Archiv für die 'Krimi' Kategorie

Pennertum und Pilgerschaft – Band 2 von Larcenets Comic “Blast”

Blast2Eigentlich wollte er sich von allem frei machen, der ehemalige Gastrokritiker und Schlemmerbuchautor Polza Mancini. Als wir ihn in Manu Larcenets Comicprojekt „Blast“ kennenlernen, sitzt der massige Polza aber in Polizeigewahrsam. Wenn er nicht in einer kleinen Arrestzelle hockt, dann wird er von zwei Beamten verhört. Es geht um etwas ziemlich Schreckliches, das er einer Frau angetan haben soll. Aber Polza erzählt zunächst einmal sein Leben. Der eine der Kriminalbeamten verliert darüber schon einmal die Nerven und schlägt zu. ‘Pennertum und Pilgerschaft – Band 2 von Larcenets Comic “Blast”’ weiterlesen


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Tatort Wien

Trotz Frau Neuhauser: es hat schon bessere ORF-Tatorte gegeben.

Daran konnten auch die schnittigen, stets frisch gewaschenen und bestens ins Licht gesetzten Volkswagen nichts ändern.


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Der Afghane ohne Henrystutzen

Zufällig den Afghanen von Frederick Forsyth in die Finger bekommen. Doch, doch, schon interessant. Ein bisschen wie Volkshochschule, bloß von vorn bis hinten voller Action. Jedenfalls weiß man hinterher, dass und weshalb der Afghane zum Talibanentum neigt und was der Amerikaner dagegen tut. Schon ein paar Hintergrundberichte und Leitartikel gespart.

Auf die Handlung und die handelnden Personen sollte man halt nicht gar so streng schauen. Meine Lieblingsplausibilitätspassage ist die, in der ein Kampflugzeug über dem amerikanisch-kanadischen Grenzgebiet abstürzt, weil ein Mechaniker einen Schraubenschlüssel in einem  der beiden Triebwerke vergessen hat. Das Triebwerk kracht in  das ultrageheime Privatgefängnis des echten Afghanen, dem darauf hin die Flucht in die  winterlichen Rocky Mountains gelingt.

Aber keine Bange: Forsyth sorgt schon dafür, dass der Mann nicht allzuweit kommt und schildert dann mit technokratischer Detailfreude, was ein Scharfschütze mit ihm macht.

Frederick Forsyths Afghane ist die Fortsetzung des Karl May’schen “Schut” mit anderen Mitteln und ohne Henrystutzen. Aber wenn ich ehrlich bin: gelangweilt hab ich mich nicht dabei.


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Das Däti-Schema: „Schnelle Beute“ von Duane Louis

Ich bin nicht der erste, der merkt, dass Duane Louis’ „Schnelle Beute“ an Richard Stark erinnert (tkl ist übermorgen vor einem Jahr schon draufgekommen und hat dem Krimi im Vorbeigehen zurecht eins mitgegeben). Und auch die etwas plumpe Referenz Swierczynskis (alias Louis) an seinen ungleich strukturierteren und ökonomischeren Kollegen Westlake (alias Stark) habe ich im Buch nicht überlesen. ‘Das Däti-Schema: „Schnelle Beute“ von Duane Louis’ weiterlesen


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Tatort München

Alle Metzger, alle Säu,
dia san guat drauf mit Bayern 3.

(Biernmösl Blosn, Jodelhorrormonstershow)


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Tatort Wien

Adele Neuhauser hat ja -  unter anderem  – schon als Gynäkologin im „Aufschneider“ überzeugt. Und auch als „Tatort“-Kommissarin besitzt sie alles, was vielen ihrer Kolleginnen, ob blond, ob dunkel, fehlt: A Gsicht. A Ausstrahlung. An Charakter. Mehr davon!

Abgesehen davon hätt ich auch gern so ein Auto wie der Eisner Moritz, das nie dreckig ist und sich sogar nach einem Regenguss selber wäscht. Oder ob da am Ende die Firma Volkswagen Österreich ihre fleißigen Putzhände im Spiel hat?

PS.: Und noch eine Schauspielerin aus dem “Aufschneider” ist auch in diesem Tatort sehr angenehm aufgefallen: Tanja Raunig, die neue Eisner-Tochter. Endlich mal ein Kommissarennachwuchs, der nicht nervt – ganz im Gegenteil.


