CD-Tipp: Tanja Becker-Bender spielt Busoni

tanja-becker-bender-5[1]Wem da nicht das Herz aufginge: Wenn Tanja Becker-Bender (Foto: Uwe Arens) am Anfang von Ferruccio Busonis Violinkonzert zu  dieser aufsteigende Fünfersequenz anhebt,  wenn sie ihr Klangvermögen in allen Lagen ausbreitet, ihr Legato und vor allem ihr elektrisierendes Spiccato, dann müsste ein Holzohr sein, den das nicht rührte.

Mit dieser Maßstäbe setzenden  CD zeigt die gebürtige Stuttgarterin erneut, ‘CD-Tipp: Tanja Becker-Bender spielt Busoni’ weiterlesen


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CD-Tipp: Alexander Maria Wagner solo

TYXart_14040_CD_Cover_300.jpgDoppelbegabungen – Interpret und Komponist – waren früher  häufig. Heute sind sie eher rar. Ein herausragendes Beispiel der Gegenwart für so eine Kombination   ist der 1995 geborene Alexander Maria Wagner.

Eine phänomenale 1. Sinfonie für großes Orchester hat er als 14-Jähriger vorgelegt, nicht weniger fulminant ‘CD-Tipp: Alexander Maria Wagner solo’ weiterlesen


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Johnny B. Goode!

Johnny Winter (1944-2014)       Foto: dpa

Johnny Winter (1944-2014) Foto: dpa

Wie er damals in unser Leben hineinknallte! Mit „Johnny Winter And“ hatte er ein Live-Album und eine Band zusammen, die unglaublich Zunder hatte. Ricky Derringer hieß der zweite Gitarrist, der ihm damals noch folgen konnte und mit ihm zusammen diesen alles niederstreckenden Blues mit viel Rhythmus herausschleuderte. Randy Jo Hobbs war der Bassist. „Go Johnny, Johnny B. Goode“!! Dieses Gurren in der Stimme und diese flirrenden Gitarrenlinien, die stets an der Grenze entlang hangelten! An der Grenze zu was? Egal, es war die Grenze dessen, was jemand ausdrücken konnte, die Grenzen der Existenz oder des Daseins, – oder wie man das auch immer nennen wollte. Intensiv halt, vital und brennend. Das grub sich uns tief ein. Immer und immer wieder hörten wir dieses unerhört drängende Live-Album. Er soll beim Woodstock-Festival gespielt haben, so raunte man sich damals zu. Na und? And? Der Woodstock-Film hatte ihn nicht gezeigt. Macht auch nichts. ‘Johnny B. Goode!’ weiterlesen


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CD-Tipp: Atavistic Music mit Alexander Suleiman und Yojo

Der Pianist Yojo ist schon mit Lang Lang verglichen worden. Das mag er nicht, und es charakterisiert ihn auch nicht korrekt.  Er ist auch schon mit Friedrich Gulda gleichgesetzt worden – was dem jungen Mann schon eher gerecht wird. Zumal Yojos Stief- und Ziehvater, der Komponist Franz Hummel, eng mit dem österreichischen Weltklassemusiker  befreundet war.

Was Yojo aber von Gulda unterscheidet: sein Jazz zündet, ‘CD-Tipp: Atavistic Music mit Alexander Suleiman und Yojo’ weiterlesen


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Mamas wilde Jahre – Die William-Boyd-Verfilmung “Ruhelos”

ruhelos-covAlte Leute werden wunderlich. Denkt sich Tochter Ruth (Michelle Dockery aus „Downton Abbey“) wohl, als sie ihre Mutter Sarah Gilmartin (Charlotte Rampling) besucht und die fragt, ob ihr jemand gefolgt sie. Worauf sie die Grenze von Grundstück und Wald mit dem Fernglas absucht: zwischen den Bäumen hervor beobachte jemand das Haus, glaubt Sally. ‘Mamas wilde Jahre – Die William-Boyd-Verfilmung “Ruhelos”’ weiterlesen


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CD-Tipp: das Atos-Trio mit Schostakowitsch

AtosWenn es eine  Musik gibt, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, dann diese: Dmitri Schostakowitschs zweites Klaviertrio in e-Moll, entstanden im Kriegsjahr 1944 und  dem Andenken  des Universalgelehrten  Iwan Sollertinski gewidmet. Das ganze Elend eines Menschen spricht aus dem Anfang, einer fugierten Klage, in den Instrumenten weit gefächert über fünf, sechs Oktaven, rhythmisch vorangetrieben von einem pochenden Daktylus, schon bei Franz Schubert das Versmaß der Einsamen und der Verzweifelten. ‘CD-Tipp: das Atos-Trio mit Schostakowitsch’ weiterlesen


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Ein Schnellfeuerhirte – Der Dokumentarfilm “Machine Gun Preacher”

Vielleicht wären auch in Deutschland die Kirchen wieder voller, wenn da einer predigen würde, der ein paar vollautomatische Waffen in der Sakristei zwischengelagert hat und erzählen kann, wie er heidnische afrikanische Mordbanden niedergemetzelt hat. Sehr viel heimeliger würde das die Gesamtgesellschaft allerdings nicht machen. Sam Childers jedoch ist in einer anderen Waffenkultur aufgewachsen, in den USA.   ‘Ein Schnellfeuerhirte – Der Dokumentarfilm “Machine Gun Preacher”’ weiterlesen


