Archiv für die 'Essays' Kategorie

Ein paar Fragen zur Popmusik

Diese Fragen (und noch mehr) gingen mir zuletzt immer wieder durch den Kopf: Ist Pop Gebrauchsmusik oder Kunstmusik? Kann gute Gebrauchsmusik auch Kunstmusik sein? Ist Kunst zu etwas zu gebrauchen? Ist gutes Design auch eine Kunst? Hat Pop etwas mit Kunst zu tun – und was? Oder ist die Popmusik nicht vielfach nur noch zu einem Instrument der Simulation herabgesunken, sind ihre Töne bestenfalls geeignet zum Heraufbeschwören diffuser Stimmungen? Zum Hervorrufen einer Gefühlslage? In Erinnerungen schwelgen, sich im Groove treiben lassen, ein wohliges Untergehen im Klangfluten, ein Aufgehen im Klang. Befördert sie eine Art Aussage und wie wichtig ist dabei eigentlich der Text im Verhältnis zu seinem Kontext? Ist sie Mittel zum Zweck? Ist sie also an bestimmte Situationen gebunden, „eignet“ sich zum Tanzen und „Abhotten“, zum Übergang in ein Rauschgefühl, in eine fremd vertraute Ekstase, zum Abspülen, zur Haus- und Küchenarbeit, zum Bügeln? „Mit Musik geht alles besser“, der Spruch scheint ja doch nur ausgeleiert. Schafft Popmusik Situationen, die uns in Stimmung versetzen können oder gibt es da eine Reihe von Maßstäben, die wir vorsichtig anlegen könnten, um die Spreu vom Weizen zu trennen.? Sind diese Maßstäbe dieselben wie schon vor 100 Jahren, – eherne Qualitätsmaßstäbe der Kunst, – oder sollten wir sie nicht viel lieber dem schnell sich entwickelnden und wandelnden Gegenstand anpassen? Müssen wir sehr behutsam dabei vorgehen, uns möglichst einzufühlen versuchen, uns einlassen und dann von dem so gewonnenen Standpunkt etwas zu erkennen versuchen? Eine Einordnung dessen wagen, was es wert sein könnte, mehr oder weniger die selbst gesteckten Ziele erreicht zu haben? Die „selbst gesteckten Ziele“ erkennen? Braucht es da ein besonderes Wissen, einen Überblick, Erfahrung? Oder gilt „Daumen rauf“ und „Daumen runter“? ‘Ein paar Fragen zur Popmusik’ weiterlesen


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Komm schnell, Du schöne Welt des Radiums

Glauben und Wissen sind nicht immer Gegensätze. Manchmal sind es Alterungsstufen. Das Wissen von Gestern erscheint uns heute als irriger Glaube. Was nicht das letzte Wort sein muss, wohlgemerkt. Manchmal haben wir es mit einer Kreisbewegung zu tun: mal scheint es etwas Gewissheit, dann bringen neue Erkenntnisse die ursprüngliche Theorie, Prognose oder Behauptung wieder zu Ehren. Es lohnt, nicht nur nach vorne zu schauen, sondern auch nach hinten, um der Skepsis eine Chance gegen das Wunschdenken, aber auch, um der Hoffnung eine Chance gegen den Pessimismus zu geben. ‘Komm schnell, Du schöne Welt des Radiums’ weiterlesen


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Einer der überragenden Stilisten des letzten Jahrhunderts?

Da bin ich mal gespannt. Einer „der überragenden Stilisten des vergangenen Jahrhunderts“ soll er gewesen sein. Ich kann mich noch vage an sein Buch „Die stählerne Blume“ erinnern, das ich während meines Studiums gelesen habe, da ging es um die deutsche Sicht auf Japan. Exotismus, Japonismus in der Literatur. Da fand ich Friedrich Sieburg schon arg rechtskonservativ. Aber wie dieses neue Buch von ihm anfängt (das noch gar nicht anfängt, sondern einen Vorzettel und ein Vorwort vor sich her trägt), ist schon arg abstoßend. Es heißt „Die Lust am Untergang“ und trägt den schönen Untertitel „Selbstgespräche auf Bundesebene“. Hiervon ein anderes Mal mehr, wie Robert Walser einmal schrieb. Das Buch ist gerade in der Anderen Bibliothek erschienen. ‘Einer der überragenden Stilisten des letzten Jahrhunderts?’ weiterlesen


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