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Wie bei einer Nonne, die man mit Schokolade lockt

Kollege tkl hat Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ ja schon in der StZ besprochen. Deshalb und aus Zeitgründen (wann komm ich endlich dazu, ein paar Zeilen über Archer Mayor zu schreiben?) hier nur zwei Zitate und einen Dialog, die zeigen sollen, dass sich die Lektüre dieses irischen Krimis um einen versoffenen Ex-Polizisten  (Übersetzung: Harry Rowohlt) lohnt:

 -        Man weiß, wie schlecht es um einen steht, wenn ein Wirt sich freut, weil man nicht trinkt.

-         Ihr Gesicht wurde hell, wie bei einer Nonne, die man mit Schokolade lockt (…).

-        „Was ist denn mit dir so anders?“
          „Mit mir?“
         „Ja, du grinst so ausgesucht dämlich.“
         „Ich?“
         „Ja, wie der Kater, der den Rahm gefunden hat.“
         Dann haute er mit der flachen Hand aufs Steuerrad und rief:
         „Ich hab’s … Du hast ein Nümmerchen geschoben … Du Sauhund, du hast es 
         geschafft,   stimmt’s oder hab ich recht?“

Ken Bruen und Harry Rowohlt – zwei, die sich gut verstehen. Zwei Experten für Alkohol und Hochkomik. Und wir Leser dürfen dabei sein.


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Kognitive Dissonanzen

Sind kleine Sachen, was Kinder freut, sagt mein Vater immer. Sind aber auch kleine Sachen, die mich als Leser ärgern. Zum Beispiel, wenn Autoren eine unnütze Detailhuberei betreiben, die dann pfeilgrad daneben ist. Greif ich doch einfach mal wahllos in „Die blaue Liste“, Wolfgang Schorlaus erstem Dengler-Fall von 2003. ‘Kognitive Dissonanzen’ weiterlesen


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Der Himmel senkt sich über die Namen. Laura Thompson hat eine Erscheinung: Agatha Christie

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Wieso ist das immer so ärgerlich mit den Büchern. Ich habe in den letzten Tagen lauter Bücher angefangen, die alle einen falschen Ton haben. Zum Beispiel dieses Tagebuch von der Übersiedlung einer Journalistin und Autorin in ein Südschweizer Bergdorf (Übertrieben: „Hier möchte ich Ferien machen. Und dann erschrecke ich für einen Moment. Denn das ist vorbei.“ Gewollt literarisch beginnt sie einen Absatz mit: „Es sind zuerst die Augen.“ Oder: „Auf dem Dach des Engadins liegt Europas wichtigste Wasserscheide. Ich habe das Engadin immer als europäisch empfunden. Schwarzes Meer. Nordsee. Adria. Wo, wenn nicht hier, grenzte wie Böhmen die Schweiz ans Meer!“ Mit Ausrufezeichen. Zugeklappt also.) Aber ich schweife ab (was ich gerne mache).

Ich wollte mich eigentlich noch einmal und zwar schriftlich über die Agatha-Christie-„Biografie“ von Laura Thompson aufregen. In Anführungszeichen deswegen, weil sie keine ist. Sie ist ein Machwerk. Unlesbar. Warum habe ich mich trotzdem über 300 Seiten durchgequält? Weil Agatha Christie ein spannendes Leben hatte, und weil ich dachte, ich lerne noch was aus diesem Buch. Unsäglich.

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Schauder

Dieses schwarze Hemd. Diese  Fönfrisur. Diese  Uhr am rechten Handgelenk. Dieser  Blick.

Wulf Dorn sieht nicht gerade wie ein Mann aus, der zuhause (wo er „mit seiner Frau und einer Glückskatze“ wohnt) sämtliche Spiegel zuhängt. Er ist aber auch nicht „der große Erzähler“, für den ihn sein Freund Andreas Eschbach laut Klappentext hält. Schon weil Dorn seine handelnden Personen zuviel „schlussfolgern“, „futtern“ und an „hungrige Gemeindekassen“ denken lässt. Und weil in seinem Psychothriller „Trigger“ trotz der Ansiedlung im Donautal und im Nordschwarzwald kein rechtes Lokalkolorit entsteht – zum Beispiel, weil ein Pfarrer als solcher im urwürttembergischen Kreis Freudenstadt tendenziell eher evangelisch als katholisch ist. Und dann noch die vielen, mit der Zeit nervigen Cliffhängerle an den Kapitelenden…

Genug gemeckert? Genug gemeckert.

Denn ansonsten ist die Geschichte der Psychiaterin, die scheinbar von einem bösen, schwarzen Mann verfolgt wird, bis zum überraschenden Ende solide, spannende S-Bahn-Lektüre. Schauderhaft im besten Sinne.

Wer sich ein eigenes Bild von Wulf  Dorn machen will:

www.wulfdorn.net


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