Links und rechts des Rio Grande – “Heiße Grenze” von Robert Parrish

heißegrenzecovMartin Brady ist ein amerikanischer Revolvermann in Diensten eines mexikanischen Großranchers und Politikers. Der Bruder des Ranchers, ein korrupter General, nennt Brady Auftragsmörder, assassin, und wahrscheinlich ist der Gringo tatsächlich nicht nur als Leibwächter tätig gewesen und als Begleitreiter für Schmuggelfrachten, die über den Rio Grande müssen. Aber wer von dem Western „Heiße Grenze“, im Original sarkastisch „The Wonderful Country“ betitelt, eine kugelpfeifende Darstellung des Pistolero-Lebens erwartet, wird eine herbe Enttäuschung erleben. Ja, man kann diesen von Robert Parrish inszenierten Film als steifbeinige, ziellose und folgerichtig im Nichts verlaufende Sammlung schläfriger Gesichtsausdrücke des Hauptdarstellers Robert Mitchum schmähen. Das wäre eine durchaus nachvollziehbare Negativbilanz. ‘Links und rechts des Rio Grande – “Heiße Grenze” von Robert Parrish’ weiterlesen


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Heiße Tänzchen in der Kirche – Arme-Leute-Musik 1963

DownHomeMusiccovDas Interessanteste am Reisen sind oft die Irr- und Umwege. Anfang der 60er Jahre reiste der deutsche Dokumentarfilmer Dietrich Wawzyn in die USA, um einen Film über Jazzmusiker zu drehen – nicht über die gerade aktive Avantgarde in den Großstadtclubs, sondern über ältere Musiker, über Leute, die etwas vom Beginn und den Jugendjahren dieser Musik erzählen konnten. Weil er sich noch nicht auskannte, suchte der 1925 in Ostpreußen geborene Wawzyn einen Reiseführer, Kontaktbeschaffer und Helfer – und er fand ihn in dem drei Jahre jüngeren Chris Strachwitz, der ursprünglich aus Schlesien stammte und seit 1947 in den USA lebte. ‘Heiße Tänzchen in der Kirche – Arme-Leute-Musik 1963′ weiterlesen


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CD-Tipp: das Violinkonzert von Ermanno Wolf-Ferrari

Es ist eine tröstliche Erkenntnis: Manchmal gibt es so etwas wie Gerechtigkeit im Leben. Auch wenn sie so spät kommt wie in der Geschichte von der unglaublichen Liebe zwischen Ermanno Wolf-Ferrari und Guila Bustabo. Er, der spätromantische Meister, hat für sie, die vierzig Jahre jüngere, heute längst vergessene Stargeigerin, ein Violinkonzert geschrieben, das zu den schönsten seiner Gattung gehört. Diese Erkenntnis verdanken wir dem Dirigenten Friedrich Haider, der das Werk wieder entdeckt und mit der spanischen Oviedo Filarmonía und dem Solisten Benjamin Schmid eingespielt hat. ‘CD-Tipp: das Violinkonzert von Ermanno Wolf-Ferrari’ weiterlesen


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Hand in Hand vorm Mähdrescher fliehen – Michael Ritchies “Prime Cut”

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Lee Marvin und Gene Hackman zusammen in einem Gangsterfilm? Auch noch in einem vergessenen Stück des New Hollywood der frühen Siebziger? Das muss eine der schönsten Wiederentdeckungen des Heimkinojahres werden, oder? Ja, „Prime Cut“, der früher in Deutschland „The Professionals“ hieß, löst Vorfreude aus. Und entpuppt sich als Enttäuschung. ‘Hand in Hand vorm Mähdrescher fliehen – Michael Ritchies “Prime Cut”’ weiterlesen


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CD-Tipp: Haydn-Sinfonien mit Thomas Fey

Man sollte häufiger Haydn hören.  Zum Beispiel Vol. 19 der Sinfonien, die Thomas Fey mit den Heidelberger Sinfonikern alle einspielt. Die Produktion ist eine durch und durch kluge Angelegenheit. Nicht nur die Interpretation, auch die begleitenden Texte im Booklet zeigen: Joseph Haydn, das ist Musik für   Erwachsene, frei nach Johann  Jakob Winkelmanns Formel von der edlen Einfalt und  stillen Größe.

Es gibt nur wenige Komponisten, die formale Sicherheit so mit Witz verbinden wie Haydn – wobei das Wort Witz durchaus auch  in seiner alten Bedeutung im Sinne von Intelligenz verstanden werden kann. Nur sollten seine sorgfältig austarierten Kompositionen genauso sorgfältig aufgeführt werden. Doch da sind die Sinfonien 26, 27 und 42 in den besten Händen. Thomas Fey führt seine Musiker mit dem freudigen Respekt, den diese Musik zum Erblühen braucht. In jeder Hinsicht: ein klassisches Meisterwerk. Und zum Glück gibt es noch  mehr davon.


