“So, das war’s das jetzt?” “Ja, aber nur der Anfang!”

Nun ist auch der 18. Stuttgarter Zeitung-Lauf Geschichte. Aber eben auch meine Geschichte und „Mein Lauf“.

War doch die Vorbereitung mit der Stuttgarter Zeitung-Laufclique hervorragend, so war die Generalprobe (siehe “Der Test-Wettkampf”) eher ernüchternd. Trotzdem war es ein tolles Wochenende, am Samstag mit Gesundheitssymposium, und am Sonntag mit unserem Ereignis, dem Halbmarathon. Die Vorbereitung zahlte sich aus, das Wetter spielte mit, die Ernährungstipps von Dr. Feil zeigten Wirkung und halfen über Schwächen hinweg und am Schluss konnte ich mein Tempo auf den letzten drei Kilometern ins Ziel sogar noch steigern. Glücklich und zufrieden kam ich an. Zwar schmerzten die Beine und Gelenke, aber ein Spruch auf einem Laufshirt zeigt auch hier die Wahrheit: „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!“. Und unser Motivationstrainer Charles Robertson meinte dann noch, dass ich mit 20 kg weniger ein richtig guter Läufer wäre. Somit sind die nächsten Ziele gesteckt, weiterer Gewichtsverlust und weiter laufen.

Wir sehen uns wieder, beim 19. Stuttgarter Zeitung-Lauf.

Und natürlich noch eins: Vielen Dank an die Stuttgarter Zeitung für dieses unvergessliche Erlebnis, den Trainern und Sponsoren für Ihre Unterstützung!

Der Test-Wettkampf

Langsam aber sicher biegen wir in die Zielgerade der Vorbereitung zum Halbmarathon beim Stuttgarter-Zeitung-Lauf ein. Die Trikots sind da, ein Termin für den letzten Laktattest vereinbart, die Muskeln gestählt und die langsamen Dauerläufe bei fast 2 Stunden. Was bleibt da noch, um nicht Langeweile aufkommen zu lassen – ein Testwettkampf. So habe ich mich schon im Vorfeld entschieden, beim diesjährigen 10 km-Waldmeisterlauf in Warmbronn teilzunehmen. Entsprechend wurde auch mein Trainingsplan ausgelegt.

Am 7. Mai war es dann soweit. Nachdem der Nachmittag schon sehr nervenaufreibend war, weil mein Junior mit seiner Mannschaft in der Qualifikation für die Handball-C-Jugend-Bezirksliga kämpfte und letztendlich gewann, hetzten meine Frau und ich nach Warmbronn. Mit einer halben Stunde Vorlauf erreichten wir den Sportplatz und ich bereitete mich mental und mit warmlaufen auf die Strecke vor. Im Gegensatz zur Regel, dass es beim Waldmeisterlauf immer kalt und regnerisch ist, war es der erste richtige Sommertag mit Temperaturen weit über 26 °C. Selbst zur Startzeit um 18 Uhr war es noch sehr, sehr warm. Der Stadionsprecher forderte uns entsprechend auf, den hohen Temperaturen Tribut zu zollen und doch ein bis zwei Minuten langsamer als sonst zu laufen. Unklar war, ob er pro Kilometer oder auf die Gesamtstrecke gesehen meinte.

Mein Puls war erhöht, sei es ob der Hitze oder der Aufregung, oder wegen beidem.

So begab ich mich mit ca. 500 Mitstreitern an den Start. Mit kurzer Verzögerung erfolgte der Startschuss. Die Entscheidung, mich im hinteren Viertel der Startaufstellung zu platzieren, war goldrichtig, denn das Feld entzerrte sich sehr schnell und ich konnte mein Ding machen ohne gestört zu werden oder zu stören. Nach einem Kilometer wurde ich schon von den ersten Halbmarathoni überholt, die 45 Minuten vor uns gestartet waren und nun zur zweiten Runde ansetzten. Aber ich mach mein Ding. Ich hatte mir zwar im Vorfeld das Höhenprofil und den Streckenverlauf angesehen, das hatte ich jedoch nicht erwartet. Gefühlte 80 % der Strecke gingen bergauf. Von sachte ansteigend bis ganz steil war alles dabei. Aber ich versuchte meinen Rhythmus zu laufen. Leider musste ich meine Pulsvorgaben über den Haufen werfen und lief deutlich über den gesetzten Marken, dabei ging es mir aber ganz gut.

