Archiv für die 'Musik' Kategorie

Konzert (3)

Wer etwas von der künstlerischen Wahrheit zu dem Gebotenen erfahren will, dem sei die Auseinandersetzung damit empfohlen. Dies sollte vielleicht nicht von der psychischen oder physischen Tagesform bestimmt sein, sondern nur vom Aufsaugen des tatsächlich Gebotenen. Diese Art von Abstand hat sich bei mir meist automatisch eingestellt, wenn ich in einer solchen Mission unterwegs war. Musik hat mir immer Energie und Power gegeben. Zudem habe ich ja auch keine Lieblingsacts dergestalt, dass ich wirklich alles an ihnen bejubeln würde oder an ihnen alle anderen popkulturellen Phänomene messen müsste. Ich habe niemanden in den Rang von Propheten erhoben, was ich ohnehin für pubertär halte und vollkommen ablehne. ‘Konzert (3)’ weiterlesen


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CD- und Konzert-Tipp: das Gismo-Graf-Trio

GrafDas ist eine CD mit Suchtpotenzial: Gismo Graf, gerade mal 21 Jahre alter Gitarrist aus Stuttgart, hat alles, was einen echten Virtuosen ausmacht – flinke Finger, ein helles Köpfchen, den richtigen Rhythmus im Blut, nicht zu vergessen die unbedingt notwendige Portion Nonchalance. (Wer’s nicht glaubt, sollte sich am Freitag, 7. Februar in der Festhalle Magstadt davon überzeugen.) ‘CD- und Konzert-Tipp: das Gismo-Graf-Trio’ weiterlesen


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CD-Tipp: Sonne, Mond und Sterne von Peter Schindler

Die Sendung „Klassik, Pop et cetera“ ist eines der  an- und aufregendsten Formate  im Deutschlandfunk. Und aus Klassik, Pop et cetera stammen auch die Stilmittel, deren sich  der Komponist Peter Schindler bedient – ebenfalls  sowohl an- als auch aufregend.  „Sonne, Mond und Sterne“Schindler heißt die Szenische Kantate für Solisten,  Chor und Orchester,  die vor zweieinhalb Jahren in der Stuttgarter Liederhalle uraufgeführt wurde, Untertitel:  „Vom prallen Leben, von ewigen Nächten und nimmersattem Fragen“.

Was im Eingangschor („O Ewigkeit“) zunächst wie eine Carl-Orff-Kopie daher­zukommen scheint, entpuppt sich ‘CD-Tipp: Sonne, Mond und Sterne von Peter Schindler’ weiterlesen


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Als die Beatles übel klangen – Der Comic “Liverfool”

liverfoolcovIn groben Zügen kennt jeder – na gut, jeder über 35 – die Geschichte der Beatles, auch die Anfänge: Kneipenbeschallung in Liverpool, wo damals ziemlich was los war, Stichwort Merseybeat, dann der Sprung nach Hamburg in den Star Club, der Wechsel von Pete Best zu Ringo Starr, Rückkehr nach Liverpool, neue Frisuren, der vermarktungstechnisch geniale Spitzname Pilzköpfe, Welthits, Weltruhm – und einige Zeit danach der Zwist der Erfolgreichen.

Die französischen Comicmacher Gihef und Daniel Vanders führen uns in „Liverfool“ noch einmal zurück zum Anfang der Band. Überflüssig oder bloßer Schnickschnack für Beatles-Nostalgiker aber ist diese Erzählung keineswegs. Sie widmet sich nämlich dem Kneipier Allan Williams, einer nicht mehr jedermann bekannten Figur aus der Beatles-Geschichte. Wir treffen ihn zunächst in der Jetztzeit, wo er sich als Gescheiterter offenbart: ein Typ, der davon lebt, Touristen für ein paar Pfund die Geschichte seiner Megachance und seines Ruins zu erzählen. ‘Als die Beatles übel klangen – Der Comic “Liverfool”’ weiterlesen


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O du fröhliche!

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Hefte mit Noten von Weihnachtsliedern gibt es viele. Jetzt ist eins dazugekommen, das in zweierlei Hinsicht auffällt. Erstens durch seine liebevolle Aufmachung, illustriert von der jungen Künstlerin Lisa von Radecke. Und zweitens durch den Umstand, dass die Lieder zwei- und  vierhändig auf dem Klavier gespielt werden können. Die in Stuttgart unterrichtende Pianistin Shiau-Nan Pan hat acht der bekanntesten Weihnachtslieder so gesetzt, dass sie Anfängern gut in der Hand liegen und sogar vom Blatt zu  spielen sind. ‘O du fröhliche!’ weiterlesen


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CD-Tipp: Munich Opera Horns

Das Verdi-und-Wagner-Jahr neigt sich seinem Ende zu, gerade noch rechtzeitig kommt eine CD auf den Markt, auf die manche schon seit Pfingsten gewartet haben: die Hornisten des Bayerischen Staatsorchesters haben ihre „Fan Faire“ vorgelegt.  Passend zum Doppeljubiläum erklingen eine Lohengrin-Fantasie und  eine Aida-Bearbeitung. Große Oper in kleiner Besetzung, klanglich ausgetüftelt bis ins Detail. Grandios. ‘CD-Tipp: Munich Opera Horns’ weiterlesen


