Hesses “Heimkehr”: Gutes Schwäbisch, schlechtes Schwäbisch

“Heike Makatsch, die schon als Gretel Steiff kein Schwäbisch konnte…” (StZ vom 18. Dezember 2010)

Folgende dapd-Meldung läuft heute über den Ticker:

>>Schwäbisch Gmünd (dapd-bwb). Heike Makatsch, August Zirner und
Herbert Knaup stehen zurzeit in Baden-Württemberg für die Verfilmung
von Hermann Hesses Werk „Die Heimkehr“ vor der Kamera. Mit den
Themen Ausgrenzung und Suche nach sich selbst sei die Novelle auch
in der heutigen Zeit noch modern, sagte der Autor und Produzent der
Verfilmung, Jo Bayer, am Donnerstag in Schwäbisch Gmünd. Weitere
Drehorte für das fiktive Dorf Gerbersaus aus der Romanvorlage sind
Schwäbisch Hall und Wackershofen in Baden-Württemberg. „Die
Heimkehr“ entsteht im Auftrag von SWR und BR und soll 2012 zum 50.
Todestag Hesses in der ARD ausgestrahlt werden.<<

Wenn ich an diesen läppische Pseudodialekt denke, an diesen unwürdigen Singsang, der in den meisten Produktionen mit schwäbischen Rollen praktiziert wird , dann stellen sich mir schon wieder alle Nackenhaare. Das ist wie in der Musik: stimmt der Ton nicht, stimmt auch der Rest nicht. Und es ist kaum zu hoffen, dass Frau Makatsch mitlerweile einen Sprachtrainer engagiert hat, der ihr eine korrekte Sprachmelodie beibringt.

Aber möglicherweise sorge ich mich unnötig, und der Film wird auf Hochdeutsch gedreht – was aber insofern schade wäre, als Herbert Knaup ein erdiges, in sich stimmiges (Allgäuer-)Schwäbisch beherrscht. Das hat er als Kommissar Kluftinger bewiesen – bezeichnenderweise für den Bayrischen Rundfunk, den man in dieser Hinsicht nicht genug loben kann  (und der in der großen “Tatort”-Folge “Der oide Depp” Muriel Roth alias Gina Echsner einwandfrei oberschwäbisch hat sprechen lassen).  Insofern hoffe ich schwer, dass die Heimkehr vielleicht doch 1:0 für den BR ausgeht und der SWR das Nach-, oder noch besser das Einsehen hat – schon im Gedenken an Oliver Storz.

Und wenn dapd dann noch auch dem Dorf Gerbersaus das Städtchen Gerbersau macht (als das Hesse seine Heimatstadt Calw  literarisch bezeichnete), dann will ich schon fast nichts mehr gesagt haben – außer vielleicht, dass der Regisseur Baier und nicht Bayer heißt.

3 Responses to “Hesses “Heimkehr”: Gutes Schwäbisch, schlechtes Schwäbisch”


  • wunderbar in diesem zusammenhang sind doch auch die fallers, wo jede/r schauspieler/in gerade den dialekt spricht, der ihm liegt, den er kann oder irgendwo mal aufgeschnappt hat. beliebiger geht’s kaum.

    die mangelnde dialektpräzision zeugt vom geringen gewicht, das man der sprache gibt. ein armutszeugnis, insbesondere für redakteure ö-r sender. machmal fragt man sich, ob die herrschaften ihre eigene arbeit eigentlich noch ernst nehmen…

  • Bin zufällig hierher “gegoogled” … und muss mich schon wundern wie hier über einen Film und einen Regisseur geurteilt wird, den der Schreiber augenscheinlich nicht sehr gut kennt.

    Ich war gestern in Mainz und habe den Film gesehen. Ich muss sagen ich war positiv überrascht. Jo Baier hat – gerade der originalität der Dialekte wegen – viele Laienschauspieler aus dem schwäbischen integriert. Und die Hauptrollen die kein schwäbisches Dialekt beherrschen versuchen erst gar nicht, Dialekt zu sprechen.

    Ich finde den Film äußerst gelungen! Erst kucken – dann urteilen ;o)

  • Ich finde den Film auch sehr gelungen und es stört mich nicht im Mindesten, dass die Hauptrollen keinen astreinen Dialekt sprechen. Als Nichtschwabe fällt einem das ohnehin nicht so drastisch auf. Die Sorge, dass der Film in seiner Authentizität leiden würde, wenn dem richtigen Dialekt nicht zu 100 Prozent Rechnung getragen wird, kann ich demnach nicht teilen. Und im Übrigen finde ich Heike Makatsch als Margarete Steiff ganz hervorragend.

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