Ein schönes Erlebnis am Rande war ein Kuckuck, den wir großräumig umkreisten, der aber immer wieder zu hören war und uns mit seinen Rufen anfeuerte. Ebenfalls wurden wir von den Streckenposten und den Passanten am Straßenrand angefeuert und zwar von jedem. Vielen Dank dafür, ihr wisst gar nicht, wie gut das tut.

So wurden wir dann durch den Ort, durch die Sonne Richtung Ziel getragen. Den Endspurt eines Konkurrenten konnte ich kontern und mich auf den letzten 300 Metern absetzen, soweit reichte die Luft. Nach 1 Stunde, 6 Minuten und 50 Sekunden durchlief ich das Ziel und war happy, durchgelaufen zu sein. Immerhin nicht Letzter, hatte ich noch 30 Finisher hinter mir gelassen, zuzüglich 50 Läufern, die nicht angekommen waren. Trotzdem hatte ich mehr erwartet, wollte ich doch unter einer Stunde bleiben. Sei es aber dem Wetter und den Hügeln geschuldet und nach zehn Minuten war auch dieser Frust verflogen. Ebenso hielten sich die Erschöpfung und eventueller Muskelkater in Grenzen, was ich auf die gute Vorbereitung zurückführe. So bin ich nun doch zufrieden.

Nach diesem Test werde ich mein Halbmarathonziel deutlich revidieren und den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen, denn ein Halbmarathon ist ja mehr als das doppelte der gelaufenen 10 km. Trotzdem bin ich frohen Mutes und zuversichtlich, auch diese Strecke zu meistern. Mal schauen, was der Laktattest bringt.”

“Mairegen macht schön!”

Mairegen macht ja angeblich schön. Foto: dpa

Nach überstandener Virusinfektion, bin ich wieder zurück im Training und versuche zumindest die verpassten Tempoläufe und Fahrtspiele (Intervalltrainings) nachzuholen. So ist es nun nichts mehr mit lockeren drei Läufen pro Woche, es müssen dann schon vier sein. Nach dem Infekt läuft es nun auch deutlich besser, wie bei Kindern, bei denen es nach jeder Krankheit ein Entwicklungsschub gibt, bin ich deutlich schneller bei gleichem Puls, als vorher.

Nachteil an der ganzen Geschichte ist, dass die Motivation teilweise auf der Strecke bleibt und auch die Beine schwerer sind als sonst. So schiebt man den ein oder anderen Lauf vor sich her und darf dann in der Dunkelheit laufen oder diese Einheit in den Morgenstunden des folgenden Tages nachholen.

So habe ich auch den langen Lauf am Sonntag und 1. Mai-Feiertag vor mir hergeschoben bis in den späteren Nachmittag. Es gab genug Gründe ihn zu schieben. Dann aber in die Laufklamotten geschwungen, die neuen Schuhe an und raus vor die Tür. Meine Familie verabschiedete mich von unserem Balkon im Hochparterre aus und ich lief los. 30 Meter weiter begann es zu tröpfeln. Prompt drehte ich um, denn im Regen muss ein Sonntagslauf ja wohl nicht sein. So setzte ich mich zu Frau und Tochter und wartete mit Ihnen darauf, dass der Regen nachlässt.

Eine Viertelstunde später tröpfelte es immer noch und die Regenwolken verhießen nichts Gutes. Es entwickelte sich ein hin und her im Kopf, aber unser Plastikstuhl gab das eindeutige Zeichen zum Aufbruch, als er unter mir in die Knie ging. So entschloss ich mich, zumindest mal die Schuhe zu wechseln, damit das gute, neue Paar nicht dreckig wird. Kaum stand ich wieder unter unserem Vordach regnete es heftiger. Jedoch trieben mich die frotzelnden Anmerkungen meiner Mädels ob meines Missgeschicks mit dem Stuhl in die Flucht, so dass ich mich in den Regen aufmachte. Wieder 100 Meter weiter fing es an zu schütten, doch jetzt gab es kein zurück mehr. So trabte ich, auf meinen Puls mit maximal 125 Schlägen pro Minute achtend, durch die Straßen von Rutesheim, entlang der Wiesen Richtung Wald. Unter der Autobahnbrücke trieb mich eine Gruppe von schutzsuchenden Mai-Wanderern mit Anfeuerungsrufen weiter in den Regen. Nur vollkommen durchnässte Radler hasteten an mir vorbei, auf der Suche nach einem schützenden Dach. So war ich fast alleine, klatschnass und froh, doch die Kurve bekommen zu haben. Nach einer guten Stunde hörte es auf zu regnen, es fielen aber weiterhin dicke Tropfen aus dem Blätterdach.

