Autorenarchiv für tkl

Dimensionsloch in der Garage – Das Apple-Gründer-Biopic “jOBS”

jobs-cov„Das“ Steve-Jobs-Biopic, heißt es in allen Meldungen zu jenem Filmprojekt der Sony-Studios, bei dem David Fincher gerade als Regisseur ergebnislos vorverhandelt hat. Als gäbe es bloß diesen einen Versuch Hollywoods, das Leben des Apple-Gründers nachzuerzählen. Damit wäre schon alles gesagt über die Nachwirkung von „jOBS“, einem von Matt Whiteley geschriebenen, von Joshua Michael Stern inszenierten Biopic, in dem Ashton Kutcher das One-more-thing-Marketinggenie verkörpert: die war gleich Null. ‘Dimensionsloch in der Garage – Das Apple-Gründer-Biopic “jOBS”’ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Ein Feind der Zäune – King Vidors Western “Mit stahlharter Faust”

Mit-stahlharter-Faust-covDer Mensch verändert jenen Weltwinkel, in die er sich vor seinesgleichen flüchtet, bis sie so aussehen wie jene Gegend, die er hinter sich lassen wollte.  Von dieser Zwickmühle erzählen Western immer wieder, so auch King Vidors „Mit stahlharter Faust“, im Original „Man Without a Star“  aus dem Jahr 1955. Kirk Douglas spielt den erfahrenen, rotzfrech auf sich selbst vertrauenden Cowboy,  der gleich anfangs beim Schienentrampen einen Neuling, einen Zivilisationsflüchtigen von der Ostküste, auf ein paar reale Gegebenheiten hinwiesen muss. Der Westen ist also anders, als sich das die Traumtänzer vorstellen (eine durchaus ironische Volte, findet diese Belehrung doch in einem Filmwestern zu einer Zeit statt, als dieses Genre selbst noch heftig an der Verklärung von Ort und Epoche arbeitet). ‘Ein Feind der Zäune – King Vidors Western “Mit stahlharter Faust”’ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Ein Westler in Ostberlin – Günter Reischs “Ein Lord am Alexanderplatz”

Ein_Lord_am_AlexanderplatzMan habe sein „Totenschiff“ noch mal hinbekommen, erklärt der Ostberliner Mechaniker dem westdeutschen Herrn, dessen schwarzer Mercedes 300 einen Werkstattbesuch dringend nötig hatte. In Günter Reischs Komödie „Ein Lord am Alexanderplatz“ aus dem Jahr 1967 symbolisiert die betagte schwarze Luxuskarre einen Überlegenheitsanspruch des Westens, der nicht mehr haltbar ist.

‘Ein Westler in Ostberlin – Günter Reischs “Ein Lord am Alexanderplatz”’ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Überraschende Gäste, verrückte Gastgeber: James Whales “The Old Dark House”

olddarkhousecovWer die ruckelnden Tricks des vordigitalen Kinos mag, der wird sich in James Whales Horrorklassiker „The Old Dark House“ aus dem Jahr 1932 früh verlieben. Drei Menschen fahren in einem heftigen Regensturm auf unsicheren Behelfswegen durch die Berge von Wales, und die Kamera zeigt uns ein reales Auto auf dem Außengelände der Universal, den Fahrgastraum im Studio mit Rückprojektion – und ein kleines Modellauto, das auf einer vermatschten Holzplatte im Trickstudio entlangzuckelt. Das kuriose Rütteln und Schütteln des Modells wirkt nicht lächerlich, es lässt nur das Menschenwerk angesichts der Gewalt der Natur umso klappriger wirken. Ganz und gar hinreißend ist der Erdrutsch, mit dem James Whales Trickleute dem Holzauto den Rückweg abschneiden. ‘Überraschende Gäste, verrückte Gastgeber: James Whales “The Old Dark House”’ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Die andere Art Straßenstrich – “Prince Avalanche” auf DVD

Prince_Avalanche_PlakatAuf Arbeiter als Hauptfiguren hat das Unterhaltungskino schon lange keine Lust mehr. Es sei denn, sie schmeißen den Baustellenhelm hin und retten die Welt vor Aliens, Kometen oder Terroristen. Aber dann waren sie vorher schon was Kinocooles, Spezialisten auf einer Ölbohrplattform oder so. Zwei Straßenarbeiter, die weiße Striche auf den Asphalt malen, und das auch noch draußen an einer menschenleeren Strecke zwischen den Orten – diese Personalbeschreibung klingt wie ein galliger Witz.   aber hat den umzusetzen gewagt, als Remake eines isländischen Films (aber aus Island erwartet man ja schratig verschrobenen filmischen Wahnsinn, der nur auf Festivals läuft, aus den USA nicht). Weiß der Teufel, wie Green dieses Projekt finanziert bekommen hat, ohne unterwegs in eine Zwangsjacke gesteckt zu werden. ‘Die andere Art Straßenstrich – “Prince Avalanche” auf DVD’ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Die Klasse dieser Klasse – “Downton Abbey”, Staffel 4