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Harte Kerle, neue Zeiten – Pierre Granier-Deferres “Ganoven rechnen ab!”

ganoven-rechnen-ab-covGuckt dieser Kerl mit dem Rest eines bauernschlauen Feixens im Gesicht nur in den Taschenspiegel, um seine Locken zu kontrollieren?  Nein, er scheint zu überprüfen, ob ihn jemand beschattet. Und dieser andere Kerl im schwarzen Mantel,  der irgendwo in Paris am Straßenrand steht, wartet der einfach auf jemanden? Nein, er scheint den Verkehr, vor allem den  Lieferverkehr auszuspähen. Und der dritte, dürre, latent nervöse Typ, dem er gerade ein Zeichen gegeben hat, warum folgt der einem Lieferanten  ins Gebäude und bis an den Aufzug? ‘Harte Kerle, neue Zeiten – Pierre Granier-Deferres “Ganoven rechnen ab!”’ weiterlesen


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Mäuse, Kohle, Strand und Haltung – Zum Tod von Annette Funicello

Annette Funicello im Jahr 1956, in Mickey-Mouse-Club-Kluft samt Ohren und Lächeln.

Annette Funicello im Jahr 1956, in Mickey-Mouse-Club-Kluft samt Ohren und Lächeln.

Starruhm nimmt viele Formen an. Auch die überlebensgroßer Mäuseohren zum Auf-den-Kopf-Schnallen. Solche Ohren trugen einst die Kinder im Mickey Mouse Club, einer 1955 gestarteten Serie des US-Fernsehens. Was diese bunt gemixte Show den Amerikanern deutlich machen wollte, war ihr Familienzuwachs: Walt Disney, Uncle Walt, wurde hier als Schirmherr aller Kindheiten der  Nation präsentiert, als Onkel für jeden einzelnen kleinen Amerikaner. Dass da Disney-Mäuseohren auf den Köpfen saßen, war nur ein für die Kamera sichtbares Symbol dafür, dass Disney bereits in den Köpfen saß.

Annette Funicello, geboren am 22. Oktober 1942 an der Ostküste und seit ihrem vierten Lebensjahr an der Westküste aufgewachsen, ein All-American-Girl also, war die Stargöre im Mickey Mouse Club, die mit dem nettesten Lächeln. Es war alles noch kindlich an Annette, aber da war doch schon eine Pose erkennbar, die an die besseren Hausfrauen der Werbung von damals erinnerte. Dieses kleine Mouseketeer-Mädel  - so nannte man die Studiokids – schien die Kontinuität amerikanischer Mittelschichtsideale zu verbürgen. Annette würde klaglos und fröhlich so werden, wie  die Mütter der Ära wenigstens glaubten, zu sein. ‘Mäuse, Kohle, Strand und Haltung – Zum Tod von Annette Funicello’ weiterlesen


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Pigor, Pigor, Pigor!

War saumselig. Deshalb erst jetzt der Hinweis auf Pigors neuestes Chanson des Monats.

Der Mann hat sich mal wieder selber übertroffen.


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Die Lichter gehen aus – Edward Dmytryks “Die 27. Etage”

MiragecovIn einem New Yorker Wolkenkratzer ist der Strom ausgefallen. Aber man könnte diesen Anfang von Edward Dmytryks Thriller „Die 27. Etage“ (im Original: „Mirage“) auch großflächiger deuten: im netten hellen Amerika sind die Lichter ausgegangen. Gregory Peck als biederer Angestellter David Stillwell tappt in der Finsternis treppab. Als er unten angekommen ist, steckt er schon in einer unglaublichen Intrige.  Als Stillwell aber bei der Polizei Anzeige erstatten will, merkt er, dass er sich an kaum etwas aus seinem Leben erinnern kann. ‘Die Lichter gehen aus – Edward Dmytryks “Die 27. Etage”’ weiterlesen


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CD-Tipp: “The french album” des Atos-Trios

Was für ein glückliches Zusammentreffen: die charmante, vor Originalität sprühende Komposition einer unbekannten Französin und die kongeniale, ausgefeilte Interpretation durch ein junges, frisch aufspielendes Klaviertrio. „The french album“ heißt die CD des Atos-Trios, das Werke von zwei Frauen und zwei Männern vereint. Claude Debussys G-Dur-Trio gehört fast zum gängigen Repertoire, auch Jean Françaix (1912–1997), der mit einem viersätzigen Werk von 1986 vertreten ist, dürfte allseits im Bewusstsein angekommen sein.

Cécile Chaminade (1857–1944)  hingegen ist eine echte Entdeckung.  Mit hochromantischem Impetus strömt ihr a-Moll-Trio dahin, Annette von Hehn (Violine), Stefan Heinemeyer (Cello) und Thomas Hoppe (Klavier) folgen mit hörbarer Spielfreude ihrem musikalischen Einfallsreichtum. Grandios! Abgerundet wird die auch optisch und inhaltlich pfiffig gestaltete CD mit einer Komposition von Nadia Boulangers früh verstorbener Schwester Lili (1893–1918): „D’un matin de printemps“ – auf dass der Frühling kommen möge!


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