Nach fast genau 100 Minuten war ich wieder zu Hause und eine wärmende Dusche später fühlte ich mich sauwohl, unter anderem weil ich den Schweinehund überwunden hatte. Wobei, bei einem Wettkampf hat man auch keine Wahl, und somit war es ein guter Test unter realistischen Bedingungen.

Als ich einer Bekannten von diesem Lauf erzählte sagte sie nur: “Mairegen macht schön.“ Ob es hilft?

Metamorphose Teil II – Waffenstillstand oder Ruhe vor dem Sturm?

Inzwischen stehen wir, die Läufer der StZ-Laufclique, vier Wochen vor dem ersehnten Zieleinlauf. Damit ist klar, das Training muss weitergehen, da gibt es kein Pardon! Nachdem erste Überlastungserscheinungen – schmerzende Knie bei jedem Lauf – zwischenzeitlich den Schweinehund triumphieren ließen und ich schon befürchtet habe, den Halbmarathon nicht laufen zu können, herrscht aktuell Waffenstillstand zwischen Engelchen und Teufelchen – alias Spiderschwein und Schweinehündchen.  Die Knieschmerzen sind bei längeren oder temporeichen Laufeinheiten zwar immer noch da, sind aber gut auszuhalten und werden auch nicht weiter schlimmer.

Vernunft ist gut und Abwechslung nicht schlecht. Mir wurde geraten, beim Training auf die rebellierenden Knie zu hören und lieber langsamer zu laufen oder auch mal eine Trainingseinheit ausfallen zu lassen, um keine längere Trainingspause und damit einen größeren Trainingsrückstand zu riskieren. Da ich sowieso nicht zu den verbissenen Ehrgeizlingen gehöre, konnte ich mich damit gut arrangieren und habe lediglich zwei kleinere Einheiten „verpasst“. Eine davon fiel auf das Osterwochenende und wurde möglicherweise sogar durch die Vogesenwanderungen, die wir bei bestem Frühlingswetter unternommen haben, kompensiert. Mit neuen Eindrücken und frischen Muts zurück, kann nun das letzte Drittel der Trainingsvorbereitung in Angriff genommen werden.

Leider ist die anfängliche Euphorie, die der Trainingsplan und die von der StZ begleitete Halbmarathonvorbereitung mit sich brachte, etwas verflogen. Vielleicht deshalb, weil ich durch die Knieschmerzen daran erinnert wurde, dass ich unbedingt mehr für meine Rumpfmuskulatur, die für die Stabilität beim Laufen wichtig ist, machen sollte? Oder auch, weil ich seit Wochen keine Leistungsverbesserung mehr spüre? Oder weil nicht immer am Ende des Trainings eine Belohnung wie nach dem gemeinsamen Training mit der Laufclique wartet?

Das Laufen selbst ist – zumindest die „normalen“ Läufe im Mittleren Dauerlauftempo und die langen, langsamen Läufe – schön und auch nicht sonderlich anstrengend (auf die Tempoläufe oder Fahrtspiel-Einheiten könnte ich dagegen gerne verzichten), bedarf aber teilweise der Überwindung. Hilfreich sind Verabredungen zum Laufen (Max Gauger aus der Laufclique hat es vor Kurzem geschafft, mich vor sechs zum Aufstehen zu bewegen) oder die Frage des eigenen Partners oder anderer StZ- bzw. „Doku-Soap“-Leser (Kollegen, Nachbarn, Hundegassigeherbekanntschaften), was der Trainingsplan diese Woche vorgibt.

Auch wenn der Waffenstillstand ein guter und auch akzeptabler Zustand ist , so würde ich mir doch einen Sturm des Spiderschweins wünschen. Mal sehen, ob sich an dieser Front noch etwas tut… die Chancen sind ja nicht schlecht, das Schweinehündchen scheint etwas müde geworden zu sein.

Frühlingserwachen

Foto: dpa

Meine drei treuen Begleiter seit dem ersten Schnee im letztem November liegen etwas traurig in der Wohnung herum. Momentan haben sie keinen Ausgang und es scheint, dass es eine ganze Weile dauern wird, bis sie wieder mitlaufen dürfen. Sie hoffen zwar, doch noch ein wenig Bewegung zu bekommen, aber die Wettervorhersagen deuten andere Zeiten an. Bären und andere Tiere wachen langsam aus ihrem Winterschlaf auf, doch meine drei Mitläufer bereiten sich auf ihrem Sommerdomizil aus. Die grüne Strickmütze mit Windstopper – so eminent wichtig in den Wintermonaten für einen Läufer ohne natürlichen Schutz am Kopf gegen die Kälte – und seine zwei Freunde, der linke Handschuhe und sein rechtes Pendant, haben vorübergehend ihren Dienst getan und werden sich bald in die Tiefe des Kleiderschranks verabschieden…

