Die gute Nachricht des Tages steht hier.
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Gestern Abend klingelte mein Telefon. Eine Frau Lück war dran. Sie fragte, ob sie mir ein paar Fragen stellen dürfe. Ich fragte, worum es denn gehe und sie sagte, es gehe um moderne Musik. Ich fragte, ob sie Schönberg, Berg, Webern, Boulez und Lachenmann meine (ich bin in diesem Bereich nicht besonders beschlagen). Sie antwortete aber nicht darauf, sondern fragte mich statt dessen, wie alt ich sei. Ich bin 47. Frau Lück sagte, damit sei ich leider zu alt für die Umfrage. Wir verabschiedeten uns mit gegenseitigem höflichen Bedauern.
Herrgott, jetzt wird man als Mann in den besten Jahren schon wegen seines Alters diskriminiert.
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Ganz schön bitter, diese Batu-Dernière. Noch bitterer ist eigentlich nur die Aussicht auf seinen Nachfolger.
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Zu Hermann Hesse hat die Frankfurter Allgemeine vor 16, 17 Jahren eigentlich schon alles gesagt (ich zitiere aus dem Gedächtnis): Das Calwer Hesse-Kolloquium sei eine Veranstaltung für Leute, die den Steppenwolf auch nach Erlangung der allgemeinen Hochschulereife für einen großen Roman hielten.
Je nun, der Hesse. Er ist, der FAZ zum Trotz, grad wieder schwer im Kommen. Sein fünfzigster Todestag ruft sie alle auf den Plan, die Freunde und Liebhaber. In “Hermann Hesse Superstar” kamen sie am MIttwoch zu Wort, die Literaturpäpste Lindenberg, Klink und Beckenbauer. Jeder, wie er’s mag.
Zuvor hat die ARD Jo Baiers “Heimkehr” gesendet, und meine Befürchtung, Heike Makatsch müsse ein sogenanntes Schwäbisch sprechen, ist zum Glück nicht eingetreten. Das hat dem insgesamt etwas betulichen Film ebenso gut getan, wie der weitestgehend recht authentische Dialekt, den die Gerbersauer/Calwer Bürger sprachen – auch wenn sie doch, von den Außenseitern abgesehen, allesamt arg geduckt und verdruckt gezeichnet waren.
Warum der Film trotzdem nicht ganz funktioniert hat, liegt an den Drehorten: nicht nur, dass die Architektur in Hall und Gmünd im Detail anders anmutet als in Calw. Es fehlt dort auch die drückende Schwärze des Waldes, die das enge Nagoldtal (und seine Bewohner) prägt oder zumindest prägte. Anders ausgedrückt: in Baiers Film war etwas zu viel Himmel zu sehen.
PS.: Jo Baier hätte den Film natürlich gar nicht in Calw drehen können. So verschandelt und geschleift und zubetoniert wie die Stadt in den vergangenen 50 Jahren wurde. Wie die Kinder mit den Bohnen sind die Calwer mit dem Charme ihrer Stadt umgegangen. Dass in anderen württembergischen Städen die gleiche Ignoranz zuhause ist, macht die Sache nicht besser.
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Er ist alt, er ist blind, es ist sein letztes Buch. Seit genau 50 Jahren publiziert Ernst Augustin seine durchtriebenen, genau komponierten, scheinbar leichtfüßigen, aber hintersinnigen und sprachlich immer wieder am Rand des Geheimnisvollen angesiedelten Romane: Mit „Der Kopf“ debütierte er 1962 und bekam sofort den Hermann-Hesse-Preis, mit „Robinsons blaues Haus“ verabschiedet sich der 85-Jährige: „Dieses letzte Kapitel ist auch mein letztes Kapitel, und es ist mein letztes Haus, das ich hier baue.“ Und es ist wie immer ein Spiel mit den Genres, ein Spiel mit dem Leser, ein Spiel mit dem Leben, ernst und ironisch zugleich.
