New Orleans, ein paar Jahre nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs – ja, diese Stadt gäbe ein wunderbares Setting für eine komplexe Westernserie ab. Sogar “Yancy Derringer” lässt manchmal ahnen, mit was für einem Gewimmel der Charaktere, Interessen, Erfahrungshintergründe und Glückszwingermethoden die Autoren arbeiten könnten, mit welcher großen Reibung zwischen der neuen, vom Norden eingesetzten Autorität und der alten, vom Süden geprägten Realität. Aber kann eine alte US-Serie von 1958 diesen Stoff angemessen verarbeiten? Nein, natürlich nicht. Aber damit ist noch nicht alles gesagt. ‘Der Dandy und der Wilde – die Westernserie “Yancy Derringer”’ weiterlesen
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Nick Nolte wälzt sich schwerfällig im Fernsehsessel herum, wie das sprichwörtliche Tier außerhalb seines natürlichen Elements. Er spielt Ray Cook, einen einsamen Endfünfziger, der auf dem Schrottplatz arbeitet, nebenher als Schiedsrichter bei Nachwuchsliga-Baseballspielen agiert, ohne dort irgendwelche Freunde zu haben, und daheim vor sich hinsäuft. Im Kühlschrank klebt ein Zettel, der mahnt „Nur drei Bier am Tag“. Wir haben den Verdacht, dass Ray sich daran nicht hält. Er steht ja auch mitten im Fernsehschauen auf, klebt ein gelbes Post-It mit „Weniger glotzen“ auf den Bildschirm, setzt sich dann wieder hin und glotzt weiter. ‘Spiel ums kleine Glück – James Ponsoldts “Off the Black”’ weiterlesen
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Martin Brady ist ein amerikanischer Revolvermann in Diensten eines mexikanischen Großranchers und Politikers. Der Bruder des Ranchers, ein korrupter General, nennt Brady Auftragsmörder, assassin, und wahrscheinlich ist der Gringo tatsächlich nicht nur als Leibwächter tätig gewesen und als Begleitreiter für Schmuggelfrachten, die über den Rio Grande müssen. Aber wer von dem Western „Heiße Grenze“, im Original sarkastisch „The Wonderful Country“ betitelt, eine kugelpfeifende Darstellung des Pistolero-Lebens erwartet, wird eine herbe Enttäuschung erleben. Ja, man kann diesen von Robert Parrish inszenierten Film als steifbeinige, ziellose und folgerichtig im Nichts verlaufende Sammlung schläfriger Gesichtsausdrücke des Hauptdarstellers Robert Mitchum schmähen. Das wäre eine durchaus nachvollziehbare Negativbilanz. ‘Links und rechts des Rio Grande – “Heiße Grenze” von Robert Parrish’ weiterlesen
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Das Interessanteste am Reisen sind oft die Irr- und Umwege. Anfang der 60er Jahre reiste der deutsche Dokumentarfilmer Dietrich Wawzyn in die USA, um einen Film über Jazzmusiker zu drehen – nicht über die gerade aktive Avantgarde in den Großstadtclubs, sondern über ältere Musiker, über Leute, die etwas vom Beginn und den Jugendjahren dieser Musik erzählen konnten. Weil er sich noch nicht auskannte, suchte der 1925 in Ostpreußen geborene Wawzyn einen Reiseführer, Kontaktbeschaffer und Helfer – und er fand ihn in dem drei Jahre jüngeren Chris Strachwitz, der ursprünglich aus Schlesien stammte und seit 1947 in den USA lebte. ‘Heiße Tänzchen in der Kirche – Arme-Leute-Musik 1963′ weiterlesen
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Lee Marvin und Gene Hackman zusammen in einem Gangsterfilm? Auch noch in einem vergessenen Stück des New Hollywood der frühen Siebziger? Das muss eine der schönsten Wiederentdeckungen des Heimkinojahres werden, oder? Ja, „Prime Cut“, der früher in Deutschland „The Professionals“ hieß, löst Vorfreude aus. Und entpuppt sich als Enttäuschung. ‘Hand in Hand vorm Mähdrescher fliehen – Michael Ritchies “Prime Cut”’ weiterlesen