Vorbei ist auch der Zeit des kurzen Überlegens beim Thema passende Laufbekleidung. Seit November musste man nur kurz entschieden, ob die Temperaturen so weit unter Null waren, dass eine dickere Jacke und zwei Laufhosen angezogen werden sollten. Jetzt bei den Frühlingstemperaturschwankungen ist es schwieriger geworden, die richtige Auswahl zu treffen. Und manchmal geht’s daneben, wie vor zehn Tagen beim langen Lauf vom Sonnenberg zum Birkenkopf und zurück. Es wurde viel wärmer als ich dachte, und „overdressed“ mit langer Laufhose und leicht langarmigen Windstoppern oben, war ich das Ziel viele Witze von den in „kurz“ laufenden Swim-und-Go-Triathleten Uwe und Stephan. Ist der harte Engländer, der in kurzen Hosen beim Neujahrslauf in Leinfelden antrat, doch ein Weichei geworden?

Und ich hätte so gerne mein Beine und Arme von Textilien befreit. Eines der schönsten Gefühle nach einem langen harten Winter ist es, den Beinen und Armen Freiheit zu schenken. Halb neidisch sah ich zu, wie bei der vorletzten Einheit der StZ-Laufclique Ulrich Stolte mit nackten Beinen herumlief. Ich war einfach noch nicht so weit. Aber beim nächsten „gemeinsamen“ Lauf mit ihm am 3. April – dem Gerlinger Solitudelauf – kamen meine teils käseweißen Beine zum Vorschein. Selbst im Bus beim Hochfahren zum Start gab es keine Unsicherheiten über die Wahl der Kleider für den 10-Kilometer-Volkslauf. Welch ein Gefühl! Das geringere Gewicht hat mich zwar nicht schneller gemacht, aber ich war beflügelt von dem Gefühl der Leichtigkeit. Sommer ist bald da und dann gibt’s wieder kaum Überlegungen über die Laufklamotten.

Aber bis er eintrifft, müssen doch noch einige Entscheidungen getroffen werden. Soll ich jetzt die grüne Mütze und seine zwei Freunde im Schrank bis zum Herbst verabschieden? Wenn ich es jetzt täte, gibt es bestimmt ein paar kalte Tage. Und soll ich die Funktionssommermütze aus der Tiefe des Schranks holen? Denn der natürliche Schutz fehlt nicht nur gegen Kälte sondern auch gegen den Frühlingssonnenbrand.

Mein Lauf – Zurück auf Los

Foto: dapd

Der zweite Teil der Vorbereitungszeit auf Basis des Trainingsplans von Dr. Striegel hat begonnen. Ein idealer Zeitpunkt, um nach vorne – auf den Stuttgarter Zeitung- Halbmarathonlauf in sechs Wochen – zu blicken und mir meine Motivation für MEINEN LAUF noch einmal bewusst zu machen:

Ich finde das Motto des diesjährigen Stuttgarter Zeitungs-Laufs „Mein Lauf“ so simpel wie genial. Ich bin mir sicher, dass jeder Läufer seine eigene Geschichte oder Erfahrung hat, die er mit dem Laufen verbindet und ein ganz persönliches Ziel, das er mit der Teilnahme an diesem Wettbewerb erreichen möchte. Insofern ist „…Mein Lauf! [...] Ausdruck der individuellen Interpretation, Haltung und Sichtweise aller Teilnehmer…“

Meine Entscheidung zum Laufen und damit meinem bis dahin unsportlichen Leben ein Ende zu bereiten, fiel zusammen mit der Entscheidung, kein Fleisch mehr zu essen. Beide Beschlüsse wurden in einer Zeit des Neubeginns vor inzwischen über zehn Jahren gefällt und tragen beide der Erhaltung bzw. Verbesserung meiner Gesundheit bei. Beide Aspekte sind daher eng miteinander verbunden und bis heute von großer Bedeutung für mich. MEIN LAUF steht daher auch nicht ganz simpel für das Erreichen einer bestimmten Zeit oder einer bestimmten Platzierung. Die Teilnahme an der Herausforderung Halbmarathon kommt eher einer Auffrischung meiner ursprünglich aus gesundheitlichen Aspekten gefällten o.g. Beschlüsse bzw. eines Neubeginns auf höherem Niveau gleich als einem Leistungswettbewerb mit anderen. Der Wettbewerbsgedanke kommt innerhalb der StZ-Laufclique zwar latent durch, ist für mich aber mehr Motivationsantrieb als Kräftemessen.

