
Langsam aber sicher biegen wir in die Zielgerade der Vorbereitung zum Halbmarathon beim Stuttgarter-Zeitung-Lauf ein. Die Trikots sind da, ein Termin für den letzten Laktattest vereinbart, die Muskeln gestählt und die langsamen Dauerläufe bei fast 2 Stunden. Was bleibt da noch, um nicht Langeweile aufkommen zu lassen – ein Testwettkampf. So habe ich mich schon im Vorfeld entschieden, beim diesjährigen 10 km-Waldmeisterlauf in Warmbronn teilzunehmen. Entsprechend wurde auch mein Trainingsplan ausgelegt.
Am 7. Mai war es dann soweit. Nachdem der Nachmittag schon sehr nervenaufreibend war, weil mein Junior mit seiner Mannschaft in der Qualifikation für die Handball-C-Jugend-Bezirksliga kämpfte und letztendlich gewann, hetzten meine Frau und ich nach Warmbronn. Mit einer halben Stunde Vorlauf erreichten wir den Sportplatz und ich bereitete mich mental und mit warmlaufen auf die Strecke vor. Im Gegensatz zur Regel, dass es beim Waldmeisterlauf immer kalt und regnerisch ist, war es der erste richtige Sommertag mit Temperaturen weit über 26 °C. Selbst zur Startzeit um 18 Uhr war es noch sehr, sehr warm. Der Stadionsprecher forderte uns entsprechend auf, den hohen Temperaturen Tribut zu zollen und doch ein bis zwei Minuten langsamer als sonst zu laufen. Unklar war, ob er pro Kilometer oder auf die Gesamtstrecke gesehen meinte.
Mein Puls war erhöht, sei es ob der Hitze oder der Aufregung, oder wegen beidem.
So begab ich mich mit ca. 500 Mitstreitern an den Start. Mit kurzer Verzögerung erfolgte der Startschuss. Die Entscheidung, mich im hinteren Viertel der Startaufstellung zu platzieren, war goldrichtig, denn das Feld entzerrte sich sehr schnell und ich konnte mein Ding machen ohne gestört zu werden oder zu stören. Nach einem Kilometer wurde ich schon von den ersten Halbmarathoni überholt, die 45 Minuten vor uns gestartet waren und nun zur zweiten Runde ansetzten. Aber ich mach mein Ding. Ich hatte mir zwar im Vorfeld das Höhenprofil und den Streckenverlauf angesehen, das hatte ich jedoch nicht erwartet. Gefühlte 80 % der Strecke gingen bergauf. Von sachte ansteigend bis ganz steil war alles dabei. Aber ich versuchte meinen Rhythmus zu laufen. Leider musste ich meine Pulsvorgaben über den Haufen werfen und lief deutlich über den gesetzten Marken, dabei ging es mir aber ganz gut.
Ein schönes Erlebnis am Rande war ein Kuckuck, den wir großräumig umkreisten, der aber immer wieder zu hören war und uns mit seinen Rufen anfeuerte. Ebenfalls wurden wir von den Streckenposten und den Passanten am Straßenrand angefeuert und zwar von jedem. Vielen Dank dafür, ihr wisst gar nicht, wie gut das tut.
So wurden wir dann durch den Ort, durch die Sonne Richtung Ziel getragen. Den Endspurt eines Konkurrenten konnte ich kontern und mich auf den letzten 300 Metern absetzen, soweit reichte die Luft. Nach 1 Stunde, 6 Minuten und 50 Sekunden durchlief ich das Ziel und war happy, durchgelaufen zu sein. Immerhin nicht Letzter, hatte ich noch 30 Finisher hinter mir gelassen, zuzüglich 50 Läufern, die nicht angekommen waren. Trotzdem hatte ich mehr erwartet, wollte ich doch unter einer Stunde bleiben. Sei es aber dem Wetter und den Hügeln geschuldet und nach zehn Minuten war auch dieser Frust verflogen. Ebenso hielten sich die Erschöpfung und eventueller Muskelkater in Grenzen, was ich auf die gute Vorbereitung zurückführe. So bin ich nun doch zufrieden.
Nach diesem Test werde ich mein Halbmarathonziel deutlich revidieren und den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen, denn ein Halbmarathon ist ja mehr als das doppelte der gelaufenen 10 km. Trotzdem bin ich frohen Mutes und zuversichtlich, auch diese Strecke zu meistern. Mal schauen, was der Laktattest bringt.”