, eine sehr unterschiedliche Auffassung von dem, was SF alles sein kann. Aber auf eine Weise haben Sie fraglos recht: “Neo” ist halbwegs erfolgreich, “Perry Rhodan” hält sich noch, während der Markt für SF anderer Couleur in Deutschland eigentlich gar nicht mehr vorhanden ist. Wo sie doch noch verlegt wird, wird sie prompt bei Amazon mit Ein/Zwei-Sterne-Wertungen bombardiert.

  • “Dieses Deutsch aus der Zukunftswelt enthält fast keine Anglizismen. So wenige, dass man praktisch beständig in die Löcher ihrer Abwesenheit tritt und stolpert.”

    Das finde ich jetzt gut, so etwas findet sich doch kaum noch!
    Eine Zukunftswelt lässt sich doch so viel besser beschreiben, als wenn modische Anglizismen aus der Jetztzeit verwendet werden würden. Reines Deutsch wirkt zeitlos, mit Anglizismen durchsetzter Text riecht schnell muffig.

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