Downton_logoOb’s nur das Alter ist? Oder die Beschäftigung mit dem Thema?  Der 64-jährige Julian Fellowes jedenfalls, Schöpfer des britischen TV-Juwels „Downton Abbey“, wird von Jahr zu Jahr konservativer. Diese im Jahr 1012 einsetzende Erzählung von Herrschaften und Bedienten in einem Herrensitz in Yorkshire war in der ersten Staffel noch eine Geschichte, die Oben und Unten sehr ausgewogen zeigte. Man konnte sich faszinieren lassen von den Ritualen und Konventionen des feinen Lebens, vom  bis ins Absurde ausgeklügelten Uhrwerkgetriebe des Umsorgens der Blaublütigen. Aber man konnte sich zugleich auch Empören über diese Ausbeutung, die von den Ausbeutern als vormundschaftliche Fürsorge begriffen wurde. ‘Die Klasse dieser Klasse – “Downton Abbey”, Staffel 4′ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Als die Beatles übel klangen – Der Comic “Liverfool”

liverfoolcovIn groben Zügen kennt jeder – na gut, jeder über 35 – die Geschichte der Beatles, auch die Anfänge: Kneipenbeschallung in Liverpool, wo damals ziemlich was los war, Stichwort Merseybeat, dann der Sprung nach Hamburg in den Star Club, der Wechsel von Pete Best zu Ringo Starr, Rückkehr nach Liverpool, neue Frisuren, der vermarktungstechnisch geniale Spitzname Pilzköpfe, Welthits, Weltruhm – und einige Zeit danach der Zwist der Erfolgreichen.

Die französischen Comicmacher Gihef und Daniel Vanders führen uns in „Liverfool“ noch einmal zurück zum Anfang der Band. Überflüssig oder bloßer Schnickschnack für Beatles-Nostalgiker aber ist diese Erzählung keineswegs. Sie widmet sich nämlich dem Kneipier Allan Williams, einer nicht mehr jedermann bekannten Figur aus der Beatles-Geschichte. Wir treffen ihn zunächst in der Jetztzeit, wo er sich als Gescheiterter offenbart: ein Typ, der davon lebt, Touristen für ein paar Pfund die Geschichte seiner Megachance und seines Ruins zu erzählen. ‘Als die Beatles übel klangen – Der Comic “Liverfool”’ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Der Frisurpate zum Kennenlernen – Ein Auswahlband “Prinz Eisenherz”

PrinceValiantCovAuch wenn jemand nicht viel von Comics weiß, sich unter dem Namen Prinz Eisenherz nichts vorstellen kann, noch nie den Ausdruck Prinz-Eisenherz-Frisur gehört hat – so wird diese Ausgeburt des Schlunds der Großen Ahnungslosigkeit beim Blick auf eine beliebige Seite aus Hal Fosters „Prinz Eisenherz“ eines richtig erkennen: „Aha, was Altes!“ ‘Der Frisurpate zum Kennenlernen – Ein Auswahlband “Prinz Eisenherz”’ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Alles nette Kerle eigentlich – Wolfgang Staudtes “Der Maulkorb”

maulkorbcovFilme sind nicht nur ein Gegenstand der Vernunft, der rationalen Durchleuchtung. Wir bringen ihnen Gefühle entgegen. Wolfgang Staudtes „Der Maulkorb“ von 1958, den ich zuletzt als Kind im Fernsehen gesehen hatte, habe ich mit Hoffnung in den DVD-Spieler geschoben. Um nicht zu sagen, mit dem festen Vorsatz, ihn zu mögen.

Wolfgang Staudte ist ein Held des deutschen Nachkriegskinos, einer, der sich nicht gleich auf Ablenkungs- und Verdrängungs-Trallala stürzte, sondern untersuchen wollte, was eigentlich los ist und war in einem Land, das zwei Weltkriege in Folge ausgelöst und eine industrielle Menschenvernichtung ins Werk gesetzt hatte. Irgendwann musste der Regisseur von „Der Untertan“ vor dem realen Markt kapitulieren. Aber er hat sich dann noch einmal zu großem Trotz aufgerappelt: „Rosen für den Staatsanwalt“ von 1959 gilt gemeinhin als Wiederauftritt des kritisch-bissigen Staudte. Aber stand der nicht vielleicht ein wenig früher wieder im Ring? ‘Alles nette Kerle eigentlich – Wolfgang Staudtes “Der Maulkorb”’ weiterlesen


✷   ✷   ✷

Das Fragezeichen als Wappen – Errol Flynns Autobiografie

flynnbiocovSchwer zu sagen, was Leser dunnemals in einer Autobiografie Errol Flynns zu finden hofften – oder fürchteten. Einerseits war Flynn in seinen besten Fecht-, Hecht- und Sprungzeiten, den 30ern und 40ern, der Inbegriff des echten Kerls aus dem Stoff der Träume gewesen: rebellischer Champion der Gerechtigkeit im Wald von Sherwood, säbelschwingender Herr der Sieben Meere, furchtlos-smarter Bändiger des Wilden Westens. Andererseits hatte er einen langen Absturz ins Schmierige hinter sich, als er 1958 seinem Ghostwriter Earl Conrad (die beiden verachteten einander nach kurzer Zeit, auch so ein Problemfeld) „My Wicked, Wicked Ways“ diktierte. Flynn war als besinnungsloser Säufer, übler Pöbler, lächerlicher Raufbold und selbstkontrollfreier Hurenbock eine jederzeit in aktuelle Stofflücken der Klatschspalten pressbare Skandalnudel geworden.   ‘Das Fragezeichen als Wappen – Errol Flynns Autobiografie’ weiterlesen


✷   ✷   ✷