‘Sein letztes Buch. Schon wieder ein Meisterwerk von Ernst Augustin’ weiterlesen
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Olli Schulz ist Indie-Rocker und Liedermacher. Aber eben nicht nur. Er ist auch Komiker. Oder doch nicht? Ist er vielleicht einfach nur komisch? Sagen wir so: Als Musiker hat er angefangen. In “SOS – Showman Olli Schulz Live” präsentiert er bei einem Auftritt in Berlin seinen angeblich ersten Song (Schulz spricht stets im autobiographischen Modus: alles, womit er einen Saal zum Kichern bringt, ist ihm angeblich wirklich widerfahren) aus der Mitte der Pubertät. Das Stück heißt „Der Strumpfmaskenmörder“ und ist unfreiwillig komisch. Auf dem Zusatzmaterial der DVD findet man dann einen Song, den Schulz ein wenig später, mit Achtzehn, geschrieben haben will . Das Lied heißt: „Schmeckt wie Pisse riecht“. Vorsichtshalber bekniet er die Zuhörer vorab: „Bitte geht noch nicht“. Er müsse das spielen, damit sie die neueren Songs dann besser zu schätzen wüssten. ‘Einfach mal zuhören – Olli Schulz auf DVD’ weiterlesen
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Auf “SWR 2 an Morgen” läuft nicht selten Schönes, manchmal aber auch ziemlich Gespäßiges: “Butterfly chase” nach Chopins Ges-Dur-Etüde op. 25/9, arrangiert von einem gewissen Bernd Lhotzky und gespielt von den Echoes of swing gehört in diese Kategorie. Damit könnte man auch einen Dick-&-Doof-, pardon!, Laurel-und-Hardy-Film untermalen. Nehmen wir also den musikalischen Klamauk zum Anlass, um im Vorbeigehen auf einen phänomenalen Chopin-Interpreten hinzuweisen, den mir ein geschätzter Kollege dieser Tage ans Herz gelegt hat: Ignaz Friedmann.
Wie der, schellackverrauscht, die “Schmetterlings-Etüde” spielte (und vieles anderes mehr), hat mich umgehauen. Noch selten habe ich einen Pianisten gehört, der seine agogische Freiheiten so verblüffend plausibel macht (ich bin da ja sonst sehr heiklig), der die Stimmen so transparent nebeneinander her und auch gegeneinander führt, der einem ein altbekanntes Stück so neu erscheinen lässt.
Wer’s nicht glaubt: auf Track 15 gibt’s eine Kostprobe davon.
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Bram Stoker hat es nicht leicht gehabt, nicht im Leben und nicht danach. Als Gestalt der Literaturgeschichte wird der gebürtige Ire von Feingeistern oft nur widerwillig ertragen. Er gilt als mieser Stilist und kruder Groschengrusel-Hökerer, sein einer Roman, der ihm Nachruhm sichert, als Zufallstreffer, eher thematisch denn stilistisch interessant – der 1897 erschienene „Dracula“. ‘Eine Frage der Normen: Bram Stokers “Dracula”’ weiterlesen
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Arbeitspause. Tee getrunken. Durch zufällig aus dem Regal gegriffene Bücher geblättert. Und eine schöne Teeszene gefunden. Der Schriftsteller August Lewald (der lange in Stuttgart als Regisseur am Hoftheater gearbeitet hat) erzählt vom Besuch einer Abendgesellschaft in Bayreuth im Jahre 1815, bei der auch Jean Paul geladen ist. Der dicke Dichter setzt sich an den Flügel und “macht den tiefsten Eindruck”.
Aber dann: “Nach beendigtem Spiel wollte er Tee; aber der Tee war längst fortgetragen, und die Bedienten brachten ihm andere Erfrischungen. Er bestand aber auf Tee und begehrte ihn so laut im Vorzimmer, daß die Dame des Hauses ängstlich aufsprang, um nach der Ursache des Lärms sich zu erkundigen, und, wie natürlich, sogleich Tee zu bringen befahl. Leider ist es nur zu wahr, daß er im Eifer des Gesprächs dann diesen Tee so stark mit Rum zu versetzen pflegte, daß er am Ende reinen Rum trank und so für die Gesellschaft fast untauglich wurde. Dies war die Ursache, daß er von vielen Baireuther Gesellschaften, welche die Gegenwart des herrlichen Mannes mit dieser Unannehmlichkeit nicht erkaufen wollten, ausgeschlossen blieb.”
Unsere Dichterfürsten.
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Kevin Smith ist ein guter Kumpel, vielleicht darf man auch sagen, ein treuer Freund. Auf seinem Weg durch die amerikanische Medienwelt, sei es als Regisseur, sei es als Comicautor, nimmt er alte Bekannte nach Möglichkeit mit. Das sorgt zwar dafür, dass es im Kino einen wiedererkennbaren Smith-Kosmos gibt. Das hat aber auch zur Folge, dass manche hartnäckige Loyalität Smiths Ideen an der Entfaltung hindert. So hat mir Smiths erste große Auseinandersetzung mit Batman, die Miniserie „Cacophony“, schon deshalb nicht gefallen, weil Smiths Jugendfreund Walter Flanagan als Zeichner schlicht überfordert war. ‘Intimitäten: Kevin Smiths zweiter Batman-Comic “The Widening Gyre”’ weiterlesen
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