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Guckt dieser Kerl mit dem Rest eines bauernschlauen Feixens im Gesicht nur in den Taschenspiegel, um seine Locken zu kontrollieren? Nein, er scheint zu überprüfen, ob ihn jemand beschattet. Und dieser andere Kerl im schwarzen Mantel, der irgendwo in Paris am Straßenrand steht, wartet der einfach auf jemanden? Nein, er scheint den Verkehr, vor allem den Lieferverkehr auszuspähen. Und der dritte, dürre, latent nervöse Typ, dem er gerade ein Zeichen gegeben hat, warum folgt der einem Lieferanten ins Gebäude und bis an den Aufzug? ‘Harte Kerle, neue Zeiten – Pierre Granier-Deferres “Ganoven rechnen ab!”’ weiterlesen
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Starruhm nimmt viele Formen an. Auch die überlebensgroßer Mäuseohren zum Auf-den-Kopf-Schnallen. Solche Ohren trugen einst die Kinder im Mickey Mouse Club, einer 1955 gestarteten Serie des US-Fernsehens. Was diese bunt gemixte Show den Amerikanern deutlich machen wollte, war ihr Familienzuwachs: Walt Disney, Uncle Walt, wurde hier als Schirmherr aller Kindheiten der Nation präsentiert, als Onkel für jeden einzelnen kleinen Amerikaner. Dass da Disney-Mäuseohren auf den Köpfen saßen, war nur ein für die Kamera sichtbares Symbol dafür, dass Disney bereits in den Köpfen saß.
Annette Funicello, geboren am 22. Oktober 1942 an der Ostküste und seit ihrem vierten Lebensjahr an der Westküste aufgewachsen, ein All-American-Girl also, war die Stargöre im Mickey Mouse Club, die mit dem nettesten Lächeln. Es war alles noch kindlich an Annette, aber da war doch schon eine Pose erkennbar, die an die besseren Hausfrauen der Werbung von damals erinnerte. Dieses kleine Mouseketeer-Mädel - so nannte man die Studiokids – schien die Kontinuität amerikanischer Mittelschichtsideale zu verbürgen. Annette würde klaglos und fröhlich so werden, wie die Mütter der Ära wenigstens glaubten, zu sein. ‘Mäuse, Kohle, Strand und Haltung – Zum Tod von Annette Funicello’ weiterlesen
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In einem New Yorker Wolkenkratzer ist der Strom ausgefallen. Aber man könnte diesen Anfang von Edward Dmytryks Thriller „Die 27. Etage“ (im Original: „Mirage“) auch großflächiger deuten: im netten hellen Amerika sind die Lichter ausgegangen. Gregory Peck als biederer Angestellter David Stillwell tappt in der Finsternis treppab. Als er unten angekommen ist, steckt er schon in einer unglaublichen Intrige. Als Stillwell aber bei der Polizei Anzeige erstatten will, merkt er, dass er sich an kaum etwas aus seinem Leben erinnern kann. ‘Die Lichter gehen aus – Edward Dmytryks “Die 27. Etage”’ weiterlesen
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Alles hat seine Stunde (steht schon im Buch Kohelet). Das gilt auch für den Tatort Münster.
Aber vielleicht sind die Macher auch bloß zu lange neben dem grund- und sinnlos offenen Bienenstock gestanden.
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Nichts an den bösen Scherzen, die Seth MacFarlane sich bei der Oscar-Gala erlaubt hat, ist grundsätzlich verwerflich. Nur Zeit und Ort stimmten nicht. So gallig kann man nicht als Oscar-Moderator agieren. ‘Wrong time, wrong place – Seth MacFarlanes Oscar-Auftritt’ weiterlesen
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