Autorenarchiv für Hans Joerg Wangner

Das Baumängel-Quartett oder Feiner Natodraht

Foto: Achim Zweygarth

Da gab es noch diesen Chefarzt, Fachrichtung Urologie, im Privatleben Bauherr, der irgendwann  kurz davor war, rot zu sehen, wenn er das Wort „Bautoleranz“ hörte. Der insgeheim bestimmt mit dem Gedanken spielte, seine Sonden mit Schmirgelpapier oder noch besser mit feinem Natodraht zu umwickeln, sollte einer seiner Bauigel bei ihm auf dem Untersuchungsstuhl landen.

Ja, Freunde, bauen heißt grauen. Und wer einerseits den Leidensdruck unseres Urologen teilt, andererseits nicht über dessen theoretische Möglichkeiten verfügt, kann seinen Frust wenigstens spielerisch ein bisschen mildern. „Das Mängelquartett“ heißt jenes heitere Kartenspiel für die ganze Baufamilie, das allen Mühseligen und Beladenen zeigt: sie sind mit ihren Sorgen nicht allein. ‘Das Baumängel-Quartett oder Feiner Natodraht’ weiterlesen


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CD- und Konzert-Tipp: das Gismo-Graf-Trio

GrafDas ist eine CD mit Suchtpotenzial: Gismo Graf, gerade mal 21 Jahre alter Gitarrist aus Stuttgart, hat alles, was einen echten Virtuosen ausmacht – flinke Finger, ein helles Köpfchen, den richtigen Rhythmus im Blut, nicht zu vergessen die unbedingt notwendige Portion Nonchalance. (Wer’s nicht glaubt, sollte sich am Freitag, 7. Februar in der Festhalle Magstadt davon überzeugen.) ‘CD- und Konzert-Tipp: das Gismo-Graf-Trio’ weiterlesen


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CD-Tipp: Sonne, Mond und Sterne von Peter Schindler

Die Sendung „Klassik, Pop et cetera“ ist eines der  an- und aufregendsten Formate  im Deutschlandfunk. Und aus Klassik, Pop et cetera stammen auch die Stilmittel, deren sich  der Komponist Peter Schindler bedient – ebenfalls  sowohl an- als auch aufregend.  „Sonne, Mond und Sterne“Schindler heißt die Szenische Kantate für Solisten,  Chor und Orchester,  die vor zweieinhalb Jahren in der Stuttgarter Liederhalle uraufgeführt wurde, Untertitel:  „Vom prallen Leben, von ewigen Nächten und nimmersattem Fragen“.

Was im Eingangschor („O Ewigkeit“) zunächst wie eine Carl-Orff-Kopie daher­zukommen scheint, entpuppt sich ‘CD-Tipp: Sonne, Mond und Sterne von Peter Schindler’ weiterlesen


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O du fröhliche!

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Hefte mit Noten von Weihnachtsliedern gibt es viele. Jetzt ist eins dazugekommen, das in zweierlei Hinsicht auffällt. Erstens durch seine liebevolle Aufmachung, illustriert von der jungen Künstlerin Lisa von Radecke. Und zweitens durch den Umstand, dass die Lieder zwei- und  vierhändig auf dem Klavier gespielt werden können. Die in Stuttgart unterrichtende Pianistin Shiau-Nan Pan hat acht der bekanntesten Weihnachtslieder so gesetzt, dass sie Anfängern gut in der Hand liegen und sogar vom Blatt zu  spielen sind. ‘O du fröhliche!’ weiterlesen


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CD-Tipp: Munich Opera Horns

Das Verdi-und-Wagner-Jahr neigt sich seinem Ende zu, gerade noch rechtzeitig kommt eine CD auf den Markt, auf die manche schon seit Pfingsten gewartet haben: die Hornisten des Bayerischen Staatsorchesters haben ihre „Fan Faire“ vorgelegt.  Passend zum Doppeljubiläum erklingen eine Lohengrin-Fantasie und  eine Aida-Bearbeitung. Große Oper in kleiner Besetzung, klanglich ausgetüftelt bis ins Detail. Grandios. ‘CD-Tipp: Munich Opera Horns’ weiterlesen


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CD-Tipp: Yojo, die Zweite

TYXart_13028_CD_Cover_copyrightNa, dieser junge Mann traut sich was: Im langsamen Satz von Beethovens Pathétique, an der elegischen as-Moll-Stelle, gibt er unvermittelt Gas, verdoppelt mal eben das Tempo – und verblüfft den Zuhörer mit der Erkenntnis, dass das absolut in Ordnung geht. Ein schneller Mittelteil im Adagio cantabile  -  ja warum eigentlich nicht? Mozart hat das in seinem d-Moll-Klavierkonzert ausdrücklich vorgeschrieben. Und bei der vorliegenden Beethoven-Einspielung zeigt es sich, dass dieser völlig unvorschriftsmäßige Umgang mit dem Urtext funktioniert. Es muss halt nur der Richtige am Flügel sitzen

