Archiv für die 'Comic' Kategorie

Als die Beatles übel klangen – Der Comic “Liverfool”

liverfoolcovIn groben Zügen kennt jeder – na gut, jeder über 35 – die Geschichte der Beatles, auch die Anfänge: Kneipenbeschallung in Liverpool, wo damals ziemlich was los war, Stichwort Merseybeat, dann der Sprung nach Hamburg in den Star Club, der Wechsel von Pete Best zu Ringo Starr, Rückkehr nach Liverpool, neue Frisuren, der vermarktungstechnisch geniale Spitzname Pilzköpfe, Welthits, Weltruhm – und einige Zeit danach der Zwist der Erfolgreichen.

Die französischen Comicmacher Gihef und Daniel Vanders führen uns in „Liverfool“ noch einmal zurück zum Anfang der Band. Überflüssig oder bloßer Schnickschnack für Beatles-Nostalgiker aber ist diese Erzählung keineswegs. Sie widmet sich nämlich dem Kneipier Allan Williams, einer nicht mehr jedermann bekannten Figur aus der Beatles-Geschichte. Wir treffen ihn zunächst in der Jetztzeit, wo er sich als Gescheiterter offenbart: ein Typ, der davon lebt, Touristen für ein paar Pfund die Geschichte seiner Megachance und seines Ruins zu erzählen. ‘Als die Beatles übel klangen – Der Comic “Liverfool”’ weiterlesen


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Der Frisurpate zum Kennenlernen – Ein Auswahlband “Prinz Eisenherz”

PrinceValiantCovAuch wenn jemand nicht viel von Comics weiß, sich unter dem Namen Prinz Eisenherz nichts vorstellen kann, noch nie den Ausdruck Prinz-Eisenherz-Frisur gehört hat – so wird diese Ausgeburt des Schlunds der Großen Ahnungslosigkeit beim Blick auf eine beliebige Seite aus Hal Fosters „Prinz Eisenherz“ eines richtig erkennen: „Aha, was Altes!“ ‘Der Frisurpate zum Kennenlernen – Ein Auswahlband “Prinz Eisenherz”’ weiterlesen


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Romeo und Julia in der Gefechtsfeldvariante – Die Comicreihe “Saga”

SagacovsmEs herrscht Krieg in der Galaxis. „Wie eigentlich immer“, kommentiert die Erzählerin des Comics „Saga“ trocken. Und noch etwas ist uns vertraut: Liebe über die Frontlinie hinweg.  Die Erzählerin berichtet aus den Tagen ihrer Geburt, ihre Eltern sind die Handlungsträger. Mutter Alana und Vater Marko standen sich in verfeindeten Armeen in einer die ganze Galaxis umspannenden Auseinandersetzung gegenüber. Nun sind sie gemeinsam fahnenflüchtig:  Romeo und Julia in der Gefechtsfeldvariante.

Im galaktischen Krieg kommen Schwerter, Strahlenwaffen und Magie nebeneinander zum Einsatz.  Dass hier nicht pure Science Fiction, sondern Hightech-Fantasy geboten wird, kann man auch am Äußeren der Kontrahenten festmachen. Die Wesen vom Planeten Landfall besitzen Flügel und wirken auch sonst ein klein wenig elfenhaft,  ihre Gegner vom Mond Ranke tragen Satyrzüge, nämlich Widderhörner und die dazu passenden Schafsohren. ‘Romeo und Julia in der Gefechtsfeldvariante – Die Comicreihe “Saga”’ weiterlesen


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Pennertum und Pilgerschaft – Band 2 von Larcenets Comic “Blast”

Blast2Eigentlich wollte er sich von allem frei machen, der ehemalige Gastrokritiker und Schlemmerbuchautor Polza Mancini. Als wir ihn in Manu Larcenets Comicprojekt „Blast“ kennenlernen, sitzt der massige Polza aber in Polizeigewahrsam. Wenn er nicht in einer kleinen Arrestzelle hockt, dann wird er von zwei Beamten verhört. Es geht um etwas ziemlich Schreckliches, das er einer Frau angetan haben soll. Aber Polza erzählt zunächst einmal sein Leben. Der eine der Kriminalbeamten verliert darüber schon einmal die Nerven und schlägt zu. ‘Pennertum und Pilgerschaft – Band 2 von Larcenets Comic “Blast”’ weiterlesen


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Zeit, legal zu werden: die Catwoman des Jahres 2001

Katzen haben neun Leben, Katzenfrauen noch ein paar mehr. Die Meisterdiebin Catwoman, bereits 1940 erfunden, war zwar nie so populär wie Batman, in dessen Revier Gotham City sie ihre nächtlichen Streifzüge unternimmt. Aber auch wenn es einige Male so schien, als wisse der Verlag DC mit der Figur gar nichts mehr anzufangen, Catwoman kam stets wieder. ‘Zeit, legal zu werden: die Catwoman des Jahres 2001′ weiterlesen