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Auf der Autobahn

Welche Verachtung liegt denn da dahinter? Ich war mit meiner Kiste nahezu jeden Tag auf der Autobahn unterwegs und allzu oft ballten sie hinter und neben mir die Faust, überholten mich demonstrativ rechts, fletschten die Zähne und machten wild fuchtelnd Fotos mit dem Handy, wobei manche Verkehrsteilnehmer über solchen Übungen die Kontrolle über ihr Fahrzeug komplett zu verlieren drohten. Dabei glaube ich, ein vergleichsweise empathischer und gelassener Fahrer zu sein, der den Flow nicht gerade verzögert. Jaja, die schlauen Psychologen erklären einem, dass sich die Leute im Straßenverkehr eine Art Tarnkappe der Anonymität überziehen und unter deren Schutz glauben, „mal richtig die Sau rauslassen“ zu können. Mir kam es aber oft so vor, als würden die Leute ganz bewusst in ihrem Streitwagen sitzen, und ihren Pferdestärken die Sporen geben, nach dem Motto „Höher, schneller, weiter“. Der andere ist da nur noch Gegner und die Gesamtveranstaltung könnte „Krieg mit anderen Mitteln“ heißen. Nicht nur die „political correctness“, sondern allerlei moralisch-ethische Maßstäbe schieben einem solchen Verhalten zumindest in Europa den Riegel vor. “Normalerweise”. Aber die zivilisatorische Decke scheint recht dünn zu sein. Es geht darum, den anderen fertig zu machen, ihn zu übertrumpfen, ihn zu „versägen“, ihn zu erledigen: Als ein Ventil des Alltags, zu dem man den von Jahr zu Jahr immer neu mit Pferdestärken und Kilowattstunden aufgerüsteten Streitwagen an den Start bringt. Man hat den sogenannten Wettbewerb verinnerlicht, man scheint ganz unwillkürlich und scheinbar selbstverständlich zu glauben, dass dieses ganze Spiel des Gewinners und Verlierers einen dazu legitimiere, den anderen vernichten zu dürfen. Empathie und Rücksichtnahme sind da nur Schwächen. Jawohl, der Wettbewerb erlaubt alles. Es gilt ja der allüberall so verherrlichte „Wettbewerb“, völlig selbstverständlich absolut. Da wird bis kurz vor der Messstelle, mit der der Staat als Raubritter an der Veranstaltung auch gerne teilnimmt, munter Gas gegeben. Unmittelbar davor kommt die große Bremsaktion und der Wagen wird brutal bis zur geforderten Geschwindigkeit herabgebremst, kurz danach wieder herb beschleunigt. Auch sehr ökologisch, das! Die Checker, die Bescheidwisser und cleveren Überholer sind unterwegs. Sie bringen unter anderem auch diese Art der staatlichen Abkassiererei hervor. Es könnte ja auch darum gehen, Feinstaub oder Lärm zu vermeiden. Es könnte darum gehen, Gefahren zu vermeiden, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Könnte ja eine Überlegung wert sein und könnte ja auch mal Sinn haben.
Es gilt das Recht des scheinbar Stärkeren. In Neudeutsch: Er hat sich durchgesetzt. Es ist dies im journalistischen Sinne auch das Gängige, was jeder weiß. Das Thema, was nun wirklich durch ist. Wirklich? Wieso verhält sich der Mitmensch dann aber auf der Autobahn wie eine Sau? Wider besseres Wissen? Ist vielleicht das Wissen und der Verstand gar nicht das Entscheidende? Werden wir von rudimentären Trieben zu unserem Verhalten gebracht? Von losgelösten Emotionen? Mehr als wir denken?


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Riskante Wendemanöver – Douglas Sirks “Duell in den Wolken”

sirk_duell_covEr sei der beste Reporter in der Stadt , wird Burke Devlin (Rock Hudson) von einem Einheimischen mal vorgestellt, als er zwischen den Maschinen und Tausendsassas einer Flugshow hindurchläuft. Dass Devlin sich für die Leute hier interessiert, wird er bald beweisen. Wir schreiben in Douglas Sirks Spielfilm „Duell in den Wolken“ das Jahr 1932, und die Kerle, die hier vor den Toren von New Orleans mit halsbrecherischen Wende­manövern um die   Wette fliegen, sind nicht nur ganz junge Heißsporne, sondern auch Veteranen des Ersten Weltkriegs, Kampfpiloten, die nicht mehr auf den festen und langweiligen Boden des bürgerlichen Friedens zurückgefunden haben. ‘Riskante Wendemanöver – Douglas Sirks “Duell in den Wolken”’ weiterlesen


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The Kids Are Not Alright – Jonathan Kaplans Wut im Bauch

wutimbauchcovWie mag das sein, in so einer abgelegenen Schlafstadt ohne Infrastruktur Teenager zu sein? Das fragt man sich immer wieder, wenn man in amerikanischen Filmen das künstliche Paradies der Vorstadt sieht, die ganz aufs Ruhebedürfnis der in die Stadt zur Arbeit pendelnden Mittelständler ausgerichtet ist. 1979 hat ein Film von Jonathan Kaplan, „Over the Edge“, im Deutschen heißt er „Wut im Bauch“, diese Frage zu beantworten versucht – und zwar ziemlich alarmistisch. Furchtbar ist es, schreit uns dieser Film entgegen, die Kids sind gelangweilt, frustriert, aggressiv, sie sind in ihrer Langeweile besonders empfänglich für den Kick, den Drogen versprechen. The kids are not alright.

Dass dieser auf dem ersten Drehbuch von Tim Hunter basierende Film jetzt auch bei uns als DVD erscheint, ist natürlich verdienstvoll. Denn „Wut im Bauch“ hatte ja große Ambitionen, man merkt ihm an, dass er der Debattenthemafilm des Jahres werden wollte, ein game changer in Sachen Wahrnehmung von und Umgang  mit den bürgerlichen und weniger bürgerlichen Kids. ‘The Kids Are Not Alright – Jonathan Kaplans Wut im Bauch’ weiterlesen


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