Der 17-jährige Yojo, mit bürgerlichem Nachnamen Christen, ist es, der mit jugendlich leichtem Sinn die op. 13 gegen den Strich bürstet. ‘CD-Tipp: Yojo, die Zweite’ weiterlesen


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CD-Tipp: Mendelssohns Violinsonaten

reinerWir sehen (auf dem Cover): zwei nicht übermäßig froh gestimmte Herren, der ältere hält eine Geige unter dem Arm, der jüngere steht mit leeren Händen da. Wir hören: Kammermusik, wie man sie sich  delikater, musikantischer, farbiger kaum wünschen kann. Andreas Reiner, einst Primarius des Rosamunde-Quartetts, und sein Begleiter Desar Sulejmani haben drei nur wenig bekannte Werke der romantischen Literatur eingespielt: die Violinsonaten von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Und damit einen unbedingt  hörenswerten Beitrag geleistet zur Mendelssohn-Rezeption, die vielen, auch  großen Bemühungen zum Trotz  noch  immer unter dem Gift antisemitischer Vorurteile leidet. ‘CD-Tipp: Mendelssohns Violinsonaten’ weiterlesen


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CD-Tipp: Lieder von Georges Catoire

Anna Zassimova ist nicht nur eine fabelhafte Pianistin. Die heute in Karlsruhe lebende Russin ist auch eine ausgewiesene Expertin für Leben und Werk ihres Landsmannes Georges Catoire (1861 bis 1926), über den sie ihre Dissertation schrieb.

Schon einmal hat Anna Zassimova eine Catoire-CD vorgelegt – Werke für Violine und Klavier mit dem Geiger Laurent Albrecht Breuninger –, nun hat sie sich gemeinsam mit der Sopranistin Yana Ivanilova dem Liederschaffen des Komponisten gewidmet. Und höre da: Catoire hat an der Schwelle zwischen Spätromantik und russischem  Expressionismus (zu dessen Begründer Zassimova den Meister zählt) eine faszinierende Tonsprache mit überreicher, doch nie überbordender Harmonik und Melodik entwickelt. Eine gute dreiviertel Stunde  lang eröffnen die beiden Künstlerinnen mit Sensibilität und Klangsinn völlig neue Perspektiven in die Musik aus dieser Zeit. Und das erste Lied – „Abend“ nach einem Gedicht von Alexei Apuchtin –  hat mit seinem anrührenden Melos nachgerade Ohrwurmqualitäten.


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CD-Tipp: Wilhelm Backhaus – Live at Carnegie Hall

BackhausVor einigen Tagen rief mich ein Herr in der Redaktion an. Er lebe im Harz und habe zufällig die Print-Version meiner Derzhavina-Besprechung in die Hände bekommen. Der Text habe ihm so gut gefallen, dass er mich einfach habe anrufen müssen, um mir das zu sagen. Wir unterhielten uns eine Weile  über diese außergewöhnliche Pianistin, über ihre Kollegin Dina Ugorskaja, über Leon Fleisher,  über Lang Langweilig (das Wortspiel war ihm neu, es hat ihn aber sehr amüsiert) und nicht zuletzt über Wilhelm Backhaus, den er persönlich sehr gut gekannt habe. Und dann hatte die Sache noch ein Nachspiel. Und was für eines. ‘CD-Tipp: Wilhelm Backhaus – Live at Carnegie Hall’ weiterlesen


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CD-Tipp: die Box zu Leon Fleishers 85. Geburtstag

Leon-Fleisher-The-Complete-Album-CollectionDas ist der Mann mit den zwei Gesichtern: ein jugendliches, etwas rundliches, oft strahlendes. Und ein eher hageres, bärtiges, vom Leben gebeuteltes, aber nicht gebrochenes. Leon Fleisher, der heute, am 23. Juli, 85 Jahre alt wird, gehört zu den ganz großen Pianistenpersönlichkeiten unserer Zeit.

Er war ein optimistischer Senkrechtstarter, dieser Artur-Schnabel-Schüler, der Johannes  Brahms’ Händelvariationen so kraftvoll, federnd und transparent drauf hatte, wie sonst keiner. ‘CD-Tipp: die Box zu Leon Fleishers 85. Geburtstag’ weiterlesen


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