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CD-Tipp: Yojo, die Zweite

TYXart_13028_CD_Cover_copyrightNa, dieser junge Mann traut sich was: Im langsamen Satz von Beethovens Pathétique, an der elegischen as-Moll-Stelle, gibt er unvermittelt Gas, verdoppelt mal eben das Tempo – und verblüfft den Zuhörer mit der Erkenntnis, dass das absolut in Ordnung geht. Ein schneller Mittelteil im Adagio cantabile  -  ja warum eigentlich nicht? Mozart hat das in seinem d-Moll-Klavierkonzert ausdrücklich vorgeschrieben. Und bei der vorliegenden Beethoven-Einspielung zeigt es sich, dass dieser völlig unvorschriftsmäßige Umgang mit dem Urtext funktioniert. Es muss halt nur der Richtige am Flügel sitzen

Der 17-jährige Yojo, mit bürgerlichem Nachnamen Christen, ist es, der mit jugendlich leichtem Sinn die op. 13 gegen den Strich bürstet. ‘CD-Tipp: Yojo, die Zweite’ weiterlesen


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Konzert (2), Sicht- und Hörweisen, Perspektiven

Wenn in einem Popkonzert der Mann am Mixer die Einstellungen am Equalizer so wählt, dass Nylonsaiten „knattern“, dann tun sie das ganz einfach, völlig unabhängig davon, ob es der vermeintlich beste Gitarrist der Welt ist, der da spielt. Wenn dieser Gitarrist beispielsweise mit seinem Mienenspiel arg dick aufträgt und nach Meinung des Hörers seine Emotionen möglichst kitschig übertrieben spielt, indem er allzu emphatisch auf die Tränendrüse drückt, dann ist zu vermuten, dass er damit etwas anderes ausgleichen will. Vielleicht. Vielleicht will er ja auch nur eine hörbare durch die sichtbare Wirkung verstärken. Und vielleicht ist so etwas nur eitel. Den Blick dafür entwickeln zu wollen, kann nicht ganz falsch sein. So etwas zur Sprache zur bringen, auch nicht. Das übertrieben „klare“ Posing jedenfalls ist heutzutage Inhalt jeder Ausbildung zum Rockmusiker, wie ihn beispielsweise die Popakademien massenhaft produzieren. Showgeschäft bedeutet: Zeigen, spielen, eine Vorstellung geben und abziehen, unabhängig davon, was der Künstler im Augenblick empfindet. Die gestanzten Posen. Genau das wäre ja Ausdruck von Professionalität. Nun ja, Hauptsache alles gegeben. Oder wenigstens den Eindruck im Publikum hinterlassen…. Posing richtet sich natürlich, – ganz besonders bei den Altrockern! – auch danach, welche Rolle solch ein Künstler über all die Jahre hinweg gegeben hat. In überdeutlicher Form gibt er diese Rolle nun meist seinem zahlungskräftig erfreuten Publikum. ‘Konzert (2), Sicht- und Hörweisen, Perspektiven’ weiterlesen


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CD-Tipp: Lieder von Georges Catoire

Anna Zassimova ist nicht nur eine fabelhafte Pianistin. Die heute in Karlsruhe lebende Russin ist auch eine ausgewiesene Expertin für Leben und Werk ihres Landsmannes Georges Catoire (1861 bis 1926), über den sie ihre Dissertation schrieb.

Schon einmal hat Anna Zassimova eine Catoire-CD vorgelegt – Werke für Violine und Klavier mit dem Geiger Laurent Albrecht Breuninger –, nun hat sie sich gemeinsam mit der Sopranistin Yana Ivanilova dem Liederschaffen des Komponisten gewidmet. Und höre da: Catoire hat an der Schwelle zwischen Spätromantik und russischem  Expressionismus (zu dessen Begründer Zassimova den Meister zählt) eine faszinierende Tonsprache mit überreicher, doch nie überbordender Harmonik und Melodik entwickelt. Eine gute dreiviertel Stunde  lang eröffnen die beiden Künstlerinnen mit Sensibilität und Klangsinn völlig neue Perspektiven in die Musik aus dieser Zeit. Und das erste Lied – „Abend“ nach einem Gedicht von Alexei Apuchtin –  hat mit seinem anrührenden Melos nachgerade Ohrwurmqualitäten.


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CD-Tipp: Wilhelm Backhaus – Live at Carnegie Hall

BackhausVor einigen Tagen rief mich ein Herr in der Redaktion an. Er lebe im Harz und habe zufällig die Print-Version meiner Derzhavina-Besprechung in die Hände bekommen. Der Text habe ihm so gut gefallen, dass er mich einfach habe anrufen müssen, um mir das zu sagen. Wir unterhielten uns eine Weile  über diese außergewöhnliche Pianistin, über ihre Kollegin Dina Ugorskaja, über Leon Fleisher,  über Lang Langweilig (das Wortspiel war ihm neu, es hat ihn aber sehr amüsiert) und nicht zuletzt über Wilhelm Backhaus, den er persönlich sehr gut gekannt habe. Und dann hatte die Sache noch ein Nachspiel. Und was für eines. ‘CD-Tipp: Wilhelm Backhaus – Live at Carnegie Hall’ weiterlesen


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