Die mittlerweise konsequent vegetarische Ernährungsweise ist Basis meiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Um auch diesem Aspekt im Rahmen MEINES LAUFS gerecht zu werden, habe ich eine private Spendensammelaktion zugunsten eines Kinospots, der zur Verbannung tierischer Produkte aus dem Kühlschrank anregen will, gestartet. Zieleinlauf ist auch hierfür der 29.05.2011.

Alles eine Frage der Zeit

Der StZ-Lauf sorgt für eine neue Zeitrechnung.

Foto: dpa

Es war vielleicht ganz gut, ohne klare Vorstellung davon, was auf mich zukam, in das Projekt Stuttgarter-Zeitung-Lauf 2011 hineinzustolpern. Die drei- bis viermal Laufen pro Woche, die mir verordnet wurden, kosten ganz schön viel Zeit – wenn ich es zusammenzähle und die Fahrten von und zur Laufstrecke mitrechne, ist es locker ein zusätzlicher Achtstundentag jede Woche. Die Zeit muss man sich erst mal nehmen, und ich bin meiner Frau mehr als dankbar, dass sie mich bei der Vorbereitung diesbezüglich voll unterstützt. Trotzdem ist jeder Tag, an dem eigentlich Laufen eingeplant wäre und es wegen Vollbeschäftigung von morgens um sieben bis abends um elf einfach nicht geht, schwer bis gar nicht zu kompensieren. Wenn das Laufen am Dienstag ausfallen muss, führt das dann meist dazu, dass irgendwann in der Woche an drei Tagen nacheinander Training angesagt ist, und das wird dann schon stressig.

Andererseits haben der Stress und die Regelmäßigkeit auch den Vorteil, dass ich mich gar nicht mehr frage, ob ich denn heute Lust habe, sondern es ins Wochenpflichtprogramm genauso wie Arbeiten oder Einkaufen einfach reingehört. Der implizite Gruppendruck und gelegentlich eine freundliche innerfamiliäre Nachfrage tun den Rest dazu, dass bis jetzt kein Lauf ausgefallen ist, sondern maximal um einen Tag verschoben wurde.
Auf ein paar andere Dinge im Haushalt hat das Lauftraining auch Auswirkungen: die Wäscheberge sind noch höher geworden, und die allmorgendliche Dusche ist eher zu einer abendlichen nach dem Training geworden. Das Problem, abends gelegentlich nicht einschlafen zu können, hat sich quasi von selbst erledigt (wenn nicht gerade unsere Tochter Theater macht, aber das ist ein anderes Thema). Und mein Schokoladenkonsum hat sich ziemlich nach oben entwickelt, mal eben abends eine halbe Tafel ist nichts Ungewöhnliches.

Die Waage erzählt immer noch so ziemlich das Gleiche wie vor vier Wochen, aber ein paar Hosen sind in der Zwischenzeit weiter geworden (trotz Schokolade). Ich tippe mal darauf, dass das, was am Bauch nun fehlt, mittlerweile zu Beinmuskulatur geworden ist – was ja ein durchaus angenehmer Effekt wäre. Auf die nächste Untersuchung bei Dr. Striegel bin ich jedenfalls schwer gespannt, vor allem darauf, ob das Training nun etwas Messbares für meine Laktatwerte gebracht hat oder nicht.

Ein großer Vorteil des Laufens ist, dass man nur einen kleinen Bereich des Hirns dafür einsetzen muss. Wenn die Beine mal laufen, dann laufen sie, und das Großhirn muss eigentlich nur noch gelegentlich schauen, dass niemand über den Haufen gerannt wird und ich nicht im Acker lande. Resultat dessen: jede Menge Zeit zum Nachdenken, entweder über noch zu schreibende Blogeinträge (für die mir dann anschließend nur immer die Zeit zum Schreiben fehlt) oder über alle möglichen elektronischen Basteleien (für die mir dann die Zeit zum Umsetzen fehlt). Nur beim allsonntäglichen Ewigkeitslauf (im Moment 90 Minuten, jede Woche 10 Minuten mehr) brauche ich Musik für unterwegs, sonst gehe ich vor Langeweile ein.

So changiert das Laufen gerade zwischen Spaß und Pflicht. Es ist aber in jedem Fall ein gutes Gefühl, wieder regelmäßig ziemlich viel Sport zu treiben und nicht nur alibimäßig alle zwei Wochen mal um den Bärensee zu rennen. Und es sind ja noch zwei Monate bis zum StZ-Lauf. Ich werde sie brauchen.