Archiv für die 'Film' Kategorie

Ein Feind der Zäune – King Vidors Western “Mit stahlharter Faust”

Mit-stahlharter-Faust-covDer Mensch verändert jenen Weltwinkel, in die er sich vor seinesgleichen flüchtet, bis sie so aussehen wie jene Gegend, die er hinter sich lassen wollte.  Von dieser Zwickmühle erzählen Western immer wieder, so auch King Vidors „Mit stahlharter Faust“, im Original „Man Without a Star“  aus dem Jahr 1955. Kirk Douglas spielt den erfahrenen, rotzfrech auf sich selbst vertrauenden Cowboy,  der gleich anfangs beim Schienentrampen einen Neuling, einen Zivilisationsflüchtigen von der Ostküste, auf ein paar reale Gegebenheiten hinwiesen muss. Der Westen ist also anders, als sich das die Traumtänzer vorstellen (eine durchaus ironische Volte, findet diese Belehrung doch in einem Filmwestern zu einer Zeit statt, als dieses Genre selbst noch heftig an der Verklärung von Ort und Epoche arbeitet). ‘Ein Feind der Zäune – King Vidors Western “Mit stahlharter Faust”’ weiterlesen


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Ein Westler in Ostberlin – Günter Reischs “Ein Lord am Alexanderplatz”

Ein_Lord_am_AlexanderplatzMan habe sein „Totenschiff“ noch mal hinbekommen, erklärt der Ostberliner Mechaniker dem westdeutschen Herrn, dessen schwarzer Mercedes 300 einen Werkstattbesuch dringend nötig hatte. In Günter Reischs Komödie „Ein Lord am Alexanderplatz“ aus dem Jahr 1967 symbolisiert die betagte schwarze Luxuskarre einen Überlegenheitsanspruch des Westens, der nicht mehr haltbar ist.

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Überraschende Gäste, verrückte Gastgeber: James Whales “The Old Dark House”

olddarkhousecovWer die ruckelnden Tricks des vordigitalen Kinos mag, der wird sich in James Whales Horrorklassiker „The Old Dark House“ aus dem Jahr 1932 früh verlieben. Drei Menschen fahren in einem heftigen Regensturm auf unsicheren Behelfswegen durch die Berge von Wales, und die Kamera zeigt uns ein reales Auto auf dem Außengelände der Universal, den Fahrgastraum im Studio mit Rückprojektion – und ein kleines Modellauto, das auf einer vermatschten Holzplatte im Trickstudio entlangzuckelt. Das kuriose Rütteln und Schütteln des Modells wirkt nicht lächerlich, es lässt nur das Menschenwerk angesichts der Gewalt der Natur umso klappriger wirken. Ganz und gar hinreißend ist der Erdrutsch, mit dem James Whales Trickleute dem Holzauto den Rückweg abschneiden. ‘Überraschende Gäste, verrückte Gastgeber: James Whales “The Old Dark House”’ weiterlesen


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Die andere Art Straßenstrich – “Prince Avalanche” auf DVD

Prince_Avalanche_PlakatAuf Arbeiter als Hauptfiguren hat das Unterhaltungskino schon lange keine Lust mehr. Es sei denn, sie schmeißen den Baustellenhelm hin und retten die Welt vor Aliens, Kometen oder Terroristen. Aber dann waren sie vorher schon was Kinocooles, Spezialisten auf einer Ölbohrplattform oder so. Zwei Straßenarbeiter, die weiße Striche auf den Asphalt malen, und das auch noch draußen an einer menschenleeren Strecke zwischen den Orten – diese Personalbeschreibung klingt wie ein galliger Witz.   aber hat den umzusetzen gewagt, als Remake eines isländischen Films (aber aus Island erwartet man ja schratig verschrobenen filmischen Wahnsinn, der nur auf Festivals läuft, aus den USA nicht). Weiß der Teufel, wie Green dieses Projekt finanziert bekommen hat, ohne unterwegs in eine Zwangsjacke gesteckt zu werden. ‘Die andere Art Straßenstrich – “Prince Avalanche” auf DVD’ weiterlesen


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Die Klasse dieser Klasse – “Downton Abbey”, Staffel 4

Downton_logoOb’s nur das Alter ist? Oder die Beschäftigung mit dem Thema?  Der 64-jährige Julian Fellowes jedenfalls, Schöpfer des britischen TV-Juwels „Downton Abbey“, wird von Jahr zu Jahr konservativer. Diese im Jahr 1012 einsetzende Erzählung von Herrschaften und Bedienten in einem Herrensitz in Yorkshire war in der ersten Staffel noch eine Geschichte, die Oben und Unten sehr ausgewogen zeigte. Man konnte sich faszinieren lassen von den Ritualen und Konventionen des feinen Lebens, vom  bis ins Absurde ausgeklügelten Uhrwerkgetriebe des Umsorgens der Blaublütigen. Aber man konnte sich zugleich auch Empören über diese Ausbeutung, die von den Ausbeutern als vormundschaftliche Fürsorge begriffen wurde. ‘Die Klasse dieser Klasse – “Downton Abbey”, Staffel 4′ weiterlesen


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Alles nette Kerle eigentlich – Wolfgang Staudtes “Der Maulkorb”

maulkorbcovFilme sind nicht nur ein Gegenstand der Vernunft, der rationalen Durchleuchtung. Wir bringen ihnen Gefühle entgegen. Wolfgang Staudtes „Der Maulkorb“ von 1958, den ich zuletzt als Kind im Fernsehen gesehen hatte, habe ich mit Hoffnung in den DVD-Spieler geschoben. Um nicht zu sagen, mit dem festen Vorsatz, ihn zu mögen.