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Intimitäten: Kevin Smiths zweiter Batman-Comic “The Widening Gyre”

Kevin Smith ist ein guter Kumpel, vielleicht darf man auch sagen, ein treuer Freund. Auf seinem Weg durch die amerikanische Medienwelt, sei es als Regisseur, sei es als Comicautor, nimmt er alte Bekannte nach Möglichkeit mit. Das sorgt zwar dafür, dass es im Kino einen wiedererkennbaren Smith-Kosmos gibt.  Das hat aber auch zur Folge, dass manche hartnäckige Loyalität Smiths Ideen an der Entfaltung hindert. So hat mir Smiths erste große Auseinandersetzung mit Batman, die Miniserie „Cacophony“, schon deshalb nicht gefallen, weil Smiths Jugendfreund Walter Flanagan als Zeichner schlicht überfordert war. ‘Intimitäten: Kevin Smiths zweiter Batman-Comic “The Widening Gyre”’ weiterlesen


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Die Mäusewache in fremden Händen: “Mouse Guard – Legenden der Wächter”

Von wegen, da beißt die Maus keinen Faden ab. Die Mäuse, von denen hier die Rede ist, stellen sich jeder Herausforderung. Vor allem durchtrennen sie die Lebensfäden ihrer Fressfeinde mit Schwert, Beil oder Hellebarde. Die Mäusewache, die sich der amerikanische Comic-Künstler David Petersen ausgedacht hat, schützt eine kleine Mauszivilisation vor den Gefahren der großen Welt.

Petersen hat beim Entwurf dieser Welt weder die Niedlichkeit kindgerechter Tiercomics noch die düstere Allegorienstrenge von Art Spiegelmans „Maus“ vor Augen gehabt. Eher standen die klassischen Fabeln Pate, in denen Tiere mit Ernst, Würde und Verschlagenheit menschliche Rollen ausfüllen, in einem weiten Spektrum zwischen Possierlichkeit und Schrecken. ‘Die Mäusewache in fremden Händen: “Mouse Guard – Legenden der Wächter”’ weiterlesen


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Batman und der Stadtneurotiker: noch ein “Starman”-Moment

Für viele Menschen ist das ganze Superheldenwesen amerikanischer Comics bereits so wunderlich (in der Privatheit ihrer Köpfe verwenden sie wohl eher den Begriff abartig), dass sie keine Abstufungen des Fantastischen, Bizarren und Surrealen mehr auszumachen vermögen. Diese Realismusversessenen (jaja, ich weiß, man kann das Folgende für eine polemische Analogie halten, aber so ist sie gar nicht gemeint) stehen vor solchen Comics, wie Menschen, die aus totaler Dunkelheit in einen gleißend hellen Raum treten und sofort ein dort aufgehängtes Bild im Detail beschreiben sollen. Aber sie sehen weder Details noch Bild, sondern nur eine grelle Lichtexplosion. ‘Batman und der Stadtneurotiker: noch ein “Starman”-Moment’ weiterlesen


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Hollywood als Rettungsring – die Filmassoziationen des Comic-Superhelden “Starman”

Er sei damals ein eitler Besserwisser gewesen, ein unbeherrschter Wichtigtuer, bekennt der Comicautor James Robinson in den Vor- und Nachworten zu der Serie “Starman”, die er von 1994 bis zu 2001 für DC/Vertigo schrieb. Stimmt, kann man da nur sagen. “Starman” ist zumindest anfangs “full of piss and vinegar”, wie Robinson selbst mit einer schönen englischen Wendung sagt, voller Rüdenprotz und Windbeutelei. ‘Hollywood als Rettungsring – die Filmassoziationen des Comic-Superhelden “Starman”’ weiterlesen


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Als der Sonntag Farbtag war – Wednesday Comics bei Panini

Es wird nie mehr, wie es mal war  ( – außerdem war es wahrscheinlich eh nie so, wie die Alten behaupten, dass es mal gewesen sei.) Diese Weisheit gilt natürlich auch für Comics. Wie das war, als Amerikaner sich tatsächlich noch auf die tägliche Fortsetzung ihrer Lieblingshelden auf der Comicseite ihrer Tageszeitung freuten, als Abenteuergeschichten mindesten so populär wie die Gagstrips waren, können wir uns nicht mehr vorstellen. Warteten sie auf die nächste Folge? Lasen sie’s, weil’s eben mitgeliefert wurde? Jagten sie verpassten Folgen hinterher? ‘Als der Sonntag Farbtag war – Wednesday Comics bei Panini’ weiterlesen


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