CD-Tipp: Dina Ugorskaja mit Schumann

Sie ist keines jener Piano-Girlies, von denen in ein paar Jahren wahrscheinlich kein Mensch mehr spricht. Und ihre Diskographie ist sehr überschaubar: gerade einmal fünf CDs. Für eine Pianistin Jahrgang 1973 nicht eben viel. Aber was hat Dina Ugorskaja nicht alles vorgelegt: Bach-Inventionen und Chopin-Préludes von höchstem Niveau, Händel-Suiten mit Referenz-Charakter. Und nun: Schumann. Die Kreisleriana. Dazu die Gesänge der Frühe. Sieben Klavierstücke in Fughettenform. Und die nachgelassenen Geistervariationen.

Spätestens jetzt ist klar, dass Anatol Ugorskis Tochter eine Musikerin von außergewöhnlichem Rang ist. Eine, die ich spontan mit zweien meiner absoluten Lieblingspianisten in Verbindung bringe, mit denen sie vom Typ her auf den ersten Blick so gar nichts gemein hat: Claudio Arrau und Leon Fleisher.

An Arrau erinnert mich ihre Kunst, Akkorde etwas versetzt anzuschlagen, Stimmführungen transparent zu machen,  ungemein sonor in die Tiefe zu gehen – aber ohne die schwer atmende, manchmal fast ins Behäbige neigende Selbstversunkenheit des großen Chilenen. Und mit dem späten Leon Fleisher eint sie der etwas melancholische, dabei  nie larmoyante Ernst – nur dass Dina Ugorskaja einfach den schöneren Klang hat. Die gebürtige Russin und heutige Münchnerin bringt den großen Steinway zum Singen, zum Blühen. Wenn sie in der dritten Geistervariation „etwas belebter“ wird, geht einem das Herz auf.

 Es ist müßig, darüber zu spekulieren, warum Dina Ugorskaja längst nicht so berühmt ist wie viele ihrer Kollegen – die mich, ehrlich gesagt, mit ihren seelenlosen Fingerfertigkeiten oft nur langweilen -, verdient hätte sie es auf jeden Fall. Aber vielleicht geht es ihr ja ein bisschen wie dem späten Schumann: wahre Schätze – die einfach nur entdeckt werden wollen.

 Kurz und gut: es hat mich schon lang keine CD mehr so angerührt wie diese.

Hier geht’s zur Homepage der Künstlerin

 www.dina-ugorskaja.de

PS: Das Stuttgarter CD-Fachgeschäft Einklang (http://blogs.stuttgarter-zeitung.de/propellerinsel/?p=4026)  hat die neue CD  von Dina Ugorskaja vorrätig. Aber jetzt sage irgend ein Däubling, dieser Hinweis sei werblich. Nein. Er ist kulturell.

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