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Von der Lust, freier Journalist zu sein: Leo Rosenthal in den Zeugenstand, bitte!

Der Tarifkampf in den Zeitungshäusern ist zu Ende. Ist gewonnen, würde mancher Kollege wohl schreiben. Aber vermutlich kein freier Kollege. Im Kampf der Redakteure um Status und Geldwert ihrer Arbeit kam es zu Polemiken, die uns im wieder einsetzenden Alltag vielleicht noch einholen werden, zur Gleichsetzung von Redakteursarbeit mit Qualität und von freier journalistischer Arbeit mit Mangelleistung.

Daran musste ich gerade wieder denken, als ich im Vorwort des Fotobandes “Leo Rosenthal – Ein Chronist in der Weimarer Republik” (Schirmer/Mosel, München. 160 Seiten, 29,90 Euro) auf eine Kurzbeschreibung des freien Journalistendaseins stieß. Rosenthal, studierter Jurist, hat in Berlin von 1920-1933 als freier Gerichtsreporter gearbeitet. Einer Freundin schrieb er im Mai 1924:

“Es ist ein schreckliches Leben, das man führt. Man weiß eigentlich mehr gar nicht wozu man es lebt. Es ist ein Sorgen und Mühen ohne Ende, ohne Sinn, ohne Freude (…) Mir geht es also gut! Habe Arbeit mehr als ich brauchen kann, den Kopf voll Themen, bemühe mich meine literarischen Verbindungen zu erweitern, mache schon weniger Fehler als früher, werde allmählich echter Journallist, verflache immer mehr.”

Die Fotos sind übrigens, wenn man sich für Glanz und Elend der Zwischenkriegszeit und die Köpfe von damals interessiert, spannend, lehrreich und verblüffend.


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Die Blocker

Zum besseren Auseinanderhalten von Blogger und Blocker gibt es die passenden Lehr-DVDs: bislang 7 Staffeln "Bonanza".

So wird man also Blogger. Wir hatten früher auch einen. Aber der hat sich mit ck geschrieben und war nicht der Dan „Hoss Cartwright“ Blocker. Sondern er war aus massivem Eisen, mit Borsten unten dran und zum Holzböden polieren.

Meine Frau ist zu jung, sie kennt das gar nicht mehr. Meine Schwiegermutter schon. Die ist als Kind draufgesessen, wenn ihre Oma geblockeret hat. Manchmal hat sie dabei ihr Katzenfleisch eingeklemmt. So heißt in Oberschwaben die Innenseite des Oberschenkels.

Neulich war ich in einem alten Seifen- und  Bürstenladen. In dem bekommt man einfach alles. Auch Blocker. Der Kunde neben mir hat gleich erzählt, wie er als Kind einmal ganz eifrig geblockt und einen porzellanenen Nachttopf unter der Bettlad zertrümmert hat.

Mal sehen, ob ich als Blogger mit weniger Scherben hinkomme.


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Propellerinsel: jetzt mit Insulanern!

Vielleicht ist das ja ein Journalistentick, eine Berufskrankheit: dass man sich ganz seltsam desorientiert vorkommt, wenn man irgendwo alleine schreibt. Bloggen fühlt sich dann nicht an wie das Führen eines öffentlichen Tagebuchs oder das Senden aus einem 1-Mann-Textradio, sondern wie das Arbeiten für eine Zeitung, bei der alle anderen schon gekündigt haben und nach Hause gegangen sind.

Darum habe ich liebe KollegInnen gebeten, ob sie hier nicht ein wenig oder unablässig mitschreiben wollen – über Musik, Malerei, Mandalas oder was immer sonst ihnen so gut gefällt wie mir Filme, Comics, abgedrehte Schwarten und alte Popkultur mit Kurbelstarter. In den nächsten Wochen werden also einige neue Köpfe und Ansichten dazukommen. Die Propellerinsel wird bunter, breiter und wird viel öfter neue Texte bieten. ‘Propellerinsel: jetzt mit Insulanern!’ weiterlesen


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