Wolfgang Staudte ist ein Held des deutschen Nachkriegskinos, einer, der sich nicht gleich auf Ablenkungs- und Verdrängungs-Trallala stürzte, sondern untersuchen wollte, was eigentlich los ist und war in einem Land, das zwei Weltkriege in Folge ausgelöst und eine industrielle Menschenvernichtung ins Werk gesetzt hatte. Irgendwann musste der Regisseur von „Der Untertan“ vor dem realen Markt kapitulieren. Aber er hat sich dann noch einmal zu großem Trotz aufgerappelt: „Rosen für den Staatsanwalt“ von 1959 gilt gemeinhin als Wiederauftritt des kritisch-bissigen Staudte. Aber stand der nicht vielleicht ein wenig früher wieder im Ring? ‘Alles nette Kerle eigentlich – Wolfgang Staudtes “Der Maulkorb”’ weiterlesen


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Das Fragezeichen als Wappen – Errol Flynns Autobiografie

flynnbiocovSchwer zu sagen, was Leser dunnemals in einer Autobiografie Errol Flynns zu finden hofften – oder fürchteten. Einerseits war Flynn in seinen besten Fecht-, Hecht- und Sprungzeiten, den 30ern und 40ern, der Inbegriff des echten Kerls aus dem Stoff der Träume gewesen: rebellischer Champion der Gerechtigkeit im Wald von Sherwood, säbelschwingender Herr der Sieben Meere, furchtlos-smarter Bändiger des Wilden Westens. Andererseits hatte er einen langen Absturz ins Schmierige hinter sich, als er 1958 seinem Ghostwriter Earl Conrad (die beiden verachteten einander nach kurzer Zeit, auch so ein Problemfeld) „My Wicked, Wicked Ways“ diktierte. Flynn war als besinnungsloser Säufer, übler Pöbler, lächerlicher Raufbold und selbstkontrollfreier Hurenbock eine jederzeit in aktuelle Stofflücken der Klatschspalten pressbare Skandalnudel geworden.   ‘Das Fragezeichen als Wappen – Errol Flynns Autobiografie’ weiterlesen


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Angstschweiß in der Wüste – J. Lee Thompsons “Ice Cold in Alex”

Ice-Cold-in-Alex-Blu-rayKaum stand in den 50ern und 60ern irgendwo eine Kamera, ging auch schon der Zweite Weltkrieg weiter, möchte man manchmal denken. Ja, nicht nur im Krieg, als direktes Propaganda- und Moralstärkungsinstrument, sondern auch danach hat das Kino sich an die Front begeben. Und was kam dabei heraus? Diese Frage beantworten wir heute meist typologisch: wir fassen den russischen, den britischen, den amerikanischen, den französischen, den deutschen WK-II-Film nach bestimmten erzählerischen und ideologischen Mustern zusammen. Das schafft Überblick, das belegt Thesen, aber, das sollte man nicht vergessen – es wird vielen Filmen nicht gerecht. „Ice Cold in Alex“ von Regisseur J. Lee Thompson, eine britische Produktion von 1958, gehört zu den vielen Kriegsfilmen, die sich nicht problemlos in ein Schema pressen lassen. ‘Angstschweiß in der Wüste – J. Lee Thompsons “Ice Cold in Alex”’ weiterlesen


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Weiß ist nicht Schwarz, hö-hö: Steve Martins Durchbruch “Reichtum ist keine Schande”

reichtumcovsmAm Seitenausgang eines Kinos, unter einer Treppe, hausen die Stadtpenner.  Einer von ihnen, die Zunge schwer vom Suff, beginnt, uns seine Geschichte zu erzählen. Die Komik ist dick aufgetragen, als sei so ein Penner eine Figur, die man jederzeit auf jede Art nachäffen darf – und für einen kurzen Moment möchte man sagen, dass diese erste Szene für Steve Martin in seinem ersten Hauptrollenvehikel von 1979, „The Jerk“, in Deutschland „Reichtum ist keine Schande“ betitelt, das Produkt einer anderen Zeit sei. Regieren mittlerweile nicht andere Sensibilitäten? ‘Weiß ist nicht Schwarz, hö-hö: Steve Martins Durchbruch “Reichtum ist keine Schande”’ weiterlesen


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Wie schnell man Angeklagter wird – Der Film noir “Stranger on the Third Floor”

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Noch hat der Reporter Mike (John McGuire) gut lachen. Er sitzt mit seiner Verlobten Jane (Margaret Tallichet)an der Esstheke eines Kaufhauses und entwirft die gemeinsame Zukunft. Diese Szene zu Beginn des 1940 ins Kino gekommenen „Stranger on the Third Floor“ würde auch in eine heitere Beziehungskomödie jener Tage passen. Aber bald wird sich Mikes Welt verfinstern, zunächst indirekt, weil Jane es als ziemlich bedrückend empfindet, dass Mike in einem Mordprozess als Zeuge auftritt. Seine Aussage führt denn auch zu einem Todesurteil.

Aber bald kommen Mike selbst Zweifel. Die Kamera schildert uns diesen Übergang zu einer anderen Weltwahrnehmung eindringlich. Mehr und mehr dunkle Bereiche füllen die Bilder, die Jalousienschatten beginnen erst sacht, dann aggressiver, Mikes Welt zu zerschneiden. „Stranger on the Third Floor“ wird gemeinhin als der erste voll ausgeprägte Film noir bezeichnet. ‘Wie schnell man Angeklagter wird – Der Film noir “Stranger on the Third Floor”